Jana Krotsch, CEO von Ubimaster, ist Mutter von drei schulpflichtigen Kindern. Der Alltag: klassische Nachhilfe mit festen Terminen, viel Abstimmungsaufwand und wenig Flexibilität. Abends, wenn beide Eltern arbeiteten, stapelten sich Fragen zu Mathe & Co.
Pitch & People Folgen
Aus dieser Erfahrung entstand eine einfache, aber konsequente Idee, wie sie im Videocast Pitch & People erzählt:
„Warum gibt es nicht einfach eine App, die die Kinder auf ihrem Handy nutzen können und die innerhalb weniger Minuten startet und ihnen hilft? Manchmal dauert es zehn Minuten, manchmal eine Stunde, manchmal eine halbe Stunde. Es ist einfach flexibel und so unkompliziert wie möglich.“
Aus der Idee wurde ein erstes MVP – zunächst mit einem einzigen Fach: Mathematik. Sieben Tage die Woche standen TutorInnen zu definierten Zeiten bereit. Wichtig war Krotsch von Anfang an die Qualität im Hintergrund: echte, qualifizierte Lehrkräfte, erreichbar per Chat oder Video, in ruhiger Lernatmosphäre.
Gründen mit 40: Warum Jana Krotsch ihren sicheren Job kündigte
Als Jana Krotsch Ubimaster gründete, war sie 40 Jahre alt, mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund, vielen Jahren in der Unternehmensberatung und einer sicheren, gut bezahlten Position. Sie war keine klassische Gründerin Anfang 20 mit Tech-Netzwerk im Rücken, sondern startete als Einzelgründerin, ohne Branchenkontakte und ohne Startup-Ökosystem um sich herum. Sie kündigte ihren sicheren Job und tauschte Stabilität gegen Ungewissheit.
„Das war wohl das größte Risiko, das ich eingegangen bin“,
sagt sie rückblickend. Anfangs glaubten nur wenige an die Idee digitaler Bildungsunterstützung. Doch Krotsch blieb dran, investierte eigenes Kapital, bewarb sich um Förderprogramme und baute Schritt für Schritt ihr Unternehmen auf.
Vom B2C-Produkt zum Mitarbeiterbenefit
Ubimaster startete als B2C-Angebot. Doch Krotsch erkannte schnell, dass die Lösung weit über den privaten Kontext hinausreicht. Denn wenn Eltern während der Arbeitszeit mit Schulfragen konfrontiert werden, wirkt sich das unmittelbar auf Unternehmen aus.
Ihre Schlussfolgerung war strategisch:
„Da dachte ich: Mensch, das muss ich für Unternehmen als Mitarbeiterbenefit anbieten. Denn einerseits entlastet es die Eltern zu Hause. Ja, es macht vieles viel einfacher. Sie kommen abends nicht mehr völlig gestresst nach Hause und sagen: ‚Oh nein, jetzt müssen wir auch noch Mathe machen.‘ Darüber hinaus bedeutet es natürlich auch eine Produktivitätssteigerung für den Arbeitgeber.“
Was zunächst erklärungsbedürftig war – digitale Bildungsunterstützung vor Corona – wurde mit der Pandemie schlagartig zum Standard.
Der Wendepunkt: Verkaufen, bevor es fertig ist
2020 folgte ein entscheidender Moment: Ubimaster gewann einen Award des Handelsblatts. Der Preis brachte vor allem Kontakte und den ersten Firmenkunden.
Die Herausforderung: Die technische Lösung für Firmenkunden existierte noch nicht.
„Ich hatte ein großartiges B2C-Produkt und rief dann meinen Entwickler an und sagte: ‚Wir brauchen innerhalb eines Monats eine Lösung, mit der sich alle Firmenkunden, alle Mitarbeiter dieses Kunden, kostenlos bei uns anmelden können.‘ Wie soll man so etwas schaffen? Wir hatten so etwas noch gar nicht. Ich habe ihnen das Produkt verkauft und einfach angefangen.“
Finanzierung und Wachstum
2022 folgte die erste Finanzierungsrunde. Über Encourage Ventures kam der Kontakt zu Auxxo zustande, einem Fonds für Gründerinnen. Später stieg mit Owl Ventures eines der weltweit größten Edtech-Investmenthäuser ein.
Insgesamt hat Ubimaster zwei Finanzierungsrunden abgeschlossen – 2022 und 2025 – und weitere sieben Millionen Euro eingesammelt. Heute beschäftigt das Unternehmen fast 60 Mitarbeitende und arbeitet mit Hunderten TutorInnen zusammen.
750.000 Kinder hat Ubimaster bislang erreicht, bei rund 8,5 Millionen SchülerInnen in Deutschland.
Bildung für alle
Ubimaster versteht sich als Ergänzung zum Schulsystem. Unternehmen oder Banken kaufen Support-Pakete und stellen sie kostenlos den Kindern ihrer Mitarbeitenden oder KundInnen zur Verfügung, zum Beispiel integriert in ein Jugendkonto.
Krotsch betont dabei die gesellschaftliche Dimension:
„Wir erreichen Kinder und Jugendliche aus allen Schulformen. Es sind nicht nur Gymnasiasten, sondern auch SchülerInnen aus sogenannten Arbeiterfamilien. Wir erreichen Schüler aus allen Bevölkerungsgruppen.“
Eine qualitative Studie gemeinsam mit der Katholischen Universität München zeigt laut Krotsch: SchülerInnen werden selbstständiger, trauen sich mehr zu und beteiligen sich aktiver im Unterricht.
Die Vision: Jedes Kind erreichen
Wo steht Ubimaster in fünf bis zehn Jahren? Laut Krotsch soll es viel schneller gehen:
„In drei bis vier Jahren möchte ich alle Kinder in Deutschland erreichen. Das bedeutet, dass jedes Kind kostenlos Nachhilfeunterricht erhalten kann. Wenn mir das gelingen würde, wäre ich sehr stolz.“
Ubimaster ist bereits in Österreich aktiv, hat erste Schritte in der Schweiz unternommen und eine Tochtergesellschaft in Spanien gegründet.
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