Munich Startup
Milch ohne Kuh – Fortschritt mit Geduld

Milch ohne Kuh – Fortschritt mit Geduld

Credit: Foto: Precision

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Bernd Heppel

Bernd Heppel

Das Münchner Startup Precision Labs kombiniert hochwertiges Milchprotein mit pflanzlichen Inhaltsstoffen, um eine Milchalternative zu schaffen, die geschmacklich, funktional und ernährungsphysiologisch möglichst nah an klassische Kuhmilch heranreicht, gleichzeitig aber deutlich nachhaltiger ist. Im Interview mit Munich Startup spricht Co-Gründer Malte Zeeck vor allem über die Herausforderungen rund um EU-Zulassungsverfahren und welche Auswirkungen diese auf Innovation und Wachstum haben.

9. April 2026

4 Min. Lesezeit

Munich Startup: Schildere mir bitte eure aktuelle Situation!

Malte Zeeck: Wir sind seit Oktober 2025 mit unseren ersten Produkten im deutschen Handel, unter anderem bei Edeka und Rewe. Unser Ansatz ist, schon heute eine deutlich bessere Version von Milch anzubieten mit besserem Nährwertprofil und einem Geschmack, der sehr nah am Original ist, aber mit deutlich weniger Kuh. Die Resonanz ist bisher sehr positiv, vor allem wenn Menschen das Produkt probieren. Parallel arbeiten wir bereits an der nächsten Generation: komplett tierfrei auf Basis von Präzisionsfermentation.

Munich Startup: Warum testet die EU so streng? Warum geht das in anderen Ländern schneller?

Malte Zeeck: Die EU hat mit der Novel-Food-Regulierung bewusst einen sehr hohen Sicherheitsanspruch. Neue Lebensmittel werden hier extrem gründlich geprüft. Das ist grundsätzlich sinnvoll und schafft Vertrauen. Gleichzeitig sind die Prozesse oft sehr lang und wenig planbar. Länder wie die USA, Israel oder Singapur sind hier pragmatischer und schneller, ohne aus unserer Sicht bei der Sicherheit Kompromisse zu machen.

Strenge EU-Regeln: Sicherheitsanspruch trifft auf Innovationsbremse

Munich Startup: Ist das nicht auch ein Wettbewerbsnachteil?

Malte Zeeck: Ja, das ist definitiv ein Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen. Während andere Märkte bereits erste Produkte im Regal haben und wertvolle Erfahrungen sammeln, sind wir hier noch im Zulassungsprozess. Das bedeutet, dass Innovation und Wertschöpfung teilweise in andere Regionen abwandern. Gleichzeitig hat das auch eine ökologische Dimension: Je länger sich solche Technologien verzögern, desto länger bleiben wir auf bestehende, ressourcenintensivere Produktionsweisen angewiesen. Europa riskiert also nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Hinblick auf Klimaschutz und Ressourceneffizienz den Anschluss zu verlieren.

Munich Startup: Wie fühlt sich das an, so lange warten zu müssen?

Malte Zeeck: Es ist ehrlich gesagt manchmal frustrierend. Man weiß, dass die Technologie funktioniert und dass es einen echten Mehrwert für Konsumentinnen und Konsumenten gibt. Gleichzeitig hängt man von Prozessen ab, die mehrere Jahre dauern. Aber als Gründer lernt man, damit umzugehen und parallel an den Dingen zu arbeiten, die man beeinflussen kann.

Munich Startup: Wie sieht es finanziell aus? Ist ja sicherlich eine große Belastung?

Malte Zeeck: Solche langen Zeithorizonte sind natürlich eine finanzielle Herausforderung, weil man in Vorleistung geht – in Produktentwicklung, Team und Infrastruktur – ohne dass die nächste Produktgeneration schon Umsatz generiert. Konkrete Zahlen teilen wir nicht, aber es ist klar, dass Kapitalbedarf und Planungssicherheit in so einem Umfeld eine große Rolle spielen. Umso wichtiger ist es, dass wir bereits heute ein funktionierendes Geschäftsmodell mit unseren aktuellen Produkten aufbauen.

Munich Startup: Kannst du einschätzen, wie groß das Problem ist? Muss jedes zukünftige Produkt durch diesen Vorlauf?

Malte Zeeck: Grundsätzlich gilt: Immer wenn ein neuartiger Inhaltsstoff eingesetzt wird, greift die Novel-Food-Regulierung. Das heißt, neue Technologien bringen fast immer einen entsprechenden Vorlauf mit sich. Wenn ein Inhaltsstoff aber einmal zugelassen ist, wird es deutlich einfacher, darauf aufbauend weitere Produkte zu entwickeln. Insofern ist die erste Zulassung der entscheidende Schritt.

Nicht ausgebremst: Wie das Startup trotz Hürden weiter vorarbeitet

Munich Startup: Seid ihr da jetzt komplett ausgebremst oder könnt ihr trotzdem im Hintergrund weiterarbeiten?

Malte Zeeck: Wir sind auf keinen Fall ausgebremst. Im Gegenteil: Wir nutzen die Zeit, um unsere Marke aufzubauen, den Markt zu entwickeln und unsere Produkte weiter zu verbessern. Gleichzeitig arbeiten wir im Hintergrund intensiv an der nächsten Generation. Wenn die regulatorischen Hürden fallen, wollen wir sofort bereit sein.

Munich Startup: Welche Forderung habt ihr an die Politik bezüglich schnellerer Zulassungen?

Malte Zeeck: Unser Wunsch ist kein geringeres Sicherheitsniveau, sondern mehr Geschwindigkeit und Planbarkeit. Die Prozesse sollten transparenter und effizienter werden, damit Unternehmen verlässlich investieren und Innovationen in Europa aufbauen können.

Gleichzeitig geht es dabei nicht nur um wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch um ökologische Fortschritte. Technologien wie Präzisionsfermentation haben das Potenzial, Ressourcenverbrauch und Emissionen in der Lebensmittelproduktion deutlich zu reduzieren. Je schneller solche Lösungen verantwortungsvoll in den Markt kommen, desto schneller können wir sowohl wirtschaftliche Chancen nutzen als auch Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit erzielen.

Unser Ziel wäre deshalb ein regulatorischer Rahmen, der beides ermöglicht: Innovation und Wertschöpfung in Europa und gleichzeitig einen spürbaren Beitrag zu einer nachhaltigeren Ernährung.

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