Munich Startup: Welchen messbaren Unterschied macht eure Lösung heute?
Anton Eder, Co-Founder & COO: Dank unserer Lösungen für eine gelungene Post-Purchase-Kommunikation reduzieren unsere Kunden ihre WISMO (Where is my order)-Anfragen im Schnitt um rund 30 Prozent. Gleichzeitig sehen wir höhere Wiederkaufsraten und eine bessere Käuferzufriedenheit. Die konkreten Zahlen variieren je nach Händler, aber der Effekt ist deutlich sichtbar.
All unsere Lösungen sind darauf ausgerichtet, das Erlebnis nach dem Kauf genauso gut zu gestalten wie den Kauf selbst. Wir begleiten Shopper vom Checkout bis zur Zustellung und auch darüber hinaus, etwa beim Umtausch oder einer Retoure. Genau dort entsteht oft der Unterschied zwischen einer einmaligen Bestellung und einem loyalen Kunden.
Munich Startup: Warum seid ihr schneller, besser oder mutiger als etablierte Anbieter?
Anton Eder: Als wir 2015 gestartet sind, gab es kaum strategisch auf- und umgesetzte Post-Purchase-Kommunikation nach dem Online-Kauf von Händlerseite. Die Kommunikation nach dem Versand übernahmen fast ausschließlich die Paketdienstleister, oft sehr kryptisch und ohne das Potenzial für Händler auf der letzten Meile zu nutzen. Wir waren überzeugt, dass Marken diese Phase selbst gestalten sollten: persönlicher, informativer und mit echtem Mehrwert für beide Seiten.
Viele haben uns damals gesagt, das würden die Logistiker ohnehin bald selbst übernehmen und daraus könne kein eigenständiges Unternehmen entstehen. Wir haben das anders gesehen und sind drangeblieben. Heute gibt es eine ganze Reihe von Unternehmen in diesem Markt und wir sind stolz darauf, diese Kategorie maßgeblich mitgeprägt zu haben.
„Führung lässt sich nicht einfach von außen einsetzen“
Munich Startup: Welche Entscheidung war bisher die wichtigste?
Anton Eder: Eine der wichtigsten Entscheidungen war, als Gründer wieder mehr Verantwortung zu übernehmen. Wir hatten einen externen CEO eingestellt, der wiederum einige Führungskräfte aus seinem bisherigen Umfeld mitgebracht hat. Nach rund einem Jahr haben wir gemerkt, dass das für Parcellab nicht der richtige Weg war, und haben gemeinsam die Reißleine gezogen.
Mein persönliches Learning daraus ist: Führung lässt sich nicht einfach von außen einsetzen. Natürlich gibt es viele positive Gegenbeispiele, aber ich glaube heute stärker daran, Menschen aus dem eigenen Unternehmen in Verantwortung wachsen zu lassen. Sie kennen die Kultur, die Kunden und das Produkt bereits und wissen, wie sich das Tagesgeschäft anfühlt. Für uns hat sich dieser Weg als nachhaltiger erwiesen.
Munich Startup: Welche Phase hat euch am meisten Wachstumsschmerzen bereitet?
Anton Eder: Ganz klar die Zeit nach unserer großen Finanzierungsrunde. Wir wollten möglichst schnell wachsen, haben in kurzer Zeit sehr viele Menschen eingestellt und gleichzeitig versucht, alles auf einmal zu machen. Im Rückblick waren wir dafür organisatorisch einfach noch nicht bereit.
Ein weiteres Learning war unsere selbst geschaffene Kategorie „Operations Experience Management“. Wir wollten bewusst breiter auftreten als reine Post-Purchase-Lösung und haben viel Zeit und Energie investiert, um sprachlich eine eigene Kategorie zu etablieren. Irgendwann mussten wir aber akzeptieren, dass niemand nach diesem Begriff sucht und ihn kaum jemand versteht. Manchmal muss man auch den Mut haben, loszulassen.
Nachhaltig profitabel bei gesundem Wachstum
Munich Startup: Wo wollt ihr in fünf Jahren stehen und was muss bis dahin zwingend passieren?
Anton Eder: Wir sind heute bereits international in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA aktiv. In den nächsten fünf Jahren wollen wir vor allem eines: ein nachhaltig profitables Unternehmen mit gesundem Wachstum sein.
Gleichzeitig wollen wir unsere Plattform noch konsequenter AI-native weiterentwickeln. KI wird unsere Kunden dabei unterstützen, bessere Serviceerlebnisse zu schaffen und Prozesse deutlich effizienter zu machen. Dafür müssen wir weiter fokussiert bleiben und konsequent in unser Produkt investieren.
Lange Zeit galt in der Softwarebranche Wachstum um jeden Preis. Heute geht es aus meiner Sicht darum, Innovation mit einem gesunden Geschäftsmodell zu verbinden. Ich glaube, die besten Unternehmen schaffen beides. Somit gestalten wir das Unternehmen so, dass es nicht nur eigenständig profitabel wachsen kann, sondern auch für strategische Partner hochattraktiv ist. Damit sind langfristig alle Optionen für den nächsten Wachstumsschritt offen.
Munich Startup: Was funktioniert im Münchner Startup-Ökosystem besonders gut und wo wünscht ihr euch mehr Unterstützung?
Anton Eder: München hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Es gibt viele starke Gründerinnen und Gründer, gute Investoren und einen offenen Austausch. Auch wir profitieren davon, beispielsweise über unser Investorennetzwerk.
Was ich mir wünsche, ist noch mehr Vernetzung zwischen den Startups selbst. Es gibt viele spannende Unternehmen in München. Ich glaube, dass wir noch häufiger voneinander lernen und uns gegenseitig unterstützen könnten.
Parcellab wurde 2015 von Anton Eder, Tobias Buxhold und Julian Krenge gegründet. Kennengelernt hat sich das Gründerteam in einem Accelerator – eine Zusammenarbeit, die bis heute besteht. Das Unternehmen entwickelt Software für die Post-Purchase-Kommunikation und unterstützt Händler dabei, die Customer Experience nach dem Online-Kauf zu verbessern.
Co-Founder und COO Anton Eder studierte Wirtschaftsinformatik (M. Sc.) und sammelte vor der Gründung sieben Jahre Berufserfahrung. Heute ist Parcellab international tätig und betreut Kunden in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA.
Munich Startup: Internationalisieren oder erst Marktführerschaft im DACH-Raum?
Anton Eder: Wir haben uns früh für die Internationalisierung entschieden und würden diese Entscheidung wieder treffen. In unserem Markt sitzen viele relevante Händler außerhalb Deutschlands, deshalb war dieser Schritt für uns wichtig.
Marktführerschaft ist aus meiner Sicht ohnehin kein Zustand, den man irgendwann erreicht und abhakt. Sie muss jeden Tag neu verdient werden. Entscheidend ist deshalb nicht die Reihenfolge, sondern dass man in jedem Markt echten Mehrwert schafft und nachhaltig wächst.






