Das Münchner Energie-Software-Startup Furo hat eine Finanzierungsrunde über 4 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird sie vom New Yorker Investor TQ Ventures. Außerdem beteiligen sich Neo, Sandberg Bernthal Venture Partners, der Fonds von Sheryl Sandberg, und CDTM Venture Capital. Das frische Kapital soll in die Softwareentwicklung, die Expansion in weitere europäische Märkte und den Ausbau des Teams fließen.
Furo setzt dort an, wo die Anschaffung eines Batteriespeichers allein noch keine wirtschaftliche Lösung liefert: bei der Entscheidung, wann eine Anlage Strom speichern, abgeben oder verkaufen soll. Viele Speicher arbeiten laut dem Startup bislang mit starren Regeln. Verändern sich Strompreise oder Wetter, reagieren diese Systeme nicht ausreichend darauf.
Die Batterie steht. Jetzt muss sie sich rechnen.
Furos Software prognostiziert Strompreise und Wetter bis zu 48 Stunden im Voraus. Auf dieser Grundlage steuert sie den Speicher in Echtzeit und vermarktet ungenutzte Kapazität im Energiehandel. Nach Unternehmensangaben lassen sich die Stromkosten damit um bis zu 40 Prozent senken.
Lena Sophia Voß, Mitgründerin von Furo, sagt:
„Unsere KundInnen haben keine Batterie gekauft, um eine Technologie zu besitzen, sondern um ihre Stromrechnung zu senken. In einem der volatilsten Strommärkte der Welt entscheidet darüber die Software, nicht die Hardware. Genau deshalb haben wir Furo gegründet“.
Die Plattform deckt mehrere Schritte ab: Sie unterstützt die Auslegung eines Speichersystems, optimiert den laufenden Betrieb und ermöglicht die Vermarktung freier Kapazitäten. Vertrieben wird sie über Installationsbetriebe, Projektentwickler, Speicherhersteller und Energieversorger. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 800 Unternehmen die Plattform an über 6.000 Standorten in Deutschland und Europa.
Ben Rohloff, Director Commercial & Industrial bei Enpal, beschreibt den Nutzen so:
„Wir und unsere KundInnen gewinnen Transparenz darüber, was unsere Batterie tatsächlich tut und warum. Diesen Unterschied können wir schon im Vertrieb sehen. Wir haben heute deutlich mehr Speicherprojekte als noch vor einem Jahr“.
München statt Google und Apple
Gegründet wurde Furo 2025 unter dem Namen Lumera Energy von Lena Sophia Voß, Leonie Wagner und Simon Wittner. Die drei lernten sich im gemeinsamen Masterprogramm am Center for Digital Technology and Management (CDTM) der LMU und der TU München kennen.
Das Team bringt Erfahrungen unter anderem von Apple, Google X, der Stanford University, der UC Berkeley und der Boston Consulting Group mit. Nach Angaben des Unternehmens schlugen die drei Angebote von Google und Apple aus und kehrten aus dem Silicon Valley nach München zurück, um hier zu gründen.
Die Verbindung in die USA blieb bestehen: 2025 wurde Furo laut Unternehmensmitteilung als einziges europäisches Startup in das US-Accelerator-Programm „Neo“ aufgenommen. Nun beteiligen sich mehrere US-Investoren an der Finanzierungsrunde.
Stromschwankungen als Geschäftschance
Furo richtet seine Software auf einen Strommarkt aus, in dem schwankende Erzeugung und Preise flexible Entscheidungen verlangen. Statt Speicher nach festen Vorgaben zu betreiben, soll die Plattform ihre Steuerung laufend an die erwartete Marktlage anpassen. Für Industrie- und Gewerbebetriebe soll sich die Investition in die Hardware dadurch besser rechnen.
Für den Lead-Investor ist die Erfahrung des Gründungsteams mit diesem Markt ein entscheidender Faktor. Schuster Tanger, Co-Founding Partner bei TQ Ventures, sagt:
„Gemeinsam bringen sie herausragende technische Tiefe und operative Erfahrung im komplexesten Strommarkt Europas mit. Das zeigt sich bereits in der Zahl der Projekte und den Daten, die sie aufgebaut haben“.
Mit dem neuen Kapital will Furo diesen Ansatz in weitere europäische Märkte bringen. Die Aufgabe bleibt dabei dieselbe: Aus vorhandenen Batteriespeichern mehr wirtschaftlichen Nutzen herausholen.












