Katrin Bacic, Geschäftsführerin und Chief Strategy Officer von Wayra Germany
Foto: Maximilian Ostermeier / Rocka Studio

Women in Tech: Katrin Bacic von Wayra Germany

Als Geschäftsführerin und Chief Strategy Officer (CSO) von Wayra Deutschland, dem Open Innovation Lab der Telefónica, verantwortet Katrin Bacic die Strategie des Corporate Accelerators und Programme für die Zusammenarbeit mit Startups. Im Interview wollten wir von ihr wissen, welche Branchen sie gerade besonders interessant findet und was sich ändern muss, damit noch mehr Frauen gründen.

Munich Startup: Katrin, skizziere uns zu Beginn doch bitte die wichtigsten Meilensteine Deines beruflichen Werdegangs.

Katrin Bacic: Seit 2018 bin ich Geschäftsführerin und Chief Strategy Officer von Wayra Deutschland. Wir sind Teil der Open-Innovation-Initiative des Telekommunikationskonzerns Telefónica. Davor hatte ich für mehr als 13 Jahre verschiedene leitende Funktionen im Bereich Business Development und Innovation bei Telefónica in Deutschland und auch Spanien inne. Als Director Innovation bei Telefónica Deutschland war ich beispielsweise für die interne Innovationsentwicklung verantwortlich.

Neben meiner Rolle bei der Telefónica bin ich auch Speakerin, Autorin, Mitglied diverser Jurys zum Thema Diversity und Mentorin unter anderem im Stealth Mode Program der Factory Berlin und bei WAI Accelerate (Women in AI).

Munich Startup: Was genau umfasst Deine Tätigkeit bei Wayra?

Katrin Bacic: Gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern Florian Bogenschütz und Albert Graf leite ich den deutschen Sitz des Open Innovation Hub Wayra. Wir haben ein wunderschönes Office für circa 80 GründerInnen im Herzen Münchens. Als CSO bin ich verantwortlich für die strategische Ausrichtung von Wayra im deutschen Markt. Ich leite alle unsere fünf Startup-Programme – das Community-Programm für Early-Stage-Startups, das Acceleration-Programm mit dem Venture-Client-Modell für gemeinsame Projekte zwischen Startups und unserem Mutterkonzern Telefónica sowie unseren Investmentarm: Wir investieren dabei mit Tickets bis zu 350.000 Euro in Early-Stage-Startups. Daneben investiert die Telefónica mit K Fund durch den gemeinsamen Fund Leadwind auch in Deeptech-Startups in Südeuropa und Lateinamerika, um die technologische Entwicklung international zu fördern.

Munich Startup: In Deinem Linkedin-Profil schreibst Du: „I specifically support female founders.“ – Warum findest Du dieses Thema so wichtig?

Katrin Bacic: Eine höhere Diversität für die deutsche Wirtschaft ist ein Herzensthema von mir. Gerade Frauen sind im Startup-Ökosystem stark unterrepräsentiert. Die Ursachen sind vielschichtig und oft tief in unserer Kultur verankert: So sind Frauen immer noch familiär stark eingebunden, unter anderem durch strukturelle Probleme wie fehlende Kinderbetreuung. Zudem fehlt es teilweise jungen Mädchen an Selbstbewusstsein, Ideen auf eigene Faust umzusetzen. Es ist zu spät, wenn junge Frauen erst im Studium auf die Idee gebracht werden, dass sie auch gründen können. Es sollte viel früher an der Einstellung gearbeitet werden, mutig zu sein und ins kalte Wasser springen zu können. Doch dafür brauchen Mädchen und junge Frauen reale Vorbilder.

Keine ‚Bonus‘-Argumente notwendig

Ich bin aber der festen Überzeugung, dass es keine ‚Bonus‘-Argumente braucht, wenn es um Vielfalt in Teams, Vorständen oder Aufsichtsräten geht. Für Gleichberechtigung braucht es keine Argumente, Frauen müssen keinen nachweisbaren ‚Mehrwert‘ bringen, sich also stets doppelt und dreifach beweisen. Diversität muss zur Selbstverständlichkeit werden.

Munich Startup: Wie genau kannst Du Female Founders unterstützen?

Katrin Bacic: Der Zugang zu Kapital ist sicher der größte Hebel für Gründerinnen. Aktuell geht nur circa ein Prozent des Venture Capitals an Female-Led- und fünf Prozent an Mixed-Board-Startups. 93 Prozent der VCs werden aktuell von Männern geführt – auch wenn wir wissen, dass diverse Teams erfolgreicher sind.

Wie kann sich das ändern? Dazu kommt es auf verschiedene Stellschrauben an: Mentorings und Coachings speziell für Frauen sind wichtig, sowie das Schaffen von mehr Sichtbarkeit für Gründerinnen. Zudem muss auf Seite der InvestorInnen mehr Diversität gefördert werden. Aus diesem Grund bin ich Teil von Netzwerken wie zum Beispiel FIN (Female Investor Netzwerk) zur Sichtbarkeit von Investorinnen und zur Förderung von mehr weiblichen Business Angels.

Munich Startup: Seit Jahren wird das Thema, dass in Deutschland zu wenige Frauen gründen, diskutiert – entsprechende Programme werden initiiert, Netzwerke gegründet. Kannst Du erkennen, dass sich in den letzten Jahren etwas hin zum Positiven verändert hat?

Katrin Bacic: Ja, definitiv, ich sehe ganz klar eine positive Entwicklung im Startup-Ökosystem. So gibt es laut dem neuen Startup Monitor 2022 einen Anstieg der Gründerinnen von 18 auf 20 Prozent. Das ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, aber immer noch ein weiter Weg zur Parität. Aus diesem Grund unterstütze ich die Initiative #25to25 mit dem Ziel, 25 Prozent Anteil Gründerinnen im deutschen Startup-Ökosystem bis 2025 zu haben.

Mit Geschlechter-Stereotypen brechen

Munich Startup: Welche Maßnahmen können noch dazu beitragen, dass weitere Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen?

Katrin Bacic: Wichtig ist: „We have to change the rules and battle against stereotypes.“ – und das jeden Tag. Das bedeutet ganz praktisch: Frauen brauchen mehr Zugang zu Fremdkapital sowie eine vernünftige Absicherung in Elternzeit und Mutterschutz auch für Unternehmerinnen.

Zudem müssen Mädchen auch in der Kindheit und Schulzeit schon klar gemacht werden: Frauen dürfen auch ein Risiko eingehen, mutig und laut und weniger angepasst sein. Es ist wichtig, mit dem klassischen ‚Schubladendenken‘ in Geschlechter-Stereotypen aufzuhören. Erste positive Signale sind dabei immerhin bereits erkennbar: So sehe ich schon, dass es immer mehr Initiativen bei allen großen VC-Fonds gibt, um mehr in Gründerinnen zu investieren. Der Wille ist immer öfter da, Diversität zu fördern. 

Munich Startup: Zurück zum Thema Startups: Welche jungen Unternehmen haben Dich in letzter Zeit besonders begeistert?

Katrin Bacic: Besonders begeistert haben mich in der letzten Zeit :

  • Franka Emika, ein hochinnovatives Unternehmen, das Roboter für industrielle Produktion, Forschung und Entwicklung herstellt.
  • Cobrainer, eine weltweit führende KI-basierte Skill-Plattform für internes Recruiting und Talent Management.

Die Unternehmen vereint ihr innovativer, technologiebasierter Ansatz, eine smarte Führungsriege und ihre Münchner Heimat.

Munich Startup: Und welche Technologie oder Branche findest Du aktuell besonders interessant?

Katrin Bacic: Weltweit befinden sich Unternehmen im Umbruch, dementsprechend gibt es eine Vielzahl interessanter Geschäftsmodelle. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen beeinflussen alle Unternehmensprozesse, deshalb finde ich aktuell viele Robotik-Startups extrem spannend, wie beispielsweise das Münchner Robotik-Startup Franka Emika.

Connectivity ist für mich der Schlüssel für die digitale Zukunft in der Gesellschaft. Deshalb brauchen wir dringend den flächendeckenden Ausbau von 5G sowie Satellitentechnologie in Europa, um alle Menschen zu erreichen. Zudem hat das Thema Nachhaltigkeit natürlich höchste Relevanz.

„Generell ist mehr Risikobereitschaft in Deutschland gefragt“

Munich Startup: Krisen wohin man blickt – ist gerade eine gute Zeit zum Gründen? Und wenn ja, warum?

Katrin Bacic: Es ist immer eine gute Zeit zum Gründen. Klar, vieles spricht derzeit dagegen, wie die Pandemie, der Krieg zwischen Russland und der Ukraine und die Inflation. Aber „Sag Ja, wenn andere Nein sagen“. Die aktuellen Risiken bieten viele Chancen für Digitalisierung, technologischen Fortschritt, New Work etc. und fördern somit die Nachfrage für viele neue innovative Produkte und Services. Generell ist mehr Risikobereitschaft in Deutschland gefragt.

Munich Startup: Wayra ist Teil des Münchner Startup-Ökosystems, Du kennst den Gründungsstandort hier also gut. Was könnte sich Deiner Meinung nach in München noch verbessern? 

Katrin Bacic: München ist der beste Standort in Deutschland für B2B-Startups, da große multinationale Konzerne wie BMW, Siemens und Audi vor Ort sind. München ist ein wachsender Hotspot für Innovationen und Entrepreneurship, was wir mit unserem 5G-Lab natürlich noch vorantreiben möchten. Wir können uns aufgrund renommierter Hochschulen und Universitäten, einem großen und konzentrierten Unternehmensumfeld sowie einem starken Startup-Ökosystem zu Recht den Titel ‚Tech Hub‘ geben.

Eine gute IT-Infrastruktur, die Verfügbarkeit von Fördergeldern und die Nähe zu etablierten Unternehmen spielen hier ebenso eine Rolle wie Anwesenheit großer multinationaler Unternehmen. Auch als Wissenschaftsstandort glänzt unsere Landeshauptstadt: Die Region München zählt in 27 Technologiegebieten europaweit zu den führenden Standorten.

Munich Startup: Welchen Gründer oder welche Gründerin würdest Du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest Du sie oder ihn fragen?

Katrin Bacic: Da fallen mir viele inspirierende Menschen ein, die ich gerne mal treffen möchte. Zum Beispiel Gwynne Shotwell, President & COO von SpaceX, eine beeindruckende Führungskraft und Ingenieurin, um von ihr zu erfahren, in welchem Jahr der erste Mensch zum Mars fliegen wird.

Ein Glas Wein möchte ich gerne mal gemeinsam mit Verena Pausder und Lea-Sophie Cramer trinken, da ich ein großer Fan ihres Podcast ‚Fast & Curious‘ bin und die zwei einfach so viel Power haben, Motivation versprühen und so viel wichtige Themen offen ansprechen. Ich würde sie fragen, ob sie mal als Gäste in unseren Wayra-Podcast ‚Startcast‘ kommen möchten.

Regina Bruckschlögl

Nach eigenen Startup-Erfahrungen blickt sie als Redakteurin von Munich Startup nun aus einer anderen Perspektive auf die Münchner Startup-Szene – und entdeckt dabei jeden Tag, wie vielfältig das Münchner Ökosystem ist. Startup Stories, die erzählt werden wollen!

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