Reinhard Neureiter, CEO von Denpaflux
Foto: Denpaflux

Follow-up: Wie läuft es eigentlich bei Denpaflux?

Als wir 2022 mit dem Münchner Startup Mitai gesprochen haben, stand das junge Team gerade am Anfang seiner Mission: Die Entwicklung elektronischer Geräte durch intelligente Software für elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) zu revolutionieren. Schon damals wollten die Gründer die zeitaufwändigen und teuren Labortests ersetzen, durch eine Lösung, die EMV-Probleme bereits im Designprozess erkennt. Dreieinhalb Jahre später hat sich einiges getan: Mitai heißt jetzt Denpaflux und aus der Idee ist ein marktreifes Produkt geworden. Das Unternehmen arbeitet inzwischen mit ersten Industriepartnern zusammen und bringt seine Technologie in reale Entwicklungsumgebungen. CEO Reinhard Neureiter bringt uns auf den neusten Stand.

Munich Startup: Als wir zuletzt gesprochen haben, hattet ihr noch einen anderen Firmennamen und wolltet EMV-Probleme bereits in der Designphase mit einer KI lösen. Was ist seitdem passiert?

Reinhard Neureiter, CEO von Denpaflux: Startups leben von Experimenten und Anpassungsfähigkeit. Während wir uns anfangs auf KI-gestützte EMV-Expertise fokussierten, hat uns das Kundenfeedback eine entscheidende Erkenntnis gebracht: Unternehmen mit EMV-Herausforderungen brauchen in erster Linie sofortige, hochwertige Unterstützung. Die Technologie ist noch nicht bereit, KI-gesteuerte Genauigkeit auf dem Niveau zu liefern, die unsere KundInnen benötigen. Wir haben gelernt, heute echte Kundenprobleme zu lösen und dabei gleichzeitig KI-Fähigkeiten für morgen weiterzuentwickeln. Dieser Schwenk zur expertengestützten Beratung ermöglicht es uns, Lösungen innerhalb von drei Werktagen zu liefern – und noch wichtiger, als EMV-Buddy die gesamte Implementierung zu begleiten. Genau das braucht der Markt.

Branding schafft Erinnerung

Munich Startup: Welche Herausforderungen habt ihr beim Übergang von Mitai zu Denpaflux erlebt?

Reinhard Neureiter: Eine Marke zu entwickeln und dabei die globale Marktchance im Blick zu behalten ist hart und mühsam. Wir mussten Markenschutz über mehrere Märkte hinweg sichern; ein Prozess, der erhebliche Zeit, Ressourcen und rechtliche Investitionen erfordert. Gleichzeitig sind wir von einer Marke weggegangen, die auf Messen bereits Anerkennung gefunden hatte, um mit Denpaflux neu anzufangen. Das bedeutete, alles zu aktualisieren: bestehende Kundenkommunikation, Outreach-Materialien, rechtliche Vorlagen – das gesamte Fundament des Geschäfts.

Und hier ist das Paradox: Während wir unser Konzept in fokussierten Märkten beweisen, müssen wir von Tag eins an global über Markenschutz nachdenken. Märkte schlafen nie und Wettbewerber warten nicht. Die wichtigste Erkenntnis? Branding schafft das Bewusstsein und die Erinnerung, die zählt, wenn KundInnen vor EMV-Herausforderungen stehen – sie müssen sich erinnern, wer ihnen helfen kann. Wir wollen eine Veränderung erreichen: weg von reaktiven Tests hin zu proaktiver Integration in frühen Phasen (Left-Shift). Eine starke, global geschützte Marke stellt sicher, dass wir im entscheidenden Moment präsent sind. Diese Grundlage richtig aufzubauen hat mehr Aufwand erfordert als ursprünglich gedacht, aber es ist entscheidend für diese Transformation der Industrie.

Munich Startup: Wie haben sich eure Produkte, Lösungen oder Services weiterentwickelt?

Reinhard Neureiter: Wir haben ein Sales-led-Growth-Modell etabliert, bei dem Kundenfeedback die Produktentwicklung direkt steuert. Unsere kundennahen Teams sind die Hüter der “Voice of Truth” – jedes Feedback wird gesammelt, ausgewertet und in unsere Roadmap integriert. Dieser Ansatz führte uns zur Entwicklung expertengestützter EMV-Beratungsdienstleistungen mit Fokus auf Geschwindigkeit und Komfort. Das Ergebnis? Wir lösen EMV-Herausforderungen unserer KundInnen innerhalb von drei Werktagen und bieten kontinuierliche Implementierungsunterstützung über Chat, Meetings, E-Mails und Telefonate.

„Wir haben gelernt, was echte Flexibilität bedeutet“

Munich Startup: Wie steht ihr finanziell da?

Reinhard Neureiter: Als Corporate Startup mit TDK im Rücken haben wir das Privileg, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: ein herausragendes Produkt zu bauen und Wachstum voranzutreiben. Diese Partnerschaft gibt uns die Freiheit, schwierige technische Probleme zu lösen, ohne uns ständig um Fundraising kümmern zu müssen.

Munich Startup: Welche Lektionen habt ihr im Gründerteam bisher gelernt?

Reinhard Neureiter: Schnelles Experimentieren und ehrliches Lernen sind unverzichtbar. Das Founding Team muss kontinuierlich Erkenntnisse zusammenführen und Geschäftsmodell als auch Produkt anpassen, basierend darauf, was im Markt tatsächlich funktioniert. Wir haben gelernt, was echte Flexibilität bedeutet – nicht zufällig die Richtung ändern, sondern systematisch herausfinden, wo man begrenzte Ressourcen für maximale Wirkung einsetzt. Die schwierigste Fähigkeit? Zu wissen, was man aufhören sollte zu tun.

Der nächste Meilenstein

Munich Startup: Welche Rolle hat das Münchner Ökosystem auf eurer Reise gespielt?

Reinhard Neureiter: Ehrlich gesagt? Wir sind in München aufgrund der Nähe zu unserem Gesellschafter TDK. Aber wir haben bewusst ein lokales Team aufgebaut. Menschen sind soziale Wesen und Teams performen besser, wenn sie zusammen in einem Gebäude arbeiten. München bietet unglaubliche junge Talente und eine lebendige Startup-Szene, aber wir kratzen nur an der Oberfläche. Für die Zukunft wollen wir tiefere Verbindungen zu Organisationen wie Bayern Innovative und mehr Face-to-Face-Kundeninteraktionen. Die Möglichkeit ist da, wir müssen sie nur gezielter ergreifen.

Munich Startup: Welche Meilensteine wollt ihr als Nächstes erreichen?

Reinhard Neureiter: Wir unterstützen aktuell über 60 KundInnen und unser nächster Meilenstein sind die 100. Das wird bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind: EMV-Herausforderungen früher im Entwicklungsprozess eliminieren und elektronische Produkte schneller auf den Markt bringen. Jede/r KundIn bedeutet Hardware-Teams, die teure Redesigns und Projektverzögerungen vermeiden – das wollen wir skalieren. 

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