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Warum wir unsere Champions verlieren! Werk1-Chef Robert Richter über Europas verpasste Chancen

Warum wir unsere Champions verlieren! Werk1-Chef Robert Richter über Europas verpasste Chancen

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Warum verliert Europa seine Tech-Champions – und weshalb könnte ausgerechnet München jetzt durchstarten? Werk1-CEO Robert Richter spricht bei Pitch & People über eine entscheidende Weichenstellung: Während Regulierung und Kartellrecht junge Unternehmen ausbremsen, wächst im Werksviertel ein neues Innovationsquartier heran, das Startups, Scaleups, InvestorInnen und Enabler enger verzahnen soll als je zuvor. Richter erklärt, wie das Werk1 zum europäischen Hub mit bis zu 300 Startups werden soll und warum München trotz globaler Unsicherheiten 2025 auf ein Rekordjahr zusteuert.

25. November 2025

PITCH & PEOPLE Folge 12: Robert Richter

Warum verliert Europa seine Tech-Champions – und weshalb könnte ausgerechnet München jetzt durchstarten? Werk1-CEO Robert Richter spricht bei Pitch & People über eine entscheidende Weichenstellung: Während Regulierung und Kartellrecht junge Unternehmen ausbremsen, wächst im Werksviertel ein neues Innovationsquartier heran, das Startups, Scaleups, InvestorInnen und Enabler enger verzahnen soll als je zuvor. Richter erklärt, wie das Werk1 zum europäischen Hub mit bis zu 300 Startups werden soll und warum München trotz globaler Unsicherheiten 2025 auf ein Rekordjahr zusteuert.

Experte

Mit dem Ausbau auf inzwischen 11.000 Quadratmeter entwickelt sich das Werk1 Schritt für Schritt zu einem umfassenden Campus für digitale GründerInnen. Robert Richter, CEO vom Werk1, beschreibt das Ziel bei Pitch & People so:

„Wir planen ein One-Stop-Shop im Werksviertel, in dem Startups, Scaleups, Investoren, Acceleratoren, Magazine und sogar städtische Services eng miteinander verzahnt arbeiten. Die Idee ist tatsächlich, dass wir ein Quartier schaffen, wo wir bis 2030 zwei- bis dreihundert Startups und Scaleups sitzen haben.“

Dafür soll nicht nur das Werk1 selbst weiter wachsen, sondern auch das Umfeld: Ein zweites MTZ speziell für Scaleups soll entstehen, weitere Enabler wie die Start2 Group oder zusätzliche Acceleratoren sollen ins Viertel ziehen. Geplant ist ein Ökosystem, in dem GründerInnen für Mentoring, Finanzierung, Sichtbarkeit oder administrative Prozesse nur wenige Schritte gehen müssen. Richter beschreibt diese Vision als großes zusammenhängendes Areal, das Effizienzgewinne hebt, Ressourcen bündelt und durch gemeinsame Event- und Meetingflächen noch stärker zusammenwächst – ein Innovationsquartier, das zu einem der vitalsten Startup-Hubs Europas werden soll.

Zu wenige Unicorns

Zu viele Regularien, zu wenig Spielraum. Im Videopodcast spricht Robert Richter auch über Europas verpasste Chancen. Ein zentraler Faktor sei dabei das strikte Kartellrecht, das Zusammenschlüsse verhindere und damit Größe unmöglich mache.

„Wir behindern uns tagtäglich selber, Champions hier zu bilden, und alles wird am Ende des Tages durchs Ausland aufgekauft“,

erklärt Richter.

Auch beim Thema Künstliche Intelligenz erkennt Richter ein systemisches Problem. Während die USA jungen Unternehmen viel Freiraum lassen, bevor reguliert wird, setzt Europa aus seiner Sicht zu früh zu enge Grenzen.

„Zum Beispiel der AI-Act, wo ich alles im Vorfeld regulieren will, und wo man dann irgendwie hofft, jetzt bildet sich das Startup, das ist einfach unrealistisch.“

Europa misstraue Innovation erst einmal und baue zu viele Regularien, bevor sich ein Unternehmen überhaupt entfalten könne.

Besonders sichtbar wird das Ergebnis dieser Politik im globalen Wettbewerb: Die USA haben „ca. 800 Unicorns in den letzten 20, 30 Jahren geschaffen“, Deutschland gerade einmal 27. Für Richter ein eindeutiges Signal, dass der Kontinent seine eigenen Wachstumschancen lähmt. Sein Appell ist daher klar: Europa brauche „starke Leitplanken, aber Räume, in denen sich Kreativität und Unternehmertum frei entwickeln können“. Nur so könne die Region im internationalen Vergleich wieder ambitionierter mitspielen und endlich eigene Tech-Giganten hervorbringen.

Für international wettbewerbsfähige Startups brauche es Flexibilität. Doch Arbeitsrecht, Meldepflichten, Transparenzregister und andere Vorgaben bremsen Teams in der sensibelsten Phase aus. Gründerteams bräuchten deshalb in bestimmten Momenten die Möglichkeit, „60, 70 Stunden auch in der Woche mal arbeiten“ zu dürfen. Nicht dauerhaft, sondern situativ und freiwillig.

Warum München trotzdem boomt

Trotz wirtschaftlicher Abkühlung, globaler Unsicherheiten und eines regulativen Umfelds, das viele Startups ausbremst, erlebt München laut Robert Richter aktuell eine bemerkenswerte Dynamik. Er spricht sogar davon, dass das Jahr 2025 ein außergewöhnlich starkes für Gründungen und Investitionen sei. Während die letzten Jahre eher verhalten waren, registriert das Werk1 nun einen spürbaren Aufschwung:

„Wir haben dieses Jahr wesentlich mehr Gründungen als in den letzten Jahren“,

so Richter.

Gleichzeitig sei der Standort München bei InvestorInnen weiterhin hoch angesehen. Die Region habe den Ruf, stabil, verlässlich und qualitätsorientiert zu sein. Ein Umfeld, in dem Risikokapital ungern verloren geht. Trotz globaler Unsicherheiten sei noch immer viel Kapital im Markt und die Zinsen seien nicht hoch genug, um InvestorInnen von Tech-Investments abzuhalten.

Hinzu kommt ein interessanter gegenläufiger Trend: Wirtschaftliche Schwächephasen führen zu mehr Gründungen. Wenn die Opportunitätskosten für hochqualifizierte Fachkräfte sinken, weil Einstiegsgehälter oder sichere Jobperspektiven weniger attraktiv sind, steigt häufig das Interesse am Gründen.

Viele Menschen, die lange mit dem Gedanken gespielt haben, ein eigenes Unternehmen zu starten, wagen diesen Schritt nun. Nicht trotz der unsicheren Lage, sondern gerade wegen ihr. Parallel wächst der politische Wille, neue Kapitalquellen zu erschließen. Richter verweist auf die Entscheidung im Landtag, dass künftig auch Stiftungen leichter in Venture Capital investieren dürfen. Ein Schritt, der nach seiner Einschätzung zusätzliches privates Kapital mobilisieren könnte.

München steht damit, trotz aller Herausforderungen, unter einem ungewöhnlich positiven Vorzeichen: mehr Gründungen, mehr Kapital und eine steigende Bereitschaft in Zukunftstechnologien zu investieren. Laut Richter könnte die Stadt 2025 sogar ein neues Rekordjahr bei Venture-Capital-Zuflüssen erreichen.

Das Zusammenspiel aus starkem Ökosystem, wachsender Gründungsbereitschaft und politischer Öffnung macht München für ihn zu einem Standort, der im europäischen Vergleich derzeit außergewöhnlich gut performt.

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