Am 8. September gewann Proxima Fusion den Deutschen Gründerpreis 2026. Das Münchner Startup setzte sich gegen die beiden anderen Nominierten in der Kategorie „Startup“ AdaptX Systems aus Berlin und Flybaby aus Berlin durch.
Damit gehört Proxima Fusion gut drei Jahre nach der Gründung zu den prominentesten Deeptech-Unternehmen Deutschlands. Das aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik hervorgegangene Unternehmen entwickelt Fusionskraftwerke auf Basis der Stellarator-Technologie. Aus jahrzehntelanger Grundlagenforschung soll so eine CO2-freie, grundlastfähige Energiequelle entwickelt werden.
Proxima Fusion setzt bei Kernfusion auf Stellaratoren
Der technologische Ansatz ist ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Unternehmen im internationalen Fusionsmarkt, denn Proxima konzentriert sich auf sogenannte Stellaratoren. Dabei wird extrem heißes Plasma durch komplex geformte Magnetfelder eingeschlossen.
Proxima baut dabei auf Forschungsarbeiten rund um den Stellarator Wendelstein 7-X des IPP auf. Mithilfe von Computersimulationen, neuen Engineering-Methoden und Hochtemperatur-Supraleitern will das Startup die Technologie in Richtung eines kommerziellen Kraftwerks weiterentwickeln.
411 Millionen Euro machen Proxima zum europäischen Fusion-Schwergewicht
Der Gründerpreis trifft auf eine Phase schnellen Wachstums. Im Juli 2026 gab Proxima Fusion eine Finanzierungsrunde über 411 Millionen Euro bekannt. Nach Unternehmensangaben stieg die Bewertung damit auf 2,4 Milliarden Euro. Zu den strategischen Investoren der Runde gehören unter anderem Google und der Energiekonzern RWE, angeführt wurde sie von XTX Ventures und East X Ventures.
Bereits 2025 hatte Proxima eine Series-A-Finanzierung über zunächst 130 Millionen Euro abgeschlossen. Eine Erweiterung der Runde brachte die bis dahin eingeworbenen privaten und öffentlichen Mittel im September 2025 auf insgesamt 200 Millionen Euro.
Damit ist das Münchner Startup inzwischen einer der am stärksten finanzierten europäischen Akteure im internationalen Rennen um kommerzielle Kernfusion. Nach Angaben des Unternehmens war die Finanzierungsrunde im Juli 2026 die bislang größte private Investition in ein europäisches Fusionsunternehmen.
Alpha soll in Garching den Weg zum Fusionskraftwerk ebnen
Aktuell plant Proxima den Demonstrationsstellarator Alpha in Garching. Die Anlage soll wichtige Technologien für ein späteres kommerzielles Kraftwerk validieren.
Dafür hat Proxima eine Industrieallianz mit mehr als 30 Unternehmen aufgebaut. Gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik soll unter anderem gezeigt werden, dass sich die benötigten Komponenten, Materialien und Systeme für Stellarator-Kraftwerke industriell umsetzen lassen.
Der langfristige Plan reicht noch weiter: Im Februar 2026 vereinbarten Proxima Fusion, der Freistaat Bayern, RWE und das IPP eine Zusammenarbeit für die Entwicklung eines kommerziellen Stellarator-Fusionskraftwerks. Während Alpha zunächst in Garching entstehen soll, ist für das spätere Kraftwerksprojekt Stellaris der Standort Gundremmingen vorgesehen.
Damit könnte sich rund um München und weitere Standorte in Bayern eine industrielle Wertschöpfungskette für Fusionsenergie entwickeln. Ob und wann daraus tatsächlich Strom aus einem kommerziellen Fusionskraftwerk ins Netz fließen kann, hängt allerdings von erheblichen technologischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Fortschritten ab.
Deutscher Gründerpreis: Auch DeepDrive aus Garching gewinnt
Proxima ist nicht das einzige Unternehmen aus dem Münchner Ökosystem, das beim Deutschen Gründerpreis 2026 ausgezeichnet wurde. In der Kategorie „Aufsteiger“ gewann DeepDrive aus Garching. Das Unternehmen entwickelt eine Doppelrotor-Technologie für Elektromotoren, die den Materialbedarf reduzieren und elektrische Antriebe effizienter und günstiger machen soll.
Dirk Roßmann gewann den Preis für sein Lebenswerk. Einen Sonderpreis erhielt die OHB-Unternehmerin Christa Fuchs, beim Schülerpreis setzte sich das Team „IceGreen“ aus Würselen mit einer Alternative zu konventionellem Streusalz durch.
Der Deutsche Gründerpreis wird von den Sparkassen, dem ZDF, Porsche und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung getragen und wurde in diesem Jahr bereits zum 24. Mal vergeben.










