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Wer überzeugt die Investorin? Balderton VC über Münchens Deeptech-Szene

Wer überzeugt die Investorin? Balderton VC über Münchens Deeptech-Szene

Credit: Balderton Capital

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Kyrill Ring

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Ambition, Mission, Resilienz: Balderton-Investorin Lena Hinkelmann erklärt, was sie überzeugt und warum sie um die spannendsten Startups selbst werben muss.

2. Oktober 2026

7 Min. Lesezeit

Lena Hinkelmann betreut den deutschsprachigen Raum im Growth-Team von Balderton Capital. Ihre Schwerpunkte liegen auf KI-Software und Deeptech, insbesondere Raumfahrt und Verteidigungstechnologie. Auf der Bits & Pretzels 2026 spricht sie mit Munich Startup über ihre Investmentkriterien, einen besonderen Drohnenflug und Münchens technische Talente.

Munich Startup: Lena, stell dich bitte kurz vor. Was machst du bei Balderton?

Lena Hinkelmann, VC Growth Investorin bei Balderton Capital: Ich verantworte den deutschsprachigen Raum für das Growth-Team von Balderton und beschäftige mich mit Unternehmen ab der Series B. Besonders viel Zeit verbringe ich mit KI-Software und Deeptech, darunter viele Raumfahrt- und Verteidigungsthemen. Zu den Unternehmen, bei deren Deals ich involviert war, gehören beispielsweise The Exploration Company und Quantum Systems aus dem Münchner Raum sowie Dash0.

Munich Startup: Was muss ein Unternehmen mitbringen, um deine Aufmerksamkeit zu gewinnen?

Lena Hinkelmann: Für mich persönlich steht die Gründerpersönlichkeit an erster Stelle. Dazu gehören eine große Ambition, eine Mission, die das Team und InvestorInnen mitreißt, und eine gesunde Portion Resilienz.

Ich erinnere mich noch sehr gut an unser erstes Treffen mit Hélène Huby von The Exploration Company. Wir haben uns die Räumlichkeiten außerhalb von München angeschaut und sind mit dem Gefühl herausgegangen, dass dort eine riesige Mission entsteht. Sie hat uns mit ihrer Idee mitgerissen. Wenn ich ein Treffen so begeistert verlasse, weiß ich: Mit dieser Investmentmöglichkeit möchte ich mich näher beschäftigen.

Wenn beim Drohnenflug plötzlich der Puls steigt

Munich Startup: Welche Begegnung mit einem Gründungsteam ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Lena Hinkelmann: Unser erster Testflug mit den Drohnen von Quantum Systems. Wir waren auf einem großen Feld in der Nähe von Gilching und mussten zunächst warten, bis der Luftraum für uns freigegeben war. Anschließend durften wir die Drohnen selbst starten und tatsächlich steuern.

Das war ein sehr cooler Moment und hat mich an ferngesteuerte Flugzeuge aus meiner Kindheit erinnert. Es hat genauso lange unbeschwert Spaß gemacht, bis uns der Gründer kurz daran erinnert hat, dass die Drohnen mehrere hunderttausend Euro kosten. Da ist der Puls dann doch ein bisschen angestiegen. An diesen Tag werde ich mich noch lange erinnern.

Munich Startup: Kommen die Unternehmen auf dich zu oder suchst du aktiv den Kontakt?

Lena Hinkelmann: Es ist eine Mischung. Unternehmen, die große Fortschritte machen und besonders spannend sind, bekommen allerdings sehr viel Aufmerksamkeit von InvestorInnen. Deshalb bin ich häufiger in der Situation, selbst auf ein Unternehmen zuzugehen und einen Dialog aufzubauen.

Balderton investiert über verschiedene Entwicklungsphasen hinweg: von sehr frühen Pre-Seed- und Seed-Runden bis in die Phase vor einem möglichen Börsengang. Deshalb haben wir als Firma häufig schon seit früheren Finanzierungsrunden eine Beziehung zu einem Unternehmen. Das erleichtert den Austausch gegenüber einer Situation, in der man bei der Series B ganz neu dazukommt.

Munich Startup: Was war die größte Summe, die du bisher investiert hast?

Lena Hinkelmann: Zu einzelnen Investments können wir keine genauen Zahlen veröffentlichen. Üblicherweise decken wir mit unseren Investments aber eine Bandbreite von einer Million bis 100 Millionen ab.

„Ist das eigentlich ein echter Job?“

Munich Startup: Wie bist du Investorin geworden?

Lena Hinkelmann: Ich habe an der WHU studiert und hatte dort bereits ab dem ersten Semester viele Berührungspunkte mit Entrepreneurship. Nach dem Studium habe ich ein Praktikum bei General Atlantic in München gemacht, einem amerikanischen Growth-Equity-Investor.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich damals dachte: Ist das eigentlich ein echter Job? Du verbringst Deinen Tag damit, mit spannenden GründerInnen und Unternehmen zu sprechen und neue Industrien kennenzulernen. Du kannst sagen: Ich glaube an den Raumfahrtmarkt. Dann recherchierst Du, entwickelst Thesen und definierst, was Du spannend findest und warum.

Das war eine prägende Erfahrung. Danach war für mich klar, dass ich in diesem Bereich arbeiten möchte. Nach einem Jahr im Banking ergab sich die Möglichkeit, zu General Atlantic zurückzukehren. Dort lag der Fokus auf späteren Wachstumsphasen.

Später kam die Möglichkeit, zu Balderton nach London zu wechseln und mich stärker auf Venture Growth zu konzentrieren, vor allem auf Series-B- und Series-C-Investments. In dieser Phase beschäftigen sich Unternehmen häufig mit Internationalisierung und größeren Skalierungsschritten. Das ist genau der Bereich, in dem ich arbeiten möchte.

Munich Startup: Gibt es für dich einen normalen Arbeitstag?

Lena Hinkelmann: Eigentlich nicht. Meine Arbeit verteilt sich auf drei Kernbereiche. Der erste ist die Suche nach spannenden neuen Investments. Dabei kann ich geografisch vorgehen und schauen, welche interessanten Unternehmen sich im deutschsprachigen Raum entwickeln. Oder ich beschäftige mich gezielt mit einem Sektor, etwa Raumfahrt, Verteidigung oder Energie, entwickle Thesen und suche Unternehmen, die dazu passen.

Der zweite Bereich ist die Portfolioarbeit. Wir begleiten Unternehmen, in die wir bereits investiert haben, und unterstützen sie bei unterschiedlichen Themen.

Der dritte Bereich sind konkrete Investmentprozesse. Dann prüfen wir ein Unternehmen intensiv und bereiten die Entscheidung im internen Investmentkomitee vor. Wenn ein Investment sehr wahrscheinlich wird, lasse ich andere Aufgaben auch einmal für ein paar Tage liegen und konzentriere mich darauf. In anderen Phasen bin ich stärker mit der Suche beschäftigt, reise nach München, Zürich oder Berlin und treffe GründerInnen.

Infobox

Lena Hinkelmann ist VC Growth Investor bei Balderton Capital in London und betreut den deutschsprachigen Raum. Sie konzentriert sich auf Wachstumsfinanzierungen ab der Series B, insbesondere in den Bereichen KI-Software, Raumfahrt und Verteidigungstechnologie. Sie wirkte unter anderem an Investments in Quantum Systems und The Exploration Company mit. Zuvor arbeitete die WHU-Absolventin bei General Atlantic und Goldman Sachs.

Mit der Unterschrift geht es erst los

Munich Startup: Was bedeutet der Moment, in dem ein Investment unterschrieben wird? Ist das der Abschluss eines langen Prozesses?

Lena Hinkelmann: Für mich ist es weniger ein Abschluss als ein Startgefühl. Eigentlich geht es dann erst richtig los. Du begibst Dich mit einem Gründungsteam auf eine gemeinsame Reise für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Das ist einer der aufregendsten Momente: Du weißt, dass Du dieses Unternehmen und seine Entwicklung über die kommenden Jahre eng begleiten kannst.

Munich Startup: Welche Branchen beschäftigen dich besonders?

Lena Hinkelmann: Ich bin eine generalistische Investorin und Balderton ist ein generalistisch aufgestellter Fonds. Persönlich verbringe ich aber viel Zeit mit KI-Software und Deeptech. Innerhalb von Deeptech sind das besonders Raumfahrt und Verteidigung, aber auch Energie, Robotik und weitere Bereiche.

Munich Startup: Welches Unternehmen findest du gerade besonders spannend?

Lena Hinkelmann: Für mich ist das The Exploration Company. Es ist beeindruckend, was das Team seit unserem ersten Investment erreicht hat. Am Anfang stand ein vergleichsweise kleines Team in der Nähe von München. Seitdem hat sich sehr viel entwickelt.

Mit der Raumkapsel und den Ambitionen für wiederverwendbare Raumfahrttechnologie verfolgt das Unternehmen eine Mission, die für Europa strategisch sehr wichtig ist. Genau diese Entwicklung über mehrere Jahre mitzubegleiten, finde ich besonders spannend.

München darf seine Stärken auch feiern

Munich Startup: Wie können GründerInnen mit dir ins Gespräch kommen?

Lena Hinkelmann: Einfach schreiben – über LinkedIn oder per E-Mail. Viele GründerInnen trifft man auch auf Veranstaltungen wie der Bits & Pretzels. Dort entstehen Gespräche oft zufällig auf dem Flur: Man erkennt jemanden, kennt das Unternehmen und spricht sich an.

Munich Startup: Was möchtest du zum Schluss noch ergänzen?

Lena Hinkelmann: Es ist schön zu sehen, wie sich das Münchner Ökosystem entwickelt. Ich bin seit knapp sechs Jahren in der Investmentbranche. Selbst in dieser Zeit ist hier viel passiert, gerade bei Hardware, Verteidigung, Raumfahrt und Energie.

Wenn ich in München bin, freue ich mich darüber, was vorangeht und wie viele technische Talente wir in Deutschland haben. Das müssen wir auch feiern. Wir sprechen häufig darüber, was in Europa nicht funktioniert, dabei läuft bereits sehr viel richtig.

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