Das Irubis-Gründerteam Lorenz Sykora, Anja Müller und Alexander Geißler
© Irubis / Astrid Eckert - TUM

Irubis: „Corona zeigt, wie wichtig Innovationen im Bereich Bioprozesstechnik sind“

Irubis ist ein Münchner Biotech-Startup, das mit einem neuartigen Messsystem eine automatisierte Überwachung und Regelung von Bioreaktoren ermöglicht. Das System basiert auf Infrarotspektroskopie, also einem Analyseverfahren, das mit infraroter Strahlung arbeitet. Munich Startup hatte mit Irubis bereits 2016 gesprochen, seitdem hat sich bei dem Startup jedoch viel getan. Neu ist beispielsweise der Fokus auf Bioreaktoren, die in der Biopharmaindustrie für die Herstellung von biopharmazeutischen Medikamenten verwendet werden. Daher gibt es nun ein Update-Interview mit Anja Müller, Gründerin und COO von Irubis.

Munich Startup: Anja, unser letztes Interview ist gut vier Jahre her. Was waren Eure drei größten Meilensteine seitdem?

Anja Müller, Irubis: In den letzten vier Jahren ist einiges passiert! Ein großer Meilenstein kam durch den Wechsel in einen neuen Anwendungsbereich: Die Biopharmaindustrie. Wir haben innerhalb kürzester Zeit sehr gutes Feedback zu unserer Idee bekommen, innerhalb von sechs Wochen einen Prototypen gebaut und bei einem Biopharmakunden getestet. Ein Folgeprojekt und weitere Kundenprojekte starten in wenigen Wochen.

Wir freuen uns sehr, dass wir seit Anfang des Jahres von Business Angels unterstützt werden. Ein weiterer Erfolg ist, dass Irubis von der EU im Rahmen des EIC Accelerators 1,3 Millionen Euro erhält. Ziel des geförderten Projekts ist es, unser Messsystem für die Glukoseüberwachung von Bioreaktoren zur Marktreife zu bringen.

Munich Startup: Euer Geschäftsmodell unterlag ja Veränderungen. Wie kam es dazu und worauf fokussiert Ihr Euch aktuell?

Anja Müller, Irubis: Ja das stimmt, vor vier Jahren haben wir uns auf das Thema Blutanalyse konzentriert. Das Kundenproblem, auf das wir uns heute fokussieren, wurde aus dem Markt an uns herangetragen. Ein Experte aus dem Bereich fragte uns „Warum verwendet Ihr nicht Eure Technologie, um Bioreaktoren zu überwachen?“ Denn Biopharmazeutika werden von genetisch modifizierten Zellen in sogenannten Bioreaktoren hergestellt.

Eine große Herausforderung dabei ist es, die optimale Nährstoffkonzentration für die Zellen sicherzustellen. Deshalb werden bei den meisten Pharmakonzernen immer noch jeden Tag händisch Proben entnommen und analysiert. Dieses Problem lösen wir! Irubis ermöglicht mit einem Infrarotspektroskopiesystem in Kombination mit einer Single-Use-Durchflusszelle die kontinuierliche Überwachung und Regulierung der Nährstoffkonzentration in Bioreaktoren.

Munich Startup: Und was bedeutet die Aufnahme in den EIT Accelerator und die Finanzierung über das Horizon 2020-Programm für Euch?

Anja Müller, Irubis: Das Horizon 2020-Programm kam gerade zum richtigen Zeitpunkt und hilft uns, Irubis auf die nächste Stufe zu heben! Das Großartige an dem Programm ist der Fokus auf eine kundenahe Entwicklung. Wir wollen nicht unsere Technologie in den Markt drücken, sondern das Kundenproblem lösen.

Gibt es herausfordernde Themen bei Irubis?

Munich Startup: In unserem letzten Gespräch war eine große Herausforderung die Produktion. Was sind gerade knifflige Themen für Euch?

Anja Müller, Irubis: Ein kniffliges Thema ist aktuell die Personalakquise. Wir wollen wachsen und suchen dafür zum Beispiel neue Teammitglieder mit einem Hintergrund in Biotechnologie und einer Leidenschaft im Vertrieb sowie Softwareentwickler und Ingenieure, die unser Team in der Entwicklung ergänzen.

Munich Startup: Seid Ihr noch im ursprünglichen Gründerteam unterwegs? Wie hat sich das Team insgesamt verändert?

Anja Müller, Irubis: Na klar! Alex, Lorenz und ich arbeiten nun seit vier Jahren zusammen. Inzwischen besteht unser Team aus zwölf Personen. Bis Ende dieses Jahres wollen wir vier weitere Stellen besetzen. Auch sitzen wir nicht mehr im TUM-Inkubator, sondern haben ein Büro in der Münchner Innenstadt.

„Corona zeigt, wie wichtig Innovationen im Bereich Bioprozesstechnik sind“ 

Munich Startup: Würdest Du sagen, profitiert Euer Geschäftsmodell und somit Eure Firma von der Corona-Krise?

Anja Müller, Irubis: Mit der kontinuierlichen Überwachung und Glukoseregulierung von Bioreaktoren können Biopharmazeutika schneller und günstiger entwickelt werden und damit Patienten schneller zur Verfügung gestellt werden. Bisher sind wird noch nicht auf dem Markt, aber gerade die Corona-Krise zeigt, wie aktuell und wichtig Innovationen im Bereich Bioprozesstechnik sind! 

Munich Startup: Ihr habt in den letzten Jahren einige Accelerator durchlaufen, unterschiedliche Auszeichnungen erhalten. Wie wichtig war das für die weitere Entwicklung?

Anja Müller, Irubis: Gerade am Anfang haben uns die Acceleratoren durch die Workshops und das Netzwerk weitergeholfen. Die finanzielle Unterstützung der Acceleratoren hat uns die Zeit gegeben, den passenden Markt für unsere Idee zu finden und diese auch technisch umzusetzen.

Acceleratoren verschaffen Zeit, den passenden Markt zu finden

Munich Startup: Wo steht Ihr, wenn wir uns in fünf Jahren das nächste Mal unterhalten?

Anja Müller, Irubis: Erfolgreich auf dem Markt. Unsere Mission ist es, die Irubis-Technologie zum Goldstandard für die Glukoseüberwachung und Regulierung von Bioreaktoren zu machen!

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