Munich Startup: Was hat euch zur Gründung von Dais motiviert?
Eva Bodenmüller: Uns hat vor allem angetrieben, eine eigene Marke mit unseren eigenen Werten aufzubauen und diese im besten Fall in die Drogerie zu bringen. Wie hatten zuvor in unseren Karrieren Marken für die Drogerie mitwachsen lassen, aber immer für jemand anderen. Dieses Mal wollten wir es mit unseren eigenen Werten machen.
Grace Forsyth: Dazu kam ein bestimmtes Mindset: Wir sind beide Menschen, die immer alles in ihre Arbeit reinstecken und so viel Verantwortung wie möglich übernehmen wollen. Als Angestellte gibt es aber irgendwann einen Punkt, an dem das nicht mehr geht. Man kann nicht mehr Verantwortung übernehmen, als einem gegeben wird. Wir wollten aber Teil der ganzen Geschichte sein, Teil jeder Entscheidung. Genau an diesem Punkt sind wir beide in unserem alten Unternehmen angekommen, und das hat uns dazu gebracht, den nächsten Schritt für uns zu finden und der war eben, selbst zu gründen, statt einfach zur nächsten Marke zu wechseln.
Munich Startup: Was hättet ihr gerne vor eurer ersten Gründung gewusst?
Eva Bodenmüller: Am schwierigsten fand ich zu verstehen, dass man eigentlich nie am Ziel ankommt. Anfangs dachte ich, wenn wir es zum Beispiel einmal ins Sortiment von dm schaffen, dann sind wir endlich da und rundum happy. Inzwischen weiß ich: Das war nur eine Phase, ein wichtiger Meilenstein. Aber danach geht es einfach weiter. Dass in jeder neuen Phase wieder neue Zweifel auftauchen, ist völlig normal.
Grace Forsyth: Ein Stück weit haben wir geahnt, was auf uns zukommt, weil wir hautnah miterlebt haben, was die Gründer unseres alten Unternehmens durchgemacht haben. Trotzdem nimmt man vieles persönlicher, als man denkt, fast wie bei einem eigenen Kind. Wenn jemand dein Unternehmen kritisiert, wird man richtig defensiv und beschützend. Diese emotionale Bindung war uns bewusst, aber am Ende ist sie noch etwas schwerer, als man erwartet hätte.
Eva Bodenmüller: Und – es ist fast unmöglich, mal nicht daran zu denken, auch am Wochenende nicht. Das ist überhaupt nichts Schlimmes, weil es uns wirklich Spaß macht, aber komplett abzuschalten, zwei Wochen in den Urlaub zu fahren und das Unternehmen für diese Zeit loszulassen, das geht einfach nicht mehr.
Zwei Finanzierungsrunden und profitables Wachstum bei Dais
Munich Startup: Wie ist euer Unternehmen bislang finanziert?
Eva Bodenmüller: Wir haben bisher zwei Finanzierungsrunden gemacht: ganz am Anfang eine Pre-Seed-Runde, und später noch einmal Kapital aufgenommen. Fremdfinanziert sind wir daher: Wir haben einen VC an Bord sowie einige Business Angels, die teilweise selbst aus der Branche kommen und uns dadurch wirklich weiterhelfen können. Trotzdem gehört der Großteil des Unternehmens weiterhin uns drei Gründerinnen und Gründern.
Grace Forsyth: Wir arbeiten jedes Jahr profitabel beziehungsweise mindestens break-even. Wir entnehmen also nie Geld aus dem Unternehmen, sondern reinvestieren es kontinuierlich. Für das Cashflow-Management nutzen wir zusätzlich Bankkontokorrentlinien, die uns helfen, wenn wir zum Beispiel Warenbestände einkaufen müssen.
Munich Startup: Wann und wo bekommt ihr die besten Ideen?
Eva Bodenmüller: Unter der Dusche oder generell an Orten, an denen ich nichts anderes tun kann, außer zum Beispiel meine Haare zu waschen. Überall dort, wo der Kopf ein bisschen freier wird, fängt es bei mir an zu sprudeln.
Grace Forsyth: Beim Joggen, aus demselben Grund. Meine Duschen sind einfach zu kurz, da kommt keine einzige Idee in 30 Sekunden zusammen.
Munich Startup: Was sind eure 3 liebsten Arbeitstools?
Notion, Canva und Claude. Die begleiten uns im Arbeitsalltag am meisten.
Pitchen als Gründerin: Selbstbewusstsein schlägt große Ideen
Munich Startup: Euer Top-Tipp zum Thema „Pitchen“?
Grace Forsyth: Confidence. Bloody confident sein und sich selbst verkaufen. Gerade am Anfang geht es viel mehr um dich als Gründerin und erst in zweiter Linie um das Produkt. Das gilt unabhängig davon, wem du gerade pitchst – Investoren, Retailern oder wem auch immer, mit dem du gerade einen Deal machen willst: Verkauf immer auch dich selbst mit.
Eva Bodenmüller: Überleg dir außerdem, wie du zeigen kannst, dass du eine Umsetzerin bist. Große Ideen kann heute jeder haben, gerade mit KI, aber es geht darum, sie wirklich umzusetzen. Und genau das wollen Investoren mittlerweile sehen.
Munich Startup: Erscheint es euch gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?
Grace Forsyth: Es ist ein bisschen wie mit einem Kind bekommen: Es gibt eigentlich nie den perfekten Zeitpunkt zum Gründen, außer man gründet ausgerechnet mitten in einer Krise wie Corona. Wenn man ständig überlegt, ob gerade der richtige Moment ist, verzögert man eigentlich nur. Entscheidend ist nicht der Zeitpunkt, sondern wie viel Arbeit und wie viel Leidenschaft man reinsteckt. Nicht, ob es dieser Monat oder in drei Monaten ist.
Eva Bodenmüller: Und wenn du ohnehin vorhast zu gründen: Einfach machen. Wir haben es jedenfalls nie bereut.
Munich Startup: Auf welche Technologie oder Branche würdet ihr bei eurer nächsten Gründung setzen?
Eva Bodenmüller: FMCG, für immer. Es würde uns schwerfallen, von Konsumgütern wegzugehen. Dafür muss es einfach eine echte Leidenschaft sein, sonst fehlt die Verbindung, um wirklich alles reinzugeben. Technologie allein wäre für uns definitiv keine Option.
Grace Forsyth: Diese Freude, wenn man zum ersten Mal das physische Produkt in den Händen hält, können wir uns bei einer reinen Technologie oder Dienstleistung einfach nicht vorstellen.
Startup-Standort München: Mehr Austausch statt Networking-Events
Munich Startup: Was könnte aus eurer Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?
Grace Forsyth: Es gibt in München schon einige Startup-Communities, aber uns fehlt noch der lockere, informelle Austausch. Klassische Stammtische, bei denen Leute wirklich Lust haben, sich auszutauschen.
Eva Bodenmüller: In Berlin ist das viel selbstverständlicher: Als wir dort gestartet sind, hat sich unser Pitchdeck rasend schnell verbreitet, jeder hat es einfach weitergeleitet. Bei uns in München war das eher etwas komplizierter. Die Founder-Community ist zwar insgesamt schon deutlich gewachsen, aber genau dieser informelle, ungezwungene Austausch fehlt uns hier im Vergleich zu Berlin noch.
Munich Startup: Welche Gründerin oder welchen Gründer würdet ihr gerne einmal persönlich treffen? Und was würdet ihr sie oder ihn fragen?
Grace Forsyth: Emma Grede. Sie sagt immer, dass sie die kleinen Dinge outsourct, um sich auf die großen Themen zu konzentrieren, und zeigt in ihren „Day in the Life“-Vlogs, wie sie von Meeting zu Meeting geht, morgens noch trainiert und trotzdem Zeit für ihre Familie hat. Mich würde interessieren, wie sie das konkret hinbekommt, also welche Schritte sie geht, um sich die kleinen Aufgaben vom Hals zu halten. Persönliche Assistenz? Leute, die ihr zu Hause helfen? Bestimmte KI-Tools? Ich würde sie einfach ganz praktisch fragen: Was ist der erste Schritt, um so viel Workload abzugeben, dass am Ende wirklich alles zusammenpasst?
Eva Bodenmüller: Bei mir wäre das Verena Pausder. Ich habe kürzlich einen Podcast mit ihr gehört, in dem sie erklärt, wie sie ihren Alltag organisiert und finde das teilweise fast absurd effizient, auch wenn ich noch nicht alles davon nachvollziehen kann. Dabei geht es mir gar nicht um Selbstoptimierung um jeden Preis, sondern eher darum zu verstehen, wie man aus weniger Zeit mehr machen und Dinge insgesamt effizienter gestalten kann. Gerade wenn man hört, wie andere mittlerweile eigene Agents bauen, die richtig gut funktionieren, würde ich mir am liebsten jemanden wünschen, der einen an die Hand nimmt und das mal zeigt und erklärt und ich glaube, Verena wäre genau so jemand.










