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Nexus Politics: Das LinkedIn für Demokratie

Nexus Politics: Das LinkedIn für Demokratie

Kyrill Ring

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Politische Beteiligung ist oft kompliziert, langsam und intransparent. Das Münchner Startup Nexus Politics will das ändern – mit einer Plattform, die Bürgeranliegen bündelt, per KI analysiert und direkt an die zuständigen Stellen weiterleitet. Gründer Magnus Strobel erklärt im Videocast Pitch & People, warum Politik „noch mit Outlook arbeitet“ und weshalb sein Startup das „LinkedIn für Demokratie“ werden will.

26. Mai 2026

PITCH & PEOPLE Folge 35: Nexus Politics

Politische Beteiligung ist oft kompliziert, langsam und intransparent. Das Münchner Startup Nexus Politics will das ändern – mit einer Plattform, die Bürgeranliegen bündelt, per KI analysiert und direkt an die zuständigen Stellen weiterleitet. Gründer Magnus Strobel erklärt im Videocast Pitch & People, warum Politik „noch mit Outlook arbeitet“ und weshalb sein Startup das „LinkedIn für Demokratie“ werden will.

GovtechStartup

„Vielen Dank für Ihr Anliegen“ – und dann passiert: nichts. Wer schon einmal versucht hat, ein politisches Problem anzusprechen, kennt genau dieses Gefühl. Eine Mail an den Abgeordneten, vielleicht sogar eine Antwort aus dem Büro und danach verschwindet das Thema irgendwo zwischen Outlook-Postfach, Zuständigkeiten und Verwaltungsapparat.

Das Münchner Startup Nexus Politics will genau das ändern. Gründer Magnus Strobel arbeitet gemeinsam mit seinem Mitgründer Christoph Waffler an einer Plattform, die BürgerInnen, Politik und Verwaltung digital zusammenbringen soll. Die Vision dahinter formuliert Strobel im Videocast Pitch & People so:

„Was LinkedIn für Arbeit ist oder Instagram für Urlaubsfotos, möchten wir für die Politik werden.“

Politik als digitaler Flickenteppich

Die Grundidee hinter Nexus Politics entsteht aus einem Problem, das viele Menschen kennen: Politische Beteiligung ist kompliziert. Wer ein Anliegen hat, muss oft erst mühsam herausfinden, wer überhaupt zuständig ist. Kommune? Landtag? Bundestag? Ministerium? Dazu kommen verschiedene Plattformen, Petitionen, Portale und Kommunikationswege.

„Das macht keiner. Genau deshalb wollen wir mit Nexus Politics einen Single Entry Point in die Politik schaffen.“

Die Plattform soll Bürgeranliegen sammeln, mithilfe von KI thematisch clustern und automatisiert an die zuständigen Stellen weiterleiten. Gleichzeitig sollen NutzerInnen nachvollziehen können, was mit ihrem Anliegen passiert, inklusive Bearbeitungsstatus und Rückmeldungen aus politischen Prozessen.

Denn genau dort sieht Strobel aktuell ein zentrales Problem:

„Die Politik kriegt eine E-Mail von mir als Bürger und arbeitet meistens noch mit Outlook.“

CRM-System für die Politik

Nexus Politics entwickelt deshalb nicht nur ein Beteiligungstool für BürgerInnen, sondern gleichzeitig eine Art CRM-System für politische Arbeit. Anliegen sollen priorisiert, kategorisiert und dokumentiert werden können. PolitikerInnen könnten interne Notizen anlegen, Statusupdates verwalten oder Informationen aus Behörden einholen.

Strobel beschreibt im Gespräch ein Beispiel aus der Landespolitik: BürgerInnen melden ein Problem, zum Beispiel mit Bibern, die Bäume fällen. Zuständigkeiten müssen geprüft, Behörden eingebunden und Informationen gesammelt werden. Im heutigen System verschwinde ein solcher Vorgang für BürgerInnen oft komplett aus dem Blickfeld. Die Plattform soll genau hier Transparenz schaffen.

Zwischen Bürgerdialog und Govtech-Plattform

Dabei geht der Anspruch von Nexus Politics deutlich über klassische Beteiligungsplattformen hinaus. Das Startup möchte langfristig sämtliche relevanten Akteure der Politik auf einer Plattform vereinen: BürgerInnen, PolitikerInnen, Kommunen, Medien, NGOs und Interessenverbände.

Für PolitikerInnen entwickelt das Team zusätzlich weitere Tools – von Profilseiten über Kampagnenmanagement bis hin zu Umfragetools. Eigene Webseiten könnten dadurch perspektivisch sogar überflüssig werden.

Gerade kleinere Kommunen sieht das Startup aktuell als besonders spannenden Markt. Laut Strobel gebe es dort häufig kaum professionelle Bürgerbeteiligungstools, gleichzeitig aber großes Interesse an digitalen Lösungen.

Die Demokratiefrage hinter dem Startup

Im Kern beschäftigt sich Nexus Politics mit einer größeren gesellschaftlichen Frage: Warum wächst in vielen Demokratien die Unzufriedenheit mit Politik?

Für Strobel ist das Thema „multikausal“. Gleichzeitig kritisiert er, dass politische Prozesse noch immer stark auf analogen Strukturen beruhen. Viele bestehende Angebote seien fragmentiert: Petitionen hier, Abgeordnetenkommunikation dort, Parlamentsdokumente an anderer Stelle.

Das Startup versucht deshalb, politische Teilhabe deutlich niedrigschwelliger zu machen. Besonders interessant: Viele Anliegen auf der Plattform seien laut Strobel überraschend persönlich und lokal, etwa gesperrte Zugänge zu Badeseen oder Probleme im direkten Wohnumfeld.

Gerade die Möglichkeit, solche Themen anonym einzureichen, könne die Hemmschwelle senken.

KI, Datenschutz und die Realität eines Govtech-Startups

Der Aufbau einer Plattform für politische Kommunikation bringt allerdings auch erhebliche regulatorische Herausforderungen mit sich. Nexus Politics verarbeitet politisch sensible Daten und bewegt sich damit in einem hochregulierten Umfeld.

Strobel nennt unter anderem die KI-Verordnung, DSGVO und den Digital Services Act als große Themenfelder. Unterstützt werde das Startup deshalb von externen DatenschutzexpertInnen und juristischer Beratung.

Auch technologisch sei KI für Nexus Politics kein Selbstzweck. Zwar nutze das Startup künstliche Intelligenz für Analyse und Clustering von Anliegen, gleichzeitig sei man sich der Risiken bewusst. „KI halluziniert noch“, sagt Strobel offen.

Infobox

Magnus Strobel ist Mitgründer und CEO des Münchner Startups Nexus Politics. Gemeinsam mit seinem Mitgründer Christoph Waffler arbeitet er an digitalen Lösungen für mehr Bürgerbeteiligung und moderne politische Kommunikation.
Kennengelernt haben sich die beiden über das Gründungsnetzwerk der TU München. Während Waffler aus der Informatik kommt, bringt Strobel wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Hintergrund mit. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen die Fragen, wie Demokratie transparenter, zugänglicher und digitaler werden kann und wie Technologie dabei helfen kann, BürgerInnen und Politik wieder stärker miteinander zu vernetzen.

Noch im Aufbau – aber mit großer Vision

Aktuell befindet sich das Startup noch mitten im Aufbau. Das CRM-System sei weiterhin in Entwicklung, erste größere Erfolgsgeschichten aus dem Bürgerdialog gebe es deshalb noch nicht. Dennoch haben sich laut Strobel bereits 40 bis 50 PolitikerInnen auf der Plattform registriert.

Kennengelernt haben sich Strobel und sein Mitgründer Christoph Waffler übrigens über das Gründungsnetzwerk der TU München. Aus ersten Diskussionen über Demokratie, Digitalisierung und politische Beteiligung entwickelte sich Schritt für Schritt Nexus Politics.

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