Munich Startup
Phio Scientific: KI für effizientere Zellanalyse

Phio Scientific: KI für effizientere Zellanalyse

Phio Scientific

Credit: Foto: Phio Scientific

Phio Scientific – Credit: Foto: Phio Scientific

Saskia Doll

Saskia Doll

Das Münchner Startup Phio Scientific setzt auf linsenlose Bildgebung und KI, um Zellforschung präziser und effizienter zu machen. Die Technologie liefert kontinuierlich verwertbare Daten direkt im Inkubator – kompakt, smart und potenziell tierversuchsreduzierend. Daniel Gruber und Anna Jötten erklären ihren innovativen Ansatz.

11. Juli 2025

3 Min. Lesezeit

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Daniel Gruber und Anna Jötten, Phio Scientific: Phio Scientific macht Zellforschung schneller, präziser und effizienter. Wir entwickeln KI-gestützte Analysesysteme für in-vitro-Experimente in der Life-Science-Industrie. Unsere Nutzer, meist Wissenschaftler in der Krebsforschung und Wirkstoffentwicklung, können unser System direkt im Zellbrutschrank einsetzen und dort kontinuierlich Experimente beobachten und analysieren. Eine eigens trainierte KI segmentiert und quantifiziert jede Zellaufnahme in Echtzeit. So ersetzen wir das manuelle, punktuelle und oft mühsame Sammeln von Momentaufnahmen durch einen digitalen 24/7-Datastream, der Reproduzierbarkeit, Durchsatz und Datenqualität in der Zellforschung und frühen Wirkstoffentwicklung massiv steigert.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Daniel Gruber und Anna Jötten: Es existieren zwar Systeme mit klassischer Linsenoptik, zusätzlicher Hardware und Endpunktmessungen, jedoch bieten diese nicht unser patentiertes, linsenloses Bildgebungsverfahren, das kontinuierliches, nicht-invasives Messen ermöglicht und die Grundlage unserer KI-Analyse ist. Unser Ansatz unterscheidet sich in drei Punkten:

  • Lens-Free Imaging bietet ein bis zu 100-fach größeres Sichtfeld ohne Fokusverlust
  • unsere KI analysiert in Echtzeit und liefert sofort verwertbare Daten
  • das kompakte Gerät passt ohne Umbauten und Installationsaufwand in jeden CO₂-Inkubator

Ergebnis: Mehr Daten, weniger Fläche, keine Handhabungsartefakte. Auch bei 3D-Zellstrukturen, etwa Organoiden, bietet unsere Technologie großes Potenzial und leistet einen Beitrag zur Reduktion von Tierversuchen.

Phio Scientific: Lösung für die gesamte Zell-Forschung

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Daniel Gruber und Anna Jötten: Unser CEO Philipp Paulitschke entwickelte die ersten Prototypen in seiner Forschungsgruppe an der Physikfakultät der LMU München zunächst für das Monitoring eigener Zellexperimente. Mit der Vision, diese Lösung der gesamten Forschung zugänglich zu machen, beantragte er erfolgreich eine EXIST-Förderung für die Gründungsphase und gewann Mitstreiter aus verschiedenen Disziplinen, um die Technologie für bessere, schnellere und reproduzierbarere Krebs- und Wirkstoffforschung zu skalieren.

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Daniel Gruber und Anna Jötten: Der Ausbruch der Covid-Pandemie im Gründungsjahr 2020 erschwerte die Auslieferung vieler Kundenanfragen und limitierte den Launch des Cellwatchers durch eingeschränkte Marketingmöglichkeiten. Wir reagierten flexibel, verlagerten den Vertrieb auf digitale Kanäle und führten Kundenakquise und Produktdemos erfolgreich per Zoom durch.

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Daniel Gruber und Anna Jötten: Für das kommende Jahr stehen bereits neue Produktvarianten kurz vor dem Launch. Diesem Trend folgend, planen wir innerhalb der nächsten fünf Jahre international zu skalieren und gleichzeitig unsere Plattform mit weiteren Hardware-Modulen und KI-Anwendungen auszubauen, um weitere Marktsegmente und Anwendungsfelder zu erschließen.

Starke Münchner Biotech-Szene

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Daniel Gruber und Anna Jötten: Die Biotech-Szene ist hervorragend vernetzt, öffentliche Förderungen und die LMU bieten exzellente Unterstützung. Wir profitieren von Mentoren, die selbst erfolgreiche Biotech-Startups aufgebaut haben und zum Teil auch aus der Physikfakultät der LMU stammen.

Munich Startup: Hidden Champion oder Shooting Star?

Daniel Gruber und Anna Jötten: Langfristig wollen wir die Forschungsqualität weltweit verbessern, indem wir neue Standards in der Reproduzierbarkeit setzen. Journale und Editoren fordern ständig solidere, verlässlichere Daten in großem Umfang. Unsere Publikationen zeigen zum Beispiel, dass Omics-Analysen durch Kontrolle der Wachstumsparameter massiv verbessert werden. Genau hier kann unsere Technologie die Zellforschung auch langfristig revolutionieren und wir zum Shooting Star werden.

Mehr davon

Passende Beiträge zum Weiterlesen

Clubgefühle: Allein buchen, gemeinsam reisen
Interviews

Clubgefühle: Allein buchen, gemeinsam reisen

11.09.26
4 Min.
Women in Tech: Lena Sophia Voß von Furo
Interviews

Women in Tech: Lena Sophia Voß von Furo

10.09.26
4 Min.
Krafthub: Industrialisierte KI fürs Handwerk
Interviews

Krafthub: Industrialisierte KI fürs Handwerk

07.09.26
5 Min.
Mojitofilms: Der KI-Concierge fürs Kino
Interviews

Mojitofilms: Der KI-Concierge fürs Kino

04.09.26
8 Min.
Upcoming Startups im August
Interviews

Upcoming Startups im August

03.09.26
2 Min.
Zura Health: Mehr als nur ein weiterer Fitness-Tracker
Interviews

Zura Health: Mehr als nur ein weiterer Fitness-Tracker

28.08.26
8 Min.
Gründen braucht Vielfalt: Das Munich Startup Doppelinterview
Inside Stories

Gründen braucht Vielfalt: Das Munich Startup Doppelinterview

25.08.26
5 Min.
Silvernova: KI-Unterstützung für komplexe Mandate
Interviews

Silvernova: KI-Unterstützung für komplexe Mandate

24.08.26
3 Min.
Ambuflow: Das Betriebssystem für ambulante OP-Zentren
Interviews

Ambuflow: Das Betriebssystem für ambulante OP-Zentren

21.08.26
4 Min.
Knowmanity: Damit Wissen im Unternehmen bleibt
Interviews

Knowmanity: Damit Wissen im Unternehmen bleibt

03.08.26
3 Min.
Blitzbee: Funktionale Limonaden für Frauen
Interviews

Blitzbee: Funktionale Limonaden für Frauen

31.07.26
7 Min.
Dean&David-Gründer David Baumgartner: „Da gibt es häufig leider nur böses Blut“
Interviews

Dean&David-Gründer David Baumgartner: „Da gibt es häufig leider nur böses Blut“

28.07.26
4 Min.