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Xempus: Auf dem Weg zu Europas führendem Vorsorge-Insurtech

Das Münchner Insurtech Xempus bietet eine Plattformlösung zur Digitalisierung der betrieblichen Altersversorgung. Seit seiner Gründung vor gut 15 Jahren ist aus dem Startup ein Unternehmen mit mehr als 170 Mitarbeitern und zahlreichen Kunden geworden. Wir haben mit CEO Tobias Wann über die Erfolgsgeschichte des Unternehmens gesprochen.

Am Anfang stand die betriebliche Altersvorsorge (bAV): Sie wollte der Xempus-Gründer Martin Bockelmann mit seinem Startup, das damals noch unter dem Namen xbAV firmierte, digitalisieren. Hierzu entwickelte das Münchner Startup eine digitale Plattform, die Versicherungen, Vermittler, Arbeitgeber und Beschäftigte miteinander vernetzt. Denn bis dato kommunizierten die vier Seiten hauptsächlich in Papierform miteinander. Das war nicht nur aufwendig, sondern auch langwierig: Ein Abschluss konnte so bis zu sechs Monate dauern.

Die anbieterübergreifend konzipierte Plattform Xempus änderte dies, und brachte zugleich weitere digitale Funktionen mit sich. So erlaubte sie es unter anderem, gängige Verwaltungsaufgaben wie Adressänderungen, die Beantragung von Elternzeiten und Beitragsänderungen digital zu erledigen. Im Fokus steht dabei ein reibungsloser Informationsaustausch. Dieser soll zu informierten und aufgeklärten Kunden führen, die bessere und fundierte Entscheidungen treffen können.

Damit war der Grundstein für den Erfolg des Startups gelegt.  Über die Jahre hinweg folgten dann mehrere Finanzierungsrunden, zuletzt die Series-D im März 2022. Hier erhielt Xempus rund 63,5 Millionen Euro (70 Millionen Dollar) von seinen Investoren, darunter Goldman Sachs Asset Management (GSAM), HPE Growth und Cinco Capital. Damit erhöhte sich die Gesamtfinanzierung des Startups auf rund 113,5 Millionen Euro (125 Millionen Dollar).

Von der bAV zur ganzheitlichen Vorsorge

Aber natürlich entwickelte sich in der Zeit auch die Plattform weiter. Denn nach der Digitalisierung der betrieblichen Altersvorsorge setzte sich das Startup ein neues Ziel: Die gesamte Vorsorge für alle einfach zu machen. Hierzu erweiterte Xempus seine Plattform und bildet neben der bAV auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ab. In Zukunft sollen weitere Angebote wie die betriebliche Krankenversicherung (bKV) hinzukommen. Diese Entwicklung war es auch, die das Unternehmen dazu veranlasste, seinen Namen zu ändern. Im April 2021 wurde aus xbAV Xempus, um die Marktausrichtung klarer zu machen. Xempus-Gründer Martin Bockelmann erklärte damals:

„Wir haben mit der bAV angefangen. Unsere Plattform ist so konzipiert, dass Produktanbieter und weitere Produkte technologisch einfach angebunden werden können. Wir möchten die erste Anlaufstelle beim Thema Vorsorge werden.“

Heute verbindet das Insurtech nach eigenen Angaben mit seiner digitalen Plattform 18.000 Versicherungs-VermittlerInnen mit 60.000 Betrieben und den führenden Lebensversicherern Deutschlands.

Xempus: „Wir sehen uns als Scaleup“

Wir wollten von Xempus-CEO Tobias Wann wissen, welche Meilensteine die Unternehmens-Entwicklung geprägt haben, was den Erfolg von Xempus ausmacht und welche Zukunftspläne sein Unternehmen verfolgt.

Munich Startup: Xempus wurde 2007 gegründet. Welche drei Meilensteine haben Euer Unternehmen seitdem am meisten verändert?

Tobias Wann, Xempus: Gestartet sind wir als Servicedienstleister für betriebliche Altersvorsorge mit der Vision unseres Gründers Martin Bockelmann, Strukturen zu schaffen, die bAV für alle Beteiligten einfach und effizient machen. Hinter dieser Vision steht heute eine Software-as-a-Service-Plattform. Zu den größten Meilensteinen zählen die Einführung der digitalen bAV-Verwaltung 2015, der digitalen bAV-Beratung ein Jahr später und des Arbeitnehmerzugangs 2020. Heute digitalisieren wir alle Prozesse, die zwischen Vermittler-Versicherung-Betrieb stattfinden.

Munich Startup: Seht Ihr Euch noch als Startup?

Tobias Wann: Wir sehen uns als Scaleup. Wir sind im Markt angekommen und haben unsere bAV-Lösungen etabliert. Darauf bauen wir auf und entwickeln diese Technologie im betrieblichen Umfeld weiter. Mittlerweile arbeiten 170 Kolleginnen und Kollegen aus München, Berlin, Saarbrücken und remote daran, unsere Plattform weiterzuentwickeln, Versicherungen anzubinden und neue betriebliche Versicherungsprodukte digital einfach zu machen.

Munich Startup: Wenn es nur eine Sache gäbe, die Du hier nennen kannst: Was war der wichtigste Faktor für Euren Erfolg?

Tobias Wann: Die Usability für unsere Nutzerinnen und Nutzer ausbauen.

Munich Startup: Euer Gründer, Martin Bockelmann, hat im letzten Jahr in den Aufsichtsrat gewechselt und die Führung an Dich als neuen CEO übergeben. Welche Tipps kannst Du anderen Startups für eine solche Übergabe geben?

Tobias Wann: Zuhören. So bekommt man ein gutes Bild von Unternehmen. Persönliche Gespräche geben wertvollen Kontext schon zu Beginn. Und darauf sollte aufgebaut werden, indem man bestehende Formate nutzt und weiterentwickelt oder neue und sinnvolle kreiert. Bei uns ist das beispielsweise ein Zusammenspiel aus Jour Fixe, wöchentlichen Company Meetings und Open Spaces.

„2020 hat gezeigt, wie wichtig digitale Kommunikation ist“

Munich Startup: Was ist gerade das herausforderndste Thema bei Xempus?

Tobias Wann: Wir sind auf Wachstumskurs. Wir suchen verstärkt neue Kolleginnen und Kollegen, die mit uns unsere SaaS-Plattform zu Europas führendem Vorsorge-Insurtech entwickeln.

Munich Startup: Und welchen Impact hatte die Corona-Pandemie auf Euch?

Tobias Wann: 2020 hat gezeigt, wie wichtig digitale Kommunikation ist. In unserem Kontext heißt das: Versicherer-Vermittler-Betriebe. Digitale Kommunikation macht Beratung, Abschluss und Verwaltung einfach, effizient und natürlich ortsunabhängig. In den letzten zwei Jahren sind die digitalen Beratungen über unsere Plattform stark gestiegen. Das Gleiche gilt für die digitale Verwaltung. Hinzu kam von beiden Seiten – VermittlerInnen und Versicherungen – die wachsende Nachfrage nach digitaler betrieblicher Krankenversicherung. Unternehmen möchten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen halten und gewinnen. Benefits sind ein großes Thema und bKV neben bAV attraktiv im Markt. Daran arbeiten wir und gehen im Herbst live.

Munich Startup: Wie wird Euer Unternehmen zum nächsten Unicorn?

Tobias Wann: Mehr als der Unicorn-Status interessiert uns, technologische Standards im betrieblichen Umfeld zu setzen und diese auf Europa auszuweiten.

Munich Startup: Was ist Deiner Einschätzung nach, der ausschlaggebende Faktor für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung?

Tobias Wann: Angebot und Nachfrage. Und technologisch den Unterschied machen.

Munich Startup: Wie bewertet Ihr als „alte Hasen“ den Startup-Standort München?

Tobias Wann: In München trifft sich viel IT und Versicherung. Als Insurtech wissen wir den Austausch vor Ort zu schätzen. Wichtiger als den Standort finde ich allerdings Flexibilität und ein sinnvolles Mobile-Work-Konzept.

Munich Startup: Was liegt auf Deinem Schreibtisch aktuell ganz oben?

Tobias Wann: Wir haben gerade 70 Millionen US-Dollar an Serie-D-Finanzierung eingesammelt. Mit dem frischen Kapital bauen wir unsere Marktposition in Deutschland aus. Wir integrieren die digitale Krankenversicherung auf unserer Plattform und starten zeitgleich die Internationalisierung der Xempus-Technologie.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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