Mynaric: Internet über den Wolken dank Lasertechnologie
© Mynaric

Mynaric: Internet über den Wolken dank Lasertechnologie

Das Unternehmen Mynaric ist einer der größten, wenn nicht sogar der größte Player im Bereich Laserkommunikation für Flugzeuge, Höhenplattformen und Satelliten. Ein erfolgreicher Börsengang im Jahr 2017 brachte der Firma, die das Internet über den Wolken möglich machen will, über 27 Millionen Euro ein. Analysten halten Umsätze im mittleren dreistelligen Millionenbereich bis 2022 für möglich. 

Gegründet wurde Mynaric 2009 von ehemaligen Mitarbeitern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Mit dabei waren unter anderem Dr. Markus Knapek und Joachim Horwath (beide heute Teil des Vorstands), die jeweils viele Jahre im DLR an der zugrundeliegenden Technologie geforscht haben. Das Konzept für Laserkommunikation wurde bereits zuvor beim DLR erforscht, da man sich damals darüber bewusst wurde, dass man mit Funk allein in Zukunft nicht auskommen würde. Die Gründer wagten schließlich 2009 unter Unterstützung des DLR Technologiemarketings den Schritt zur eigenen Firma, um die Technologie zur Marktreife zu führen und zu kommerzialisieren.

Aktuell zählt das Unternehmen über 80 Mitarbeiter, bis Ende des Jahres sollen es bereits 100 sein. Mynaric hat derzeit eine Gesamtleistung von rund 3,2 Millionen Euro (Stand 2017) vorzuweisen. Diese spiegelt neben Umsätzen auch angefangene Produktion und Fördergelder wider und gibt deswegen mehr Aufschluss darüber, wie es um das Unternehmen steht, als der Umsatz allein. Dieser beträgt in etwa 1,6 Millionen Euro (Stand 2017).

„Bis heute konnte uns das weltweit niemand nachmachen!“

Den ersten wichtigen Meilenstein erreichte das Münchner Unternehmen im Jahr 2011. Damals konnte erstmals eine stabile Verbindung von einem Flugzeug zum Boden hergestellt werden. Dabei galt es widrigen Bedingungen wie hoher Entfernung und Geschwindigkeit zu trotzen.

Sven Meyer-Brunswick, Director Communications & Corporate Growth, erläutert:

„1 Gigabit pro Sekunde über 60 Kilometer Distanz von einem Flugzeug, das sich mit 750 Stundenkilometern bewegt, stark vibriert, Kurven fliegt usw. Viele haben das für aussichtslos gehalten eine so präzise Technologie wie Laserkommunikation in einem so harschen Szenario zu verwenden. Schließlich muss der schmale Laserstrahl stets zwischen Bodenstation und Flugzeug hochgenau ausgerichtet werden. Zum Vergleich: unsere Systeme schaffen eine Präzision, die eine aus der Hosentasche fallende Münze aus mehr als einem Kilometer Entfernung verfolgen kann. Der Test ist damals sehr erfolgreich verlaufen. Bis heute konnte uns das weltweit niemand nachmachen.“

2013 kam der erste große Auftrag aus den USA von einem Kunden, der an einer ersten kommerziellen Endanwendung interessiert war. Dadurch wurden viele Weichen für das Münchner Unternehmen gestellt. Bereits im Jahr darauf wurden erfolgreiche Testkampagnen in den Vereinigten Staaten absolviert. Mittlerweile ist bekannt, dass auch Facebook zum Kundenkreis der Münchner gehört. 2017 entschloss man sich schließlich zum Börsengang: über 27,3 Millionen Euro Wachstumskapital sammelte Mynaric an der Frankfurter Börse ein. Wenn man einige weitere Finanzierungsrunden dazu nimmt, kommt man sogar auf eine Summe von fast 40 Millionen Euro. Da in diesem Rahmen von den Gründern und Altaktionären keinerlei Firmenanteile abgegeben wurden, konnte das Geld ausschließlich in das Firmenwachstum gesteckt werden.

Mynaric kommt da zum Einsatz, wo Glasfaser nicht möglich ist

Doch wo findet  die Technologie von Mynaric nun überall Anwendung?

„Ganz allgemein liegen Anwendungsfelder überall dort, wo große Datenmengen zwischen Flugzeugen oder Satelliten oder von diesen Plattformen zum Boden übertragen werden müssen. Im speziellen arbeiten eine ganze Reihe von internationalen Unternehmen an einem Internet über den Wolken, für das die Laserkommunikation eine Schlüsseltechnologie darstellt. Hier sollen viele hundert bis tausend Flugzeuge, Drohnen, Höhenballons oder Satelliten untereinander vernetzt werden, um dort Zugang zum Internet zur Verfügung zu stellen, wo Glasfaserkabel im Boden nicht praktikabel oder schlicht zu teuer sind“,

so das Unternehmen.

Dadurch könnten auch wirtschaftlich schwächere Gegenden mit geringerer Besiedelung zukünftig auf eine kostengünstige Netzwerkanbindung zugreifen. In Bezug auf besonders ländliche und abgelegene Regionen ist da die Rede von sage und schreibe drei Milliarden Menschen  ohne Internetanbindung. Jedoch verfolgen die Kunden von Mynaric selbstverständlich nicht nur gesellschaftliche, sondern auch wirtschaftliche Interessen mit industriellem Bezug. Hier konzentriert man sich auf Anwendungen etwa für Schiffe oder Flugzeuge, die Maschinendaten in Echtzeit übertragen sollen.

Internetanbindung so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen

Wenn nun die Technologie von Mynaric anderen so überlegen scheint, stellt sich die Frage, ob sie bestehende Kommunikationsnetze irgendwann komplett ablösen wird. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich langfristig eine Mischung verschiedener Netzwerktechnologien durchsetzen wird. So wird man in Städten auch in Zukunft Glasfaserkabel im Boden verwenden, da die Technologie hier sehr hohe Datenraten zulässt. In dünner besiedelten Gebieten werden sich Netzwerke in der Luft oder im Weltall wegen der besseren Wirtschaftlichkeit durchsetzen.

„Der Endnutzer wird sich am Ende sowieso keine Gedanken mehr machen, über welches Netzwerk seine Daten abgewickelt werden. Wir sprechen von einer Zukunft in der eine Verbindung zum Internet von wirklich jedem Ort der Welt so selbstverständlich ist, wie die Luft zum Atmen. Mehr noch: Selbst im luftleeren Weltall werden wir omnipräsente Internetanbindung haben.“

Börsengang minimiert das Risiko

Für den Börsengang im Jahr 2017 gab es im Wesentlichen zwei entscheidende Beweggründe: zum einen sah man darin einen guten Weg, um genug Wachstumskapital für das anvisierte Firmenwachstum der nächsten Jahre einzusammeln. Zweitens führt der Börsengang, so die Gründer, durch die damit verbundene Transparenz und Professionalität auch dazu, dass man von  großen Konzernen, die zum potentiellen Kundenstamm gehören, ganz anders wahrgenommen wird. Die Vernetzung von 3 Milliarden Menschen ist ein ambitioniertes und kostenintensives Projekt, das voraussichtlich viele hundert Millionen oder gar Milliarden Euro kosten wird. Der Börsengang minimiert hier das Risiko für mögliche Partner.

„Es entsteht ein gigantischer strategischer Wert“

Der Zukunft sieht das Unternehmen durchaus positiv gestimmt entgegen:

„Die Zukunftsprognosen sehen blendend aus. Wir sind einer der wenigen ernstzunehmenden, wenn nicht der Player im internationalen Markt für Laserkommunikation für Flugzeuge, Höhenplattformen und Satelliten, also genau der Technologie, die die ganz großen Tech-Konzerne für die Realisierung ihrer Pläne brauchen. Da sind natürlich zum einen große Umsätze möglich – Analysten trauen uns Umsätze im mittleren dreistelligen Millionenbereich um 2022 zu – zum anderen entsteht durch die Rolle als Schlüsseltechnologie aber auch ein gigantischer strategischer Wert.“

Bei Mynaric geht man davon aus, dass Netzwerke in der Luft und im Weltall – basierend auf Laserkommunikation – in der Zukunft eine ähnliche Rolle wie das bestehende Glasfasernetzwerk im Boden spielen werden: Also ein enabling Market, der ein ganzes Ökosystem von Dienstleistungen erst möglich machen wird.  Zur Einordnung:   Der Markt für Glasfaserkabel und entsprechendes Equipment setzt rund 16 Milliarden Euro pro Jahr um, ermöglicht aber den gesamten Telekommunikationsmarkt, der rund 1.600 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaftet.  Märkte, die durch die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung erst möglich werden, sind hier noch nicht einmal mitberücksichtigt.

„Hier entsteht ein gigantisches Ökosystem und wir beabsichtigen quasi der Schaufellieferant für diesen Goldrausch zu werden“,

lautet die Zielausgabe von Mynaric.

© Mynaric

Als das Projekt noch in den Kinderschuhen steckte, galt es allerdings erst einmal viele Skeptiker zu überzeugen. Den ersten Investoren, mit denen man ins Gespräch kam, war die Idee zu groß, zu weit hergeholt, im wahrsten Sinne des Wortes zu „abgespact“. Dementsprechend gingen und gehen die Vorstellungen bei der Unternehmensbewertung doch weit auseinander. Dennoch befindet sich Mynaric auf einem sehr guten Weg und konnte weitere Hürden, wie  Probleme technischer Natur, oder Themen wie Mitarbeitersuche, Räumlichkeiten und Prozessmanagement erfolgreich überwinden. Die Energie, die dafür aufzuwenden ist, sei allerdings nicht zu unterschätzen, so das Unternehmen.

Das Produkt allein ist nicht alles

Des Weiteren empfehlen die Founder jungen Gründern, insbesondere Ingenieuren, nicht zu produkt- und technologiezentriert zu denken:

„Das macht nur einen kleinen Teil dessen aus, was eine Firma braucht, um erfolgreich zu werden. Wir haben mit Dr. Wolfram Peschko schon früh einen erfahrenen Manager aus der Industrie mit dazu genommen, der uns in Sachen Finanzen, Produktion und den operativen Geschäftsbetrieb ganz allgemein unterstützt. Es ist wichtig, früh und am besten schon im Gründerteam jemanden zu haben, der sich um das ganze ‚Drumherum‘ kümmert.“

Mit dem Standort München zeigt sich das Unternehmen größtenteils zufrieden. Gerade bei der Suche nach gut ausgebildetem Fachpersonal hat die bayerische Landeshauptstadt für Mynaric in Deutschland die Nase vorn. Zudem erhalten junge Startups hier immer mehr Unterstützung von zahlreichen Institutionen. Im Fall von Mynaric war das ESA BIC in Oberpfaffenhofen der entscheidende Wegbereiter. Doch gerade, wenn es um das Thema Venture Capital geht, wird noch Nachholbedarf gesehen:

„Es fehlt eine aktive Venture Capital Community, die ihren Namen auch verdient. In Deutschland allgemein ist man da einfach viel zu konservativ und verkrampft sich auf Zahlen, statt in Potential und zukünftige Marktpositionen zu investieren. Wir leben in einer Welt, die sich so schnell verändert, dass sich nicht einmal vorhersagen lässt, wie die nächsten drei Jahre aussehen. Wenn ich in die wirklich großen Champions der Märkte in 10 Jahren investieren will, muss ich als Venture Capitalist auch Risiken eingehen. In den USA ist das anders und der Erfolg gibt ihnen Recht.“

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