Nils Heck, Vorstandsmitglied des Young Founders Network
Foto: Young Founders Network

Für eine Generation, die Verantwortung übernimmt – Das Young Founders Network im Interview

Amazon, Air BnB oder Trade Republic haben die Welt in völlig unterschiedlichen Branchen erobert. Doch auch wenn Online-Handel, Ferienwohnungen vermieten und digitales Bankenwesen unterschiedlicher kaum sein könnte, haben all diese Unternehmen eines gemeinsam: Bevor sie die Weltbühne betraten existierten die Firmen nur in den Köpfen weniger mutiger GründerInnen, die durch Fleiß, Teamwork und natürlich eine Portion Glück ihren Traum realisieren konnten. Doch wie bestreitet man als junger, motivierter Mensch diesen langen und teils mühseligen Weg von einer kühnen Idee zur tatsächlichen Umsetzung? Wer unterstützt bei diesem Prozess, der so ganz anders ist als das normale Schul- oder Studentenleben? Nils Heck, Vorstandsmitglied des Young Founders Network, hat uns im Interview genau diese Fragen beantwortet.

Munich Startup: Was ist das Young Founders Network und inwiefern hilft es jungen GründerInnen? 

Nils Heck: Das YFN ist das größte Netzwerk für junge GründerInnen und Gründungsinteressierte unter 25 Jahren in der DACH-Region. Prinzipiell hilft es natürlich, wenn man gemeinsam mit Menschen eine Community gründet, die alle das gleiche Interesse verfolgen und sich gegenseitig motivieren. Wir haben ganz konkrete Angebote für junge GründerInnen, wie beispielsweise den Crash-Kurs für Bürokratie. Dort lernt man, wie man ein Unternehmen gründet und welcher nervige Papierkram dahinter lauert. Wir haben einen Incubator, wo Gründungsinteressierte in acht Wochen von der Idee bis zum ersten Produkt begleitet werden. Kein Businessplan-Wettbewerb, sondern wirkliche Umsetzung. Erfahrene GründerInnen begleiten neue GründerInnen in Form von wöchentlichen Workshops mit konkreten To Do’s, wie dem ersten Kundenkontakt oder einer Bedarfsanalyse.

Durch diese gemeinsame Arbeit wird man motiviert und es entstehen tolle Projekte. Das Programm endet in einer Pitch Night, wo alle TeilnehmerInnen um Preisgelder konkurrieren. Wer das Pitchen generell üben möchte, profitiert darüber hinaus von zahlreichen themenspezifischen Veranstaltungen. Zusätzlich stellt das YFN auch kostenlose Premium Zugänge zu verschiedenen KI Tools und Job-Communities bereit. Wir haben unser eigenes, kleines Wikipedia mit Erfahrungen von GründerInnen, die wir aufbereitet haben. 

Munich Startup: Welche Art von Veranstaltungen bietet ihr an? 

Nils Heck: Wir haben drei Sorten von Events. Einmal die Chapter-Events in den jeweiligen Städten wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart, wo alle Mitglieder hinkommen können. Dann haben wir unser jährliches Klassentreffen, wo fast alle aus der Community an einem Wochenende irgendwo in Deutschland zusammen kommen. Und nicht zu vergessen unsere Konferenz, an der letztes Jahr 750 junge Menschen teilgenommen haben. 

Munich Startup: Die Finanzierung stellt sich für viele GründerInnen als kompliziert heraus, bietet ihr in diesem Bereich Unterstützung? 

Nils Heck: Ja, beispielsweise durch Kontakte aus unserem Netzwerk zu Geldgebern. Darüber hinaus haben wir einen eigenen Young Founders Fund, der explizit in Leute unter 26 Jahren investiert. Aber nicht nur in Form von Geld, sondern auch durch gezieltes Mentoring und die Weiterentwicklung der GründerInnen.

Munich Startup: Was unterscheidet das YFN von klassischen Gründungsberatungen? 

Nils Heck: Einfach gesagt, dass es von jungen GründerInnen für junge GründerInnen ist. Wir bauen genau das, was wir brauchen, damit sind unsere Angebote genau auf die Zielgruppe angepasst. Man begegnet sich auf Augenhöhe mit Respekt, da alle entweder in der gleichen Situation sind oder diese schonmal erlebt haben. Und natürlich der gigantische Netzwerkeffekt, der auch im Privaten durchaus hilfreich ist. Außerdem bleibt man auch nach einer erfolgreichen Gründung als laufender Betrieb weiter im Netzwerk und genießt diverse Vorteile. Erst beim Überschreiten des 26. Lebensjahres tritt man dann automatisch aus.

Munich Startup: Was für Menschen kommen denn so bei diesen Treffen zusammen? Was ist das Durchschnittsalter? Muss man bereits gegründet haben, um Mitglied zu werden? 

Nils Heck: Das Durchschnittsalter beträgt 20 bis 21 Jahre. Wir sind eine sehr bunte Mischung aus verschiedenen Leuten. Die Ideen sind vielfältig, von Lieferservice für Bauern über die nächsten KI-App bis zum Social Startup. Das besondere bei YFN ist, dass jeder junge gründungsinteressierte Mensch willkommen ist. SchülerInnen nehmen Teil, StudentInnen und auch vereinzelt Azubis. Die einzige Qualifikation für Mitglieder lautet, etwas Neues erschaffen zu wollen. Wenn das gegeben ist und man mit den richtigen Leuten in Kontakt ist, führt das oft automatisch zur Gründung. Genau diesen Prozess, von der Idee bis hin zum Startup, begleiten wir. 

Munich Startup: Wer finanziert das YFN? Wer stellt Geld bereit für die Veranstaltungen? 

Nils Heck: Stiftungen machen einen großen Teil aus. Vor allem die Bertelsmann-Stiftung, die damals, als wir noch in einer alten Supermarkthalle übernachtet haben, unser Potenzial gesehen hat und uns unterstützen wollte. Jetzt sind wir die größte Startup-Initiative Deutschlands. Zusätzlich arbeiten wir mit UnternehmerInnen zusammen, die genau so etwas wie das YFN damals gebraucht hätten.

Infobox
Young Founders Network

Das Young Founders Network ist eine gemeinnützige Organisation und unterstützt in Deutschland junge Menschen bis zum Alter von 25 Jahren, die sich fürs Gründen interessieren: Mithilfe von Fortbildungen, Veranstaltungen und Netzwerkgelegenheiten. Seit 2021 wächst das Netzwerk aus angehenden GründerInnen und erfahrenen Playern stetig und umfasst aktuell circa 1500 Mitglieder aus dem DACH Raum. Vom ersten Treffen in Oppenheim in einer alten Rewe Halle zwischen 50 jungen Menschen entwickelte sich das YFN zu einer Bundesweiten Organisation, die in den größten Start Up Hotspots wie München, Berlin und Frankfurt, aber auch in
sieben weiteren deutschen Städten und in Österreich und der Schweiz vertreten ist.

Munich Startup: Gibt es denn vergleichbare Initiativen? 

Nils Heck: Es gibt auf jeden Fall vergleichbare Projekte, etwa START und FFI. Das sind aber keine Konkurrenten im engeren Sinne. Wir arbeiten zusammen um optimalen Mehrwert für die Community zu kreieren. 

Munich Startup: Wie finden euch gründungsinteressierte SchülerInnen und StudentInnen?

Nils Heck: Die erste Option ist ganz simpel: über Google. Einfach YFN eingeben, dann findet man uns. Die meisten neuen Mitglieder kommen aber durch Kontakte, mithilfe von Mund zu Mund Propaganda. Wir haben auch ein Projekt, „Startup in Schools“, wo wir unsere Mitglieder an die Schulen schicken und dort eine Doppelstunde zum Thema Gründen veranstalten. Nach dem ersten Kontakt bewirbt man sich auf unserer Webseite. Man beantwortet Fragen zur eigenen Person und nennt eventuelle Projekte an denen man arbeitet. Wir schauen uns an, ob der Vibe passt, dann gibt es einen 15-minütigen Onboarding Call. Schon bist du Mitglied! 

Munich Startup: Hat man gewisse Verpflichtungen als Mitglied? 

Nils Heck: Offizielle Gebühren oder sonstiges gibt es nicht. Dir steht frei, inwiefern du dich ins YFN einbringst. Prinzipiell lässt sich aber sagen, je mehr Ideen, Engagement und Arbeit du in das Netzwerk reinsteckst, desto mehr profitiert jeder Einzelne davon. In Form von Kontakten und Inspiration. 

Munich Startup: Als Abschlussfrage, für alle jungen Menschen aus kleineren Städten und abgelegenen Dörfern, wo kein eigenes Chapter existiert. Kann man trotzdem Teil der YFN Community werden? 

Nils Heck: Absolut. Absolut. Dafür haben wir ein Online-Chapter eingeführt, wo Veranstaltungen und Events digital begleitet werden. Außerdem gibt es natürlich die zwei Hauptevents, bei denen sich immer für geringes Budget Übernachtungsmöglichkeiten bei anderen Mitgliedern ergeben oder wir gemeinsam in Hallen oder Unis schlafen. Einfach die Isomatte und den Schlafsack mitnehmen, dann kriegen wir das zusammen hin. 

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