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Europa hat alles – nur die Umsetzung fehlt: Das fordert Celonis-Gründer Bastian Nominacher

Europa hat alles – nur die Umsetzung fehlt: Das fordert Celonis-Gründer Bastian Nominacher

Beim Munich Startup Festival Panel „Zukunft made in Europe – Innovationsstärke aus München“ diskutieren (v.l.n.r.) Kyrill Ring, Magdalena Oehl, Irene Klemm, Katja Ruhnke und Bastian Nominacher

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Beim Munich Startup Festival Panel „Zukunft made in Europe – Innovationsstärke aus München“ diskutieren (v.l.n.r.) Kyrill Ring, Magdalena Oehl, Irene Klemm, Katja Ruhnke und Bastian Nominacher – Credit: Munich Startup

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Europa verfügt über Spitzenforschung, starke Unternehmen und exzellente Talente – trotzdem entstehen hier noch zu wenige globale Technologieführer. Auf dem Munich Startup Festival diskutierten Celonis-Mitgründer Bastian Nominacher, CK Ventures-Investorin Katja Ruhnke, Edurino-Mitgründerin Irene Klemm und Unternehmerin Magdalena Oehl darüber, warum Europa sein Innovationspotenzial bislang nicht konsequent ausschöpft und welche Rolle München dabei spielen kann.

30. Juli 2026

7 Min. Lesezeit

Warum entstehen die größten Tech-Unternehmen weiterhin vor allem in den USA oder China? Für Bastian Nominacher, Mitgründer und Co-CEO des Münchner Softwareunternehmens Celonis, dessen Software Unternehmen weltweit dabei unterstützt, Geschäftsprozesse zu analysieren und zu optimieren, und das heute zu den wertvollsten privaten Softwareunternehmen Europas zählt, liegt das Problem nicht an fehlenden Ideen oder Talenten. Im Gegenteil, wie er auf dem Panel des Munich Startup Festivals 2026 „Zukunft Made in Europe – Innovationsstärke aus München“ erklärt.

„Das enorme Talent, die industrielle Basis, dieses Know-how und die vielen potenziellen Ankerkunden – wir haben sehr viele Ansätze für relevante Problemlösungen. Wenn wir das mit unserer Spitzenforschung kombinieren, können wir Unternehmen aufbauen, die auf dem Weltmarkt bestehen können.“

Der Celonis-Mitgründer sieht München dabei bereits auf einem guten Weg. Das Startup-Ökosystem entwickle sich kontinuierlich weiter. Entscheidend sei nun, diesen Erfolg zu skalieren – nicht nur für München, sondern für ganz Deutschland.

Auch Magdalena Oehl, Gründerin von Talent Rocket und langjährige Stimme des Startup Verbandes, sieht Europas größte Stärke in der Forschung. Viele Technologien warteten darauf, den Sprung aus den Laboren in erfolgreiche Unternehmen zu schaffen.

„Wir haben super viel Technologie, die eigentlich nur darauf wartet, auf die Straße gebracht zu werden – also in erfolgreiche Firmen umgewandelt zu werden. Genau das tun wir noch viel zu wenig.“

Katja Ruhnke, Managing Partner von CK Ventures und Vorstandsvorsitzende des Business Angels Deutschland eV. stimmt zu. Aus ihrer Sicht fehlt es Europa weder an exzellenten Hochschulen noch an Kapital oder erfolgreichen Unternehmen.

„Wir sitzen auf einem totalen Schatz, auf total viel Potenzial. Aber wir kriegen es nicht so richtig transformiert, so wie andere Länder das machen.“

Warum München beste Voraussetzungen mitbringt

Warum ausgerechnet München inzwischen zu den führenden Startup-Standorten Europas zählt, erklärt Nominacher mit dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Spitzenuniversitäten, internationale Unternehmen und ein zunehmend erfahrenes Gründerökosystem.

Besonders beeindruckend findet er dabei eine Zahl.

„Stanford bildet im Jahr ungefähr 1.500 Informatikabsolventen auf Weltklasse-Niveau aus, die TU München 7.000. Aus dieser Zahl kann man machen, was man will – aber sie zeigt einfach das Potenzial, das wir haben.“

Neben den Universitäten verweist er auf die hohe Dichte an Industrieunternehmen und Weltmarktführern in der Region.

„Wir haben viele Weltmarktführer in den verschiedensten Bereichen. Gerade im B2B-Bereich bietet das enorme Chancen, weil Startups direkt mit großen Unternehmen zusammenarbeiten können.“

Auch Irene Klemm, Mitgründerin von Edurino, hebt das Münchner Ökosystem hervor. Nach der Gründung von Edurino während der Corona-Pandemie bezog das Startup sein erstes Büro im Werk1.

„Ich hatte schon das Gefühl, dass gerade diese Münchner Aufbruchsstimmung sehr stark zu spüren war. Das Netzwerk ist sehr eng und eigentlich findet man immer jemanden, der die Tür öffnen kann, die man gerade braucht.“

Für Ruhnke ist der Erfolg Münchens ebenfalls kein Zufall. Entscheidend seien die langfristige Strategie des Freistaats, starke Institutionen wie UnternehmerTUM und Bayern Kapital sowie ein professionelles Investorennetzwerk.

Erfolgreiche Scaleups schaffen die GründerInnen von morgen

Ein funktionierendes Startup-Ökosystem lebt nicht nur von neuen Gründungen, sondern auch von erfolgreichen Scaleups. Sie schaffen erfahrene Talente, die später selbst Unternehmen gründen.

Genau das beobachtet Nominacher bei Celonis:

„Es sind mittlerweile über 20 Startups aus Celonis entstanden. Natürlich bin ich immer traurig, wenn jemand das Unternehmen verlässt. Aber wenn jemand gründet oder zu einem Kunden geht, dann ist das eine gute Entwicklung.“

Mit jedem erfolgreichen Unternehmen wachse das Wissen innerhalb des gesamten Ökosystems.

„Vor 15 Jahren, als wir gestartet sind, war komplett unklar, wie man ein internationales Softwareunternehmen aufbaut. Heute gibt es etablierte Standards und Templates, die Gründer direkt nutzen können.“

Staat als erster Kunde statt größter Bremser

Neben dem Ausbau des Startup-Ökosystems sieht Nominacher vor allem einen Hebel, den Europa bislang kaum nutzt: den Staat als ersten Kunden innovativer Unternehmen.

„Der Staat als Ankerkunde ist ein Potenzial, das wir viel stärker nutzen müssen. In den USA waren bei vielen Tech-Unternehmen die ersten Kunden der amerikanische Staat. Das wurde sehr strategisch eingesetzt, um Technologien zu entwickeln und voranzubringen.“

Gerade in Bereichen wie Raumfahrt oder Zukunftstechnologien könne Deutschland deutlich mutiger agieren.

„Das Geld wird ohnehin ausgegeben. Es ist unser Steuergeld. Dann sollte es auch dazu genutzt werden, innovative Unternehmen aufzubauen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Lösungen zu entwickeln.“

Aus seiner Sicht gebe es zwei entscheidende Hebel:

„Man kann viel über Bürokratie sprechen. Aber wenn man eine gute Idee hat, bekommt man sie trotzdem umgesetzt. Entscheidend ist, dass man Kunden und Kapital hat.“

Bürokratie kostet Europa Geschwindigkeit

Ganz anders setzt Katja Ruhnke ihren Schwerpunkt. Für sie ist Bürokratie einer der größten Wettbewerbsnachteile Europas.

„Zeit ist unser Endgegner. Die Asiaten und auch Amerika sind in vielen Dingen deutlich schneller.“

Wie langsam Prozesse selbst heute noch ablaufen, schildert sie anhand eines eigenen Beispiels.

„Wir haben im April eine Firma gegründet und haben immer noch keine Steuernummer. Handelsregistereintrag und Kontoeröffnung haben zwölf Wochen gedauert. Das ist einfach zu lang.“

Große Hoffnungen setzt sie auf die geplante Eu Inc., die Unternehmensgründungen europaweit vereinfachen soll.

„Wir brauchen dringend einen gemeinsamen europäischen Standard für Startups. Sonst verlieren wir weiter Geschwindigkeit.“

Auch Magdalena Oehl fordert bessere Rahmenbedingungen. Zwar seien im ersten Halbjahr 2026 so viele Startups gegründet worden wie noch nie zuvor. Damit dieser Trend anhält, müsse Deutschland jedoch Bürokratie abbauen und Gründungen beschleunigen.

„Wir verbringen immer noch zu viel Zeit mit administrativen Themen, anstatt Ideen weiterzuentwickeln und erste Kunden zu gewinnen.“

Mehr Kapital für die Frühphase

Neben schnelleren Gründungen fordert Ruhnke vor allem stärkere Anreize für Business Angels.

„74 Prozent der ersten Investoren in Startups sind Business Angels.“

Frühphaseninvestitionen seien besonders risikoreich und gleichzeitig enorm wichtig für die Entwicklung neuer Unternehmen.

„Business Angel sein bedeutet nicht, Geld zu überweisen und nach einem halben Jahr nachzufragen. Man arbeitet intensiv mit den Gründerinnen und Gründern zusammen.“

Als Vorbild nennt sie Großbritannien, wo steuerliche Anreize das Investitionsvolumen in junge Startups deutlich erhöht hätten.

Europas Zukunft beginnt früher als gedacht

Während Politik und Finanzierung häufig im Mittelpunkt der Debatte stehen, lenkte Irene Klemm den Blick auf einen anderen Aspekt: Bildung.

„Der Wettbewerb beginnt eigentlich schon in der frühkindlichen Bildung.“

Mit Edurino setzt sie deshalb bereits bei Kindern ab zweieinhalb beziehungsweise drei Jahren an.

„Problemlösefähigkeit, Resilienz, Kreativität und soziale Kompetenzen sind die Fähigkeiten, die Kinder für alles vorbereiten, was in Zukunft kommt.“

Gleichzeitig müsse sich auch das Bildungssystem verändern.

„Die besten Lehrkräfte geben heute Aufgaben, die KI integrieren und kritisch hinterfragen. Genau diese Fähigkeiten werden künftig entscheidend sein.“

Europas Chancen sind größer als oft angenommen

Trotz unterschiedlicher Perspektiven herrschte auf dem Panel, moderiert von Kyrill Ring, Einigkeit in einem Punkt: Europa mangelt es nicht an Ideen, Talenten oder Forschung. Vielmehr geht es darum, vorhandene Stärken konsequenter in erfolgreiche Unternehmen zu übersetzen.

Für Bastian Nominacher ist der Weg klar.

„Wir haben super Ideen, wir haben die richtigen Kunden. Jetzt müssen wir sie endlich auf die Straße bringen.“

Gerade München könne dabei eine Vorreiterrolle übernehmen. Mit seinen Universitäten, erfolgreichen Scaleups, InvestorInnen und internationalen Unternehmen bringe der Standort bereits heute viele Voraussetzungen mit, um die nächste Generation europäischer Technologieführer hervorzubringen.

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