Munich Startup
„Die besten InvestorInnen greifen daneben“: Was Business Angel Katja Ruhnke über Erfolg und Scheitern gelernt hat

„Die besten InvestorInnen greifen daneben“: Was Business Angel Katja Ruhnke über Erfolg und Scheitern gelernt hat

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Warum scheitern selbst erfahrene InvestorInnen? Für Katja Ruhnke von CK Ventures gehört das zum Geschäft dazu. Im Videocast Pitch & People spricht die Unternehmerin und Business Angel darüber, warum sie trotzdem weiter investiert, weshalb der Mensch für sie wichtiger ist als die Idee und warum Impact für sie über dem schnellen Exit steht.

14. Juli 2026

PITCH & PEOPLE Folge 42: Katja Ruhnke

Warum scheitern selbst erfahrene InvestorInnen? Für Katja Ruhnke von CK Ventures gehört das zum Geschäft dazu. Im Videocast Pitch & People spricht die Unternehmerin und Business Angel darüber, warum sie trotzdem weiter investiert, weshalb der Mensch für sie wichtiger ist als die Idee und warum Impact für sie über dem schnellen Exit steht.

Investor

Wer in Startups investiert, braucht Mut und die Bereitschaft, auch falschzuliegen. Katja Ruhnke weiß das aus eigener Erfahrung. Die Unternehmerin, Business Angel und Partnerin von CK Ventures investiert seit 2019 in junge Unternehmen. Heute umfasst ihr Portfolio mehr als 20 Startups. Dass dabei nicht jede Entscheidung aufgeht, gehört für sie zum Geschäft. „Die besten Investoren greifen daneben“, sagt sie im Videocast Pitch & People. Entscheidend sei vielmehr, aus Fehlern zu lernen und langfristig den Blick für außergewöhnliche GründerInnen zu behalten.

Dabei war der Einstieg in die Startup-Welt keineswegs geplant. Ursprünglich stand Ruhnke als Musical-Darstellerin auf der Bühne, produzierte eigene Theaterstücke und arbeitete später im Familienunternehmen. Erst ein Freund nahm sie 2019 mit auf eine Startup-Konferenz – ein Besuch, der ihre berufliche Laufbahn komplett veränderte.

„Ich saß da wirklich mit großen Augen und offenem Mund und habe gesagt: Das ist mein Ding. Ich habe meine Schwester angerufen und gesagt: ‚Conny, wir werden jetzt Business Angels. Du glaubst gar nicht, was ich da alles gesehen habe.’“

Noch auf dieser Konferenz investieren die Schwestern in ihr erstes Startup – Blackwave aus Taufkirchen. Rückblickend bezeichnet Ruhnke das Investment als einen „Lucky Shot“. Heute gehört das Unternehmen zu ihrem erfolgreichen Portfolio.

Startups geben Hoffnung

Was Ruhnke damals so faszinierte, war weniger die Aussicht auf Rendite als das, was sie auf der Bühne der Pitch-Veranstaltung sah: GründerInnen, die Lösungen für reale Probleme entwickeln.

Während Nachrichten häufig von Krisen, Konflikten oder Klimawandel geprägt seien, habe sie auf Startup-Events plötzlich Menschen erlebt, die genau diese Herausforderungen angehen. Dieser Perspektivwechsel prägt ihre Investmentstrategie bis heute.

„Ich habe einfach Hoffnung, weil es so viele großartige Menschen da draußen gibt. Für sehr viele Probleme gibt es bereits Lösungen. Sie müssen nur auf den Markt gebracht werden, sie brauchen Netzwerke, Kapital und Unterstützung.“

Deshalb investieren Ruhnke und ihre Schwester ausschließlich in Unternehmen, die aus ihrer Sicht „die Welt ein Stück besser machen“. Ob Greentech, Healthtech, Pflege oder industrielle Innovationen – entscheidend ist nicht die Branche, sondern der gesellschaftliche Mehrwert.

Der Mensch ist wichtiger als das Produkt

Bei der Auswahl neuer Beteiligungen schaut Ruhnke deshalb nicht nur auf Marktpotenzial oder Technologie, mindestens genauso wichtig ist ihr die Persönlichkeit der GründerInnen.

Ihre Zeit auf der Bühne helfe ihr bis heute dabei, Menschen einzuschätzen. Authentizität, Begeisterungsfähigkeit und Offenheit für Feedback seien Eigenschaften, die sie in jedem Pitch sucht.

„Wir suchen immer nach einem Menschenfänger oder einer Menschenfängerin. In diesen frühen Phasen musst du so viele Leute allein Kraft deiner Vision mitziehen – Investoren, Kunden, Mitarbeitende oder Partner. Aber eben ohne dabei ein Blender zu sein.“

Auch nach einem Investment endet ihre Arbeit nicht. Für Ruhnke bedeutet Business Angel sein vor allem, GründerInnen langfristig zu begleiten – fachlich ebenso wie menschlich. Wenn nachts ein Anruf komme, gehe sie ans Telefon, denn genau dafür sei ein Business Angel da.

Scheitern gehört zum Investieren dazu

Trotz aller Erfahrung gibt es auch Investments, die nicht funktionieren. Für Ruhnke ist das unvermeidbar.

„Die besten Investoren greifen daneben. Jeder, der etwas anderes behauptet, lügt. Es ist zu sehr Glaskugelspiel, um immer richtig zu liegen.“

Nicht immer scheitere ein Startup an seinem Produkt oder am Markt. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr ein Unternehmen, bei dem sich ein Gründer menschlich stark verändert habe. Gerade weil sie viel Zeit und persönliches Engagement investiere, seien solche Fälle besonders schmerzhaft.

Umso wichtiger sei für sie Ehrlichkeit – sowohl im Pitch als auch während der Zusammenarbeit. Wer Probleme offen anspreche und bereit sei, Ratschläge anzunehmen, habe deutlich bessere Chancen auf eine langfristige Partnerschaft.

Infobox
Katja Ruhnke

Katja Ruhnke ist Unternehmerin, Autorin und CEO der Münchner CK Venture Capital GmbH. Gemeinsam mit ihrer Schwester Conny Hörl gründete sie 2019 die Investmentgesellschaft und investiert seitdem als Business Angel in wirkungsorientierte Startups aus Bereichen wie Healthtech, Greentech und Deeptech. Zuvor war die gelernte Musicaldarstellerin und Kulturmanagerin zehn Jahre im Kulturbereich tätig, bevor sie ins Familienunternehmen zurückkehrte. Für ihr Engagement wurde sie 2023 als „Business Angel des Jahres“ ausgezeichnet. Seit 2025 ist sie zudem Vorsitzende des Business Angels Deutschland e.V. (BAND) und setzt sich für bessere Rahmenbedingungen in der Frühphasenfinanzierung sowie für mehr Diversität im Startup-Ökosystem ein.

Kein Sprint, sondern ein Marathon

Wer in Startups investiert, sollte außerdem Geduld mitbringen. Gerade Impact-Unternehmen benötigen oft viele Jahre, bis sich ein Exit ergibt.

Ruhnke rechnet bei ihrem Portfolio mit Zeiträumen von rund zehn Jahren. Das sei völlig normal und für sie auch kein Problem.

„Uns interessiert nicht das schnelle Geld. Uns interessiert, nachhaltig und langfristig die Welt besser zu machen.“

Neben ihren Investments engagiert sich Ruhnke heute auch als Vorsitzende des Business Angels Deutschland e.V. Dort setzt sie sich unter anderem dafür ein, mehr Frauen für Startup-Investments zu gewinnen. Denn aus ihrer Sicht braucht das Ökosystem nicht nur mehr Kapital – sondern vor allem vielfältigere Perspektiven.

Katja Ruhnke ist Teil des Panels „Zukunft made in Europe: Innovationsstärke aus München“ auf dem Munich Startup Festival 2026.

Mehr davon

Passende Beiträge zum Weiterlesen

GoCircular Munich: Eine Karte für Münchens Kreislaufwirtschaft
Ökosystem

GoCircular Munich: Eine Karte für Münchens Kreislaufwirtschaft

23.10.26
3 Min.
Ahron: Die Zukunft von HR? Weniger Klicks, mehr Menschen
Interviews

Ahron: Die Zukunft von HR? Weniger Klicks, mehr Menschen

23.10.26
4 Min.
Big-Wave-Weltrekordhalter Sebastian Steudtner investiert in Startup Regulate
Deals

Big-Wave-Weltrekordhalter Sebastian Steudtner investiert in Startup Regulate

22.10.26
4 Min.
Munich Startup Experts: Wie Startups ihre MitarbeiterInnen clever beteiligen
How To

Munich Startup Experts: Wie Startups ihre MitarbeiterInnen clever beteiligen

22.10.26
8 Min.
Gauss Fusion schließt Finanzierungsrunde ab und startet Series A für Kernfusion
Deals

Gauss Fusion schließt Finanzierungsrunde ab und startet Series A für Kernfusion

21.10.26
4 Min.
The Ocean Package: „Was ist das für ein Schmarrn?“
Podcast

The Ocean Package: „Was ist das für ein Schmarrn?“

21.10.26
Münchner Neurotech-Startup Ceregate schließt überzeichnete Series-C-Runde ab
Deals

Münchner Neurotech-Startup Ceregate schließt überzeichnete Series-C-Runde ab

20.10.26
2 Min.
KI-Startup Elevatry erhält 3 Millionen Euro für strategischen Einkauf
Deals

KI-Startup Elevatry erhält 3 Millionen Euro für strategischen Einkauf

20.10.26
3 Min.
Elvio Robotics erhält Millionenfinanzierung und automatisiert Isar Klinikum
Deals

Elvio Robotics erhält Millionenfinanzierung und automatisiert Isar Klinikum

19.10.26
5 Min.
PanelWave: Münchner Startup entwickelt offenes Format für Comics
Interviews

PanelWave: Münchner Startup entwickelt offenes Format für Comics

19.10.26
5 Min.
Mutterschutz für Gründerinnen: Bitkom fordert gesetzliche Absicherung
Ökosystem

Mutterschutz für Gründerinnen: Bitkom fordert gesetzliche Absicherung

19.10.26
4 Min.
Munich Startup Recap 42/26
Ökosystem

Munich Startup Recap 42/26

18.10.26
2 Min.

Pitch & People — Der Munich Startup Podcast schaut auf die Menschen und ihre Geschichten hinter den Business-Plänen. Auf große Herausforderungen, mutige Entscheidungen, herbe Rückschläge und Visionen für die Zukunft.

Wir lassen ausgewählte Player aus dem Münchner Ökosystem zu Wort kommen. Neben einem Elevator-Pitch sprechen GründerInnen, InvestorInnen und ExpertInnen zu unterschiedlichsten Themen aus der Startup-Welt. Präsentiert wird der Podcast von Helen Duran und Kyrill Ring aus der Munich Startup Redaktion.

Helen Duran und Kyrill Ring aus der Munich Startup Redaktion mit Mikrofon und Kamera