Foto: Veronika Schweighart / Climedo

Women in Tech: Veronika Schweighart von Climedo

2017 gründete Veronika Schweighart zusammen mit ihren beiden Mitgründern Sascha Ritz und Dragan Mileski Climedo. Das Healthtech-Startup hat eine digitale Plattform für dezentrale klinische Studien mit Fokus auf die PatientInnen entwickelt. Ziel von Climedo ist es, Lösungen zur effizienten und datenschutzkonformen klinischen Datenerhebung zu finden. Für Schweighart ist Climedo nicht die erste Gründung, sie baute zuvor bereits Nuclino, ein Kollaborationstool für produktive Teamarbeit, mit auf. Wenn es um das Thema Gründen geht, ist unsere Interviewpartnerin Veronika Schweighart also die richtige Gesprächspartnerin.

Munich Startup: Was hat Dich zur Gründung motiviert?

Veronika Schweighart: Kennengelernt haben meine Mitgründer Dragan, Sascha und ich uns am Center for Digital Technology and Management (CDTM) in München, wo wir an verschiedenen Projekten zusammengearbeitet haben. Wir hatten alle bereits zuvor Startups gegründet und leider hatten wir im engen Familienumfeld auch negative Erfahrungen mit ineffizienten gesundheitlichen Behandlungen gemacht, die teilweise schwerwiegende Folgen hatten. Unsere Motivation war es deshalb, das Gesundheitssystem grundlegend zu verbessern und den Patienten in den Mittelpunkt zu rücken. Durch den intensiven Austausch mit verschiedenen Ärzten haben wir erkannt, dass bei klinischen Studien ein enormes Potenzial liegt, sowohl in der Forschung als auch in der Industrie. Wir haben von Anfang an Ärzten von einer Vielzahl führender deutscher Universitätskliniken direkt in unsere Produktentwicklung eingebunden; unter anderem haben wir dadurch eine tolle und renommierte Ärztin der Charité in Berlin als Medical Advisor gewonnen, die uns bis heute unterstützt.

“Build, Measure, Learn”

Munich Startup: Was hättest du gerne vor Deiner ersten Gründung gewusst?

Veronika Schweighart: Dass man Konzepte wie das stets gepredigte “Build, Measure, Learn” von Eric Ries, auf das sich zahlreiche erfolgreiche Gründer beziehen, auch wirklich durchziehen sollte.

Munich Startup: Wie ist Dein Unternehmen bislang finanziert?

Veronika Schweighart: Neben verschiedenen Gründerstipendien (EXIST, EIT Health) haben wir seit Beginn mehrere renommierte Business Angels aus der Gesundheitsbranche als Investoren an Bord. Mit ihnen haben wir 2019 unsere Pre-Seed-Runde in Höhe von 1 Millionen Euro abgeschlossen. Anfang 2022 haben wir dann eine Seed-Runde mit dem VC-Unternehmen Nauta Capital in Höhe von 5 Millionen Euro abgeschlossen. 

Munich Startup: Wann und wo bekommst Du die besten Ideen?

Veronika Schweighart: Beim Hören von Podcasts, beim Sport und bei inspirierenden Gesprächen mit Leuten aus meinem Netzwerk. 

Munich Startup: Was sind Deine 3 liebsten Arbeitstools?

Veronika Schweighart: Google Keep (Notizen), Notion (Wiki) und Hubspot (CRM).

Munich Startup: Dein Top-Tipp zum Thema “Pitchen”?

Veronika Schweighart: Habe den Anspruch bei jedem Pitch, dass zumindest eine “Message” bei deinem Gegenüber hängen bleibt. Dadurch hinterlässt auch du als Person bzw. dein Unternehmen einen bleibenden Eindruck. 

„Es ist so viel Kapital wie nie auf dem Mark“

Munich Startup: Erscheint es Dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?

Veronika Schweighart: Definitiv! Es ist so viel Kapital wie nie auf dem Markt und Unternehmertum ist so stark und gesellschaftlich anerkannt wie nie zuvor. Wenn man den frühen Ideenfindungsprozess Schritt für Schritt und konsequent durchzieht, sich früh vor möglichen Risiken und dem “Worst Case” absichert und flexibel bleibt, kann man nicht besonders viel verlieren. Im Gegenteil: Selbst wenn alle Stricke reißen, wird man immer etwas daraus gelernt haben, hat spannende neue Erkenntnisse gewonnen und nimmt die Erfahrungen in den nächsten Job mit.

Munich Startup: Auf welche Technologie oder Branche würdest Du bei Deiner nächsten Gründung setzen?

Veronika Schweighart: Weiterhin Digitalisierung im Gesundheitswesen, hier gibt es noch immens viel zu tun, um die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen nachhaltig zu verbessern. Meines Erachtens kommt es dabei auf die sinnvolle Kombination aus verschiedenen Technologien wie KI, Big Data und Blockchain an. 

Zu hohe Mieten in München

Munich Startup: Was könnte aus Deiner Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?

Veronika Schweighart: Spontan fallen mir da vor allem die hohen Mietpreise ein, die leider eine immer größere Bremse für die Anziehung von Arbeitskräften darstellen. Dank der Möglichkeit von “Remote Work” wird dieses Problem vielleicht zukünftig leicht entschärft, aber viele sehen weiterhin den Wert von der Nähe zu einem physischen Arbeitsplatz, um im direkten und persönlichen Austausch mit den Kollegen zu sein.

Munich Startup: Welchen Gründer oder welche Gründerin würdest Du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest Du sie oder ihn fragen?

Veronika Schweighart: Ich würde gerne die zahlreichen erfolgreichen Gründer aus dem CDTM-Netzwerk öfters treffen, um uns über Themen wie Marketing, Vertrieb, Personal, Leadership etc. auszutauschen. Das passiert leider aus Zeitmangel viel zu selten, obwohl es stets so wertvolle Impulse bringt.   

Regina Bruckschlögl

Nach eigenen Startup-Erfahrungen blickt sie als Redakteurin von Munich Startup nun aus einer anderen Perspektive auf die Münchner Startup-Szene – und entdeckt dabei jeden Tag, wie vielfältig das Münchner Ökosystem ist. Startup Stories, die erzählt werden wollen!

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