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Farminsect schließt sechsstellige Seed-Finanzierung ab

Das Münchner Agtech-Startup Farminsect ermöglicht es Landwirten, ihr eigenes Proteinfutter aus regionalen Reststoffen mit Hilfe von Insekten herzustellen. Dadurch sparen sich Landwirte den Import von Soja und Fischmehl und somit bis zu 20 Prozent ihrer Kosten für Futtermittel, wie uns die Gründer in einem Interview verrieten. Nun hat das Startup eine sechsstellige Seed-Finanzierungsrunde abgeschlossen.

Drei Business Angels helfen Farminsect mit einer Seed-Finanzierungsrunde beim Start in die Kommerzialisierung. Insgesamt konnte das Startup eine Finanzierungsrunde im mittleren sechsstelligen Bereich abschließen. Die genaue Summe wurde nicht bekannt gegeben. Mit dem aufgenommenen Kapital möchte das Startup die erste Pilotanlage bei einem der größten Aquakultur-Betriebe in Bayern aufstellen.

Das Geschäft mit den Fliegenlarven

Seit 2017 sind sechs Insektenarten in der EU als Tierfutter zugelassen. Farminsect hat sich auf die Schwarze Soldatenfliege spezialisiert (Black Soldier Fly). Deren Larve kann ein sehr breites Futterspektrum verarbeiten und eignet sich daher gut für die Verwertung von Reststoffen, wie etwa Ernteresten oder Überbleibsel aus der Lebensmittelproduktion. Farminsect bietet den Landwirten eine automatisierte Maschinenanlage für die Insektenproduktion. Die Landwirte benötigen daher keine Vorkenntnisse zur Insektenzucht. Bis eine Charge Fliegenlarven ausgewachsen ist, dauert es ungefähr eine Woche. Anschließend können die Larven direkt an Nutztiere verfüttern oder für die Lagerung getrocknet werden. Neben den Larven fällt bei dem Prozess auch hochwertiger Kompost an, welcher den Landwirten hilft, ihre Bodenqualität zu verbessern.

Das Startup legt zudem besonderen Wert auf die regionale Herkunft der Reststoffe. Um diese zu gewährleisten und eine lückenlose Rückverfolgung zu ermöglichen hat Farminsect eine IT-Plattform entwickelt, welche dem Landwirt diesen Prozess abnimmt. Diese ist mit einer Vielzahl von Sensoren verbunden und führt den Landwirt durch den gesamten Prozess der Insektenproduktion.

„In der EU fallen jährlich Milliarden Tonnen an Lebensmittel- und Ernteresten an, die bisher nicht sinnvoll genutzt werden. Dieses Potential wollen wir heben“,

erklärt Farminsect-Gründer Thomas Kühn.

Kreislaufwirtschaft mit Farminsect

„Üblicherweise müssen Soja und Fischmehl zu über 90 Prozent in die EU importiert werden. Dadurch entsteht eine starke Abhängigkeit der Futtermittelpreise von den Weltmärkten. In den letzten zehn Jahren haben sich die Preise für Futtermittel mehr als verdoppelt. Da Futtermittel für die meisten Landwirte den Großteil der Betriebskosten ausmachen, stehen bei weiteren Preissteigerungen viele Landwirte vor Betriebsaufgaben. Zusätzlich sind Soja und Fischmehl eine ökologische Katastrophe und zerstören unsere Regenwälder und Ozeane“,

erklären die Gründer im Interview mit Munich Startup. Durch die angepeilte Kreislaufwirtschaft ermöglicht Farminsect hingegen eine regionale und versorgungssichere Landwirtschaft, die unabhängig von globalen Versorgungsengpässen ist. Damit ist das Startup auf einer Linie mit den Zielen der EU, unabhängiger von Lebensmittelimporten zu werden und die Kreislaufwirtschaft zu fördern.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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