Die Jesango-Gründerinnen Alina Friedrichs, Catja Günther und Sophia Wittrock (v.l.)
Foto: Jesango

Jesango: „Fair Fashion zu entdecken und zu kaufen, soll einfach Spaß machen“

Das Münchner Startup Jesango bietet eine Plattform für faire und nachhaltige Mode. Die drei Gründerinnen erklären in unseren 7 Fragen, was sie mit ihrem Startup erreichen wollen.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch und Eure Plattform bitte kurz vor!

Jesango: Jesango ist die erste Shopping Community für fair produzierte und nachhaltige Mode. Jesango ist aus der Sprache Esperanto abgeleitet (jes ŝanĝo) und bedeutet „ja zu Veränderung“. Genau das wollen wir im Modebereich vorantreiben.

Nach einer kostenfreien und unverbindlichen Registrierung erhalten die NutzerInnen bei uns Zugriff auf exklusive, alle 48 Stunden wechselnde Angebote fairer und nachhaltiger Produkte. Der Fokus liegt dabei auf jungen, aufstrebenden Fashion Labels, die eine faire und nachhaltige Produktion mit einem hohen modischen Anspruch verbinden. Wir wollen weg von dem Stempel „öko“ und „zu teuer“, den Fair Fashion nach wie vor trägt, und KundInnen durch Rabattaktionen den Zugang zu Fair Fashion erleichtern. Gleichzeitig verstehen wir uns als Social Startup und spenden mit jeder Bestellung an Made in Bangladesh e.V. und bauen Tiefbrunnen in den Regionen, die von der Umweltverschmutzung der Fast-Fashion-Industrie besonders betroffen sind.

Hinter Jesango stehen Catja Günther (32), Sophia Wittrock (28) und Alina Friedrichs (33). Vor ziemlich genau einem Jahr hatten wir unabhängig voneinander ein ähnliches Problem. Wir hatten unsere Ernährung bereits auf Nachhaltigkeit umgestellt, unseren Plastikkonsum drastisch reduziert und glichen unsere CO2-Emission beim Fliegen aus. Im Bereich Fashion hatten wir uns bisher aber nur wenig Gedanken um Nachhaltigkeit und Produktionsbedingungen gemacht. Und das obwohl die Fashion-Industrie nach der Ölindustrie die schmutzigste Industrie der Welt ist. Uns fehlten einfach das Bewusstsein und der Zugang zu Fair Fashion. Uns war schnell klar, wenn das keiner gut macht, dann machen wir es.

„Wir schauen uns viel von den Großen ab“

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Jesango: Klar gibt es bereits Online Shops für fair und nachhaltig produzierte Mode. Allerdings sind diese schwer zu finden, haben ein überschaubares Sortiment und tragen nach wie vor den Stempel „öko“ und „zu teuer“. Viele sind als Marketplace nicht benutzerfreundlich, da die Fashion Labels selbst verschicken, man mehrfach Versand bezahlt und mehrere einzelne Pakete erhält.

Wir schauen uns hinsichtlich Kundenerlebnis, modischem Anspruch und Ästhetik viel von den Großen ab. Fair Fashion zu entdecken und zu kaufen, soll einfach Spaß machen. Wir entwickeln daher mobile-first, wählen die Labels mit größter Sorgfalt aus und verschicken selbst. Als erste Shopping Community für Fair Fashion bieten wir exklusive und sorgfältig kuratierte Rabattaktionen für unsere MitgliederInnen an. So ist Jesango ein günstiger und einfacher Einstieg in die Fair Fashion Welt.

Munich Startup: Was war Eure bisher größte Herausforderung?

Jesango: Wir arbeiten mit vielen kleinen Fair Fashion Labels zusammen und kaufen aktuell nahezu alles an, was wir im Shop anbieten. Das ist für den Kunden sehr convenient, da wir geringe Lieferzeiten und einen CO2-neutralen Versand garantieren können. Gleichzeitig binden wir damit viel Kapital. Hier eine gute Balance zwischen Service und Wirtschaftlichkeit zu finden war und ist auf jeden Fall eine Herausforderung.

Jesango sucht Investoren

Munich Startup: Butter bei die Fische: Wie läuft das Geschäft?

Jesango: Wir sind seit zwei Wochen online und die erste Resonanz hat unsere Erwartung weit übertroffen. Es haben sich bereits fast 500 Personen bei uns registriert und wir bringen täglich Pakete zur Post. Es ist so toll zu sehen, wie viele Leute sich für Fair Fashion begeistern oder sich durch uns erst dazu begeistern lassen. Für uns ist trotzdem klar, dass wir externes Geld brauchen, um insbesondere Marketingausgaben und Wareneinsatz zu decken. Daher sind wir aktuell auf der Suche nach passenden Investoren.

Munich Startup: Was bedeutet München für Euch?

Jesango: München ist für uns in vielerlei Hinsicht der ideale Ort zum Gründen. Es gibt eine recht große Startup-Szene, die viel Austausch bietet. Gleichzeitig geht man als Startup aber auch nicht in der Masse unter, wie das in Berlin schnell der Fall sein kann. Seit Oktober sind wir gefördert durch das Strascheg Center for Entrepreneurship und die Social Entrepreneurship Akademie der Hochschule München. Die Programme sind super organisiert, bieten Coaching, ein Prototyping-Budget und Büroräume mitten in München. Da Catja und Sophia in München bereits studiert und gearbeitet haben, war für uns klar, dass wir auf jeden Fall hier unser Unternehmen aufbauen wollen.

Munich Startup: Wie wird Euer Startup zum nächsten Unicorn? Oder sehen wir uns bald auf der Epic Fail Night?

Jesango: Fair Fashion und das ganze Thema Nachhaltigkeit ist ein mega Zukunftstrend. Die Gesellschaft befindet sich hier im absoluten Wandel. Wir merken an den ersten Reaktionen unserer Zielgruppe, wie gefragt Lösungen, wie wir sie anbieten, aktuell sind. Wir haben auch nicht vor, uns im E-Commerce Dschungel unterkriegen zu lassen — insofern: Auf jeden Fall das nächste Unicorn!

Munich Startup: Isar oder Englischer Garten?

Jesango: Isar — Kasten Bier im Fluss und Grillen auf dem Kiesstrand.

Simon Tischer

Seit Dezember 2015 schreibt Simon Tischer für Munich Startup. Vorzugsweise berichtet er über Studien, Hintergründe und von Veranstaltungen. Er studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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