Munich Startup
„Wir brauchen Innovation in allen Bereichen“

„Wir brauchen Innovation in allen Bereichen“

Julian Werner, Researcher für Warfare und Military Innovation

Credit: Foto: Munich Startup

Julian Werner, Researcher für Warfare und Military Innovation – Credit: Foto: Munich Startup

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Die Bundeswehr kämpft mit mangelnder Ausrüstung, politischem Druck und Finanzierungsproblemen – trotz 100 Milliarden Sondervermögen und der „Zeitenwende“ des Kanzlers. Im Interview mit Munich Startup erklären Julian Werner, Researcher für Warfare und Military Innovation, und Felix Kästner, Co-Founder von BASED, in welche Lücke Defence-Startups stoßen können.

22. Juli 2025

3 Min. Lesezeit

Lösungen zu finden, dauert bei der Bundeswehr oft viel zu lange

Bisher waren die Bundeswehr mit ihrer Planwirtschaft und innovative Startups, die sich schnell an Entwicklungen anpassen, zwei Gegensätze, die kaum miteinander vereinbar waren. Laut Julian Werner von der Bundeswehr Universität in München muss sich das schleunigst ändern:

„Wir als Soldaten leben in einer Blase. Wir sind die ganze Woche in unserer Kaserne. Und oft wissen wir gar nicht, welche technischen Lösungen es da draußen schon gibt. Für Probleme, die uns im Einsatz immer wieder begegnen. Was wir erstmal brauchen, ist der Dialog mit GründerInnen und Investoren. Und dann müssen wir schauen, welche Lösung macht unsere Soldaten sicherer oder hilft uns auch wirklich Leben zu retten.“

So wie Innovationen im Bereich Health-Tech. Eine Branche, die bei der Bundeswehr zu wenig Beachtung findet, erklärt Werner:

„Oft sind das Startups, die eine ganz spezifische Lösung, zum Beispiel für Krankenhäuser, erfunden haben. Im Dialog finden wir dann aber heraus, dass, wenn man das Produkt, kurz gesagt, grün anmalt und etwas kompakter macht, es auch in ein Feldlazarett übertragen werden kann.“

Dasselbe gilt für die komplette Logistik im Einsatz. Werner selbst war in der Wüste stationiert und dort auf wöchentliche Lebensmittellieferungen durch veraltete Dieselfahrzeuge angewiesen:

„Alles, was wir in diesem Bereich an autonomer oder autarker Versorgung finden können, macht uns das Leben leichter und sicherer.“

Startups im Resilience-Bereich haben gute Chancen

Wie Startups aus München die Sicherheits- und Verteidigungsbranche neu denken
Panel-Diskussion auf dem Munich Startup Festival

Entwicklungen, die sich Defence-Startups zunutze machen können. Felix Kästner, Mitbegründer von BASED, einer Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, sagt dazu:

„Es wird momentan viel Geld in den Markt gesteckt. Das führt dazu, dass manche Startups auch einen Usescase dazu bauen. Es gibt zwei Arten von Startups, die wir momentan sehen. Das eine sind Startups, die bisher rein zivil unterwegs waren und jetzt einen Dual-Use-Case aufmachen. Und es gibt die Startups, die quasi von Beginn an auf Pure Defence setzen. Also zum Beispiel Drohnen bauen, die wirklich für den militärischen Anwendungsfall gebaut worden sind.“

Vor allem aber liegt das Potenzial und der Bedarf der Defence-Branche laut Kästner im Resilience-Bereich (zu deutsch: Widerstandsfähigkeit):

„Es geht um den Schutz unserer demokratischen Werte und dafür braucht es technologische Souveränität. Abschreckung leider auch in gewisser Weise. Wenn man das Ganze in Richtung Resilience dreht, dann haben auch Startups einen sehr, sehr wichtigen Beitrag, den sie leisten können. Es geht hier um Bevölkerungsschutz, den Schutz der kritischen Infrastruktur bis hin zur Wehrhaftigkeit. Hier lohnt es sich zu investieren.“

Startups im Bereich Verteidigungstechnologie haben im Jahr 2024 weltweit rund drei Milliarden US-Dollar an Wagniskapital erhalten. Damit wurde der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2022 (2,6 Milliarden USD) deutlich übertroffen. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Datenplattform Crunchbase hervor. Ein Thema, über das auch auf einem Panel des Munich Startup Festivals diskutiert wurde.

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