Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Niccolò Lapini, CEO und Mitgründer: Mittagessen im Büro, in Unternehmen ohne Kantine. Für Mitarbeitende heißt das heute: anstehen, zu teuer, wenig Auswahl. Von einer halben Stunde Pause bleibt kaum etwas übrig. Für das Unternehmen heißt es: Ein Benefit, den alle wollen, den aber niemand organisieren will – Bestellungen, Budgets, Allergene, Rechnungen.
Wir lösen beides. Mitarbeitende bestellen individuell in unserer App, wir kochen frisch in eigenen Küchen und liefern direkt ins Büro. Teilnahme, Budgets, Reporting und Abrechnung laufen an einer Stelle zusammen, steueroptimiert über den Essenszuschuss.
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Niccolò Lapini: Wir machen alle drei Teile selbst: Küche, Logistik und Software. Die meisten im Markt machen eines davon. Marktplätze haben die Technologie, aber keine Kontrolle über Qualität und Marge. Caterer haben die Küche, aber keine Plattform.
Das ist der Grund, warum wir seit 2024 profitabel sind – im Food-Delivery-Markt ist das die Ausnahme – und warum wir bei 4,9 von 5 aus über 50.000 Bewertungen und 99 Prozent Pünktlichkeit liegen. Die Kontrolle über die eigene Küche ist keine Ideologie, sie ist die Marge.
Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Niccolò Lapini: Meine eigene Mittagspause. 2017 habe ich bei einem Tech-Startup in München gearbeitet. Eine halbe Stunde Pause, jedes Restaurant in der Nähe über zehn Euro, zwei Drittel der Zeit in der Schlange und ein Drittel zum Essen. Das war kein besonderer Tag, das war jeder Tag. Wenn das mein Problem ist, dachte ich, ist es das Problem von Millionen Büroangestellten.
Technologieplattform entstand in Coronapause
Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Niccolò Lapini: Frühjahr 2020. Wir waren in elf Monaten von null auf eine Million Euro ARR gewachsen und hatten gerade eine neue Stadt eröffnet. Eine Woche später kam Corona. Die Büros waren leer und unser Umsatz ging auf null. Nicht auf die Hälfte – auf null.
Wir mussten ein starkes Team verkleinern. Das waren die schwersten Entscheidungen, die wir bisher getroffen haben. Aufgehört haben wir trotzdem nicht. Wir haben jede Ausgabe gestrichen und die zwei Jahre genutzt, um die Technologieplattform zu bauen, für die im Normalbetrieb nie Zeit gewesen wäre. Ohne diese zwei Jahre wären wir heute nicht da, wo wir sind.

Bella & Bona wurde 2019 in München von Niccolò Lapini, Matteo Cricco und Niccolò Ferragamo gegründet. Die drei kennen sich aus Florenz und hatten bereits zuvor gemeinsam gegründet.
Lapini absolvierte einen Master in Management an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht und baute in Florenz die Unternehmen Kiwi Local und Outcage auf. Nach Stationen bei Unicredit und GE arbeitete er von 2017 bis 2019 im Business Development bei Navvis in München. Seit März 2019 führt er Bella & Bona als CEO.
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Niccolò Lapini: Wenn Nordrhein-Westfalen genauso läuft wie München und Berlin. Nicht weil NRW als Markt wichtiger wäre, sondern weil es der Beweis ist, dass wir eine Stadt nach einem wiederholbaren Modell eröffnen können: eigene Küche, eigene Logistik, eigener Vertrieb, vom ersten Tag an. Konkret: vier Städte, die sich selbst tragen, und 10 Millionen Euro ARR im ersten Quartal 2027. Danach Hamburg.
München zwingt zu maximaler Kosteneffizienz
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Niccolò Lapini: Ja. Das Problem, das wir lösen, hatte ich hier selbst. München hat eine hohe Dichte an Unternehmen ohne Kantine, also genau unsere Kunden, direkt vor der Haustür. Und es hat Leute, die beides können, Technologie und operatives Geschäft. Für ein Unternehmen mit eigener Küche und eigener Logistik ist das wichtiger als reine Software-Kompetenz. München ist teuer. Das hat uns von Anfang an gezwungen, auf Kosten und Marge zu achten. Rückblickend war das kein Nachteil.
Munich Startup: Fokus oder Diversifikation?
Niccolò Lapini: Fokus. Wir machen B2B, und nur B2B. Wir werden regelmäßig gefragt, ob wir das Angebot nicht auch für Privatkunden öffnen. Das war früher so und ist bis heute so. Die Antwort ist jedes Mal dieselbe: nein. Unsere Küchen, unsere Logistik und unsere Software sind auf Unternehmen ausgelegt: planbare Mengen, feste Lieferadressen, Budgets und Abrechnung über den Arbeitgeber. B2C wäre ein anderes Produkt mit anderen Margen. Wir müssten alles ein zweites Mal bauen. Breite gibt es bei uns innerhalb des Büros: Daily Lunch, Catering für Events, Frühstück, Pantry, Obst. Ein Kundentyp, ein Vertriebsweg, eine Küche, eine Plattform.










