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Millionenprojekt ohne Abschluss: Warum Ottobahn noch keinen Deal hat

Millionenprojekt ohne Abschluss: Warum Ottobahn noch keinen Deal hat

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Das Münchner Startup Ottobahn verfolgt eine ambitionierte Vision: autonome Gondeln, die über den Straßen fahren und Menschen sowie Güter transportieren. Das Interesse daran ist groß – national wie international. Doch trotz zahlreicher Gespräche und konkreter Projekte steht ein entscheidender Meilenstein noch aus: der erste Deal. Wir haben mit Ottobahn-Gründer Marc Schindler über das Großprojekt in unserem Videocast Pitch & People gesprochen.

28. April 2026

PITCH & PEOPLE Folge 31: Ottobahn

Das Münchner Startup Ottobahn verfolgt eine ambitionierte Vision: autonome Gondeln, die über den Straßen fahren und Menschen sowie Güter transportieren. Das Interesse daran ist groß – national wie international. Doch trotz zahlreicher Gespräche und konkreter Projekte steht ein entscheidender Meilenstein noch aus: der erste Deal. Wir haben mit Ottobahn-Gründer Marc Schindler über das Großprojekt in unserem Videocast Pitch & People gesprochen.

StartupUrban Mobility

Es ist ein schwieriger Markt, den sich Ottobahn-Gründer Marc Schindler ausgesucht hat. Das liegt vor allem an der Dimension des Projekts. Ottobahn baut kein klassisches Produkt, sondern ein komplettes Infrastruktursystem. Entsprechend komplex sind die Entscheidungsprozesse auf Kundenseite, wie Schindler im Videocast Pitch & People erklärt:

„Es sind halt große Projekte, mehrstellige Millionenprojekte. Ein langer Sales Cycle gehört dazu.“

Für das Startup bedeutet das: viel Zuspruch, aber bislang keinen Abschluss. Während Software-Startups schnell erste Kunden gewinnen können, braucht es bei Ottobahn Zeit, Vertrauen und große Investitionsentscheidungen – oft von öffentlichen Auftraggebern oder Großunternehmen.

Viel Interesse – aber zu wenig Mut

Dabei fehlt es nicht an Interesse. In Gesprächen mit Städten oder potenziellen Partnern stößt die Idee häufig auf Begeisterung. Doch genau an dem Punkt, an dem aus Vision Realität werden müsste, zögern viele.

„Da ist schon Euphorie da, da wird auch durchaus gesponnen, wie schön es denn wäre, wenn wir solche Systeme in der Stadt hätten. Aber wenn es um die Umsetzung geht und dann der erste zu sein, der so ein System aufbaut, da fehlt uns so ein bisschen der Mut.“

Gerade diese Zurückhaltung bremst den Fortschritt. Denn ohne einen ersten Kunden bleibt das System für viele eine spannende Idee – aber eben noch kein bewiesenes Modell.

„Diese Durststrecke tut weh“

Für das Team ist diese Phase belastend. Ottobahn ist technologisch weit, erste Anlagen im kleineren Maßstab existieren bereits. Und dennoch fehlt der Schritt in die Realität.

„Diese Durststrecke, wenn man so will, obwohl wir eigentlich längst anfangen könnten zu bauen, tut weh. Auch im Kopf.“

Der erste Umsatz wäre deshalb mehr als nur ein finanzieller Meilenstein. Er würde das gesamte Modell validieren.

„Der erste Umsatz wird für uns ein absoluter Game Changer. Er geht ja Hand in Hand mit dem Aufbau der ersten Anlage und zeigt neuen Kunden, dass das System wirklich funktioniert.“

Infobox

Marc Schindler ist Gründer und CEO der Ottobahn GmbH, einem Münchner Startup, das seit 2019 an einem neuen urbanen Transportsystem arbeitet. Der Wirtschaftsingenieur war zuvor mehrere Jahre in der Strategieberatung sowie in einer Management-Position bei Audi tätig, bevor er in die Startup-Welt wechselte. Mit Ottobahn treibt er die Entwicklung autonomer, elektrisch betriebener Transportkapseln voran, die oberhalb der Straßen verkehren und Städte entlasten sollen. Seine Vision: eine zusätzliche Mobilitätsebene, die Verkehr effizienter macht und gleichzeitig neue Freiräume im urbanen Raum schafft.

Klimaschonend und effizient gedacht

Neben der Vision eines neuen Verkehrssystems setzt Ottobahn auch klar auf Nachhaltigkeit. Das System ist elektrisch betrieben und verursacht während des Betriebs keine Emissionen. Gleichzeitig plant das Startup, die Infrastruktur selbst zur Energiequelle zu machen: Die Träger der Strecke sollen mit Solarpanels ausgestattet werden, um einen Großteil der benötigten Energie selbst zu erzeugen – perspektivisch sogar mehr, als für den Betrieb nötig ist.

Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Ottobahn benötigt kaum zusätzliche Fläche. Statt Straßen weiter auszubauen oder unterirdische Infrastruktur zu schaffen, verlagert das System den Verkehr in die Höhe. Die schmalen Masten versiegeln nur minimal Boden, während darunter weiterhin urbanes Leben stattfinden kann.

Rückschläge und neue Hoffnung

Dass der Weg dorthin nicht einfach ist, hat das Team bereits erlebt. In der Vergangenheit gab es immer wieder kritische Phasen. „Geld aus und keine Perspektive, neues Geld zu bekommen“, beschreibt Schindler eine dieser Situationen.

Trotzdem arbeitet Ottobahn weiter an der Umsetzung. Gespräche über konkrete Projekte laufen, auch international. Vor allem in Asien sieht Schindler eine größere Offenheit für neue Lösungen und schnellere Entscheidungen.

Am Ende entscheidet sich der Erfolg an einem Punkt: dem ersten realisierten Projekt. Erst wenn die erste Strecke gebaut ist, dürfte aus der Vision ein belastbares Geschäftsmodell werden. Bis dahin bleibt Ottobahn ein Millionenprojekt ohne Abschluss und ein Startup auf der Suche nach seinem ersten Deal.

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