Terraplasma Medical: „So wertvoll ist ein Gründerzentrum“

Terraplasma Medical wurde im März 2016 gegründet. Dass es überhaupt zu dieser Gründung kam, ist dem Technologiezentrum gate zu verdanken, wo sich die beiden Unternehmer Julia Zimmermann und Jens Kirsch auf einer Veranstaltung kennenlernten.

Sowohl Julia Zimmermann als auch Jens Kirsch sind bereits erfahrene Gründer und Unternehmer, beide haben ihren Firmensitz im gate. Die promovierte Physikerin und habilitierte Medizinerin Julia Zimmermann ist Geschäftsführerin der 2011 entstandenen Terraplasma GmbH, einem Spin-off des Max-Planck-Instituts, das mit kaltem Plasma Bakterien, Viren oder Pilze inaktiv und unschädlich macht. Die 2014 gegründete dynamify GmbH entwickelt unter der Leitung des Technomathematikers Jens Kirsch Medizinprodukte.

Die zwei Unternehmer verstanden sich gut, und stellten fest: Die beiden bestehenden Geschäftsideen könnten sie gut zusammenbringen. Jens Kirsch meint:

„An dieser Stelle hat sich gezeigt, wie wertvoll ein Gründerzentrum ist, insbesondere wenn unterschiedliche Kompetenzen wie bei uns gewinnbringend zusammengebracht werden können.“

Er ergänzt:

„Am Anfang stand die Idee, gemeinsam ein spannendes Produkt zu entwickeln und in den Markt zu bringen.“

Auf der Suche nach der richtigen Finanzierung wurde jedoch schnell klar, dass dafür klare Strukturen nötig sind. Daraus entstand das Startup Terraplasma Medical, gegründet durch die Terraplasma GmbH und Dynamify GmbH, bei dem die Gründer und Geschäftsführer ihre Fähigkeiten kombinieren.

Wundbehandlung mit kaltem Plasma

Im Fokus des neuen Unternehmens steht die Entwicklung eines Medizinprodukts zur Behandlung von chronischen und akuten Wunden mittels kaltem atmosphärischem Plasma. Das Medizingerät ‚plasma care‘ ist speziell auf die Bedürfnisse von Ärzten, Pflegepersonal und Patienten abgestimmt — es ist klein, handlich, batteriebetrieben bei zugleich großer Behandlungsfläche.

Das ‚plasma care‘ inaktiviert dabei Bakterien, selbst multiresistente Keime, effektiv und sicher ohne Nebenwirkungen. Langfristig soll die spannende und zukunftsträchtige Kaltplasma-Technologie noch in weiteren medizinischen Anwendungsfeldern eingesetzt werden.

Der weltweite Markt für die Wundbehandlung hat ein Volumen von über neun Milliarden US-Dollar. In Deutschland allein leiden mehr als vier Millionen Patienten an chronischen Wunden, die oft über Monate und Jahre hinweg nicht heilen.  Häufig sind Bakterien eine Ursache für den schlechten Heilungsprozess — hier setzt terraplasma medical an und geht auf Wundzentren, Kliniken, Ärzte und Pflegeeinrichtungen zu.

Fördermittel und Forschungsgelder

Im ersten Jahr nach der Gründung kann das Jungunternehmen bereits einiges vorweisen. Das hat unterschiedliche Gründe. So konnten die Gründer auf Ressourcen der beiden Muttergesellschaften zurückgreifen. Zusätzlich unterstützt wurde die Terraplasma Medical durch öffentliche Fördermittel und Forschungsgelder. Beispielsweise wurde das Startup im Sommer 2016 in den Inkubator der ESA BIC Bavaria aufgenommen. Dadurch ergaben sich neben der finanziellen Unterstützung Möglichkeiten, das Medizinprodukt weiter voranzutreiben.

Beim Vorantreiben der Geschäftsidee profitieren die beiden Geschäftsführer außerdem durch ihre  früheren Gründungen.

„Ein großer Vorteil aus den zuvor erfolgten Gründungen ist natürlich das Netzwerk gewesen, das wir uns schon aufgebaut hatten. Insbesondere in Hinblick auf die Finanzierung,“

bestätigt Kirsch.

Meilenstein Finanzierung

Der erste große Meilenstein wurde entsprechend mit dem  Abschluss der Finanzierungsrunde im vergangenen März erreicht. Mehrere branchenerfahrene Privatinvestoren stellten dem Unternehmen gemeinsam einen mittleren siebenstelligen Betrag zur Verfügung.

„Wichtig dabei war es uns, erfahrene Investoren für uns zu gewinnen, die eine langfristige Finanzierung anstreben, um  eine effektive operative Firmenführung sicherzustellen,“

ergänzt Kirsch.

„Nun konnten wir mit vollem Fokus auf der Entwicklung schon den ersten Meilenstein für die Entwicklung des Medizinprodukts erreichen.“

Hindernisse gibt es immer wieder, Herausforderungen auch

Allerdings sind durch das Inkrafttreten der neuen Medical Device Regulation, einem neuen EU-weiten Medizinproduktegesetz, die Anforderungen für die Zulassung eines Medizinproduktes nochmal deutlich verschärft worden. Das erschwert es gerade Startups und KMUs,  die Kriterien zu erfüllen und die Zulassung zu erhalten. Durch die kurze Übergangsfrist sind viele Detailfragen noch nicht geklärt und die zulassenden benannten Stellen haben extreme Kapazitätsprobleme.

Und es gibt natürlich auch weitere Herausforderungen. Auf die Frage nach Fehlern, die sie auf keinen Fall wiederholen wollen, antwortet Kirsch:

„In der komplexen Konstellation zwischen zwei Unternehmen als Gründern, einer Investorengruppe und einer öffentlichen Institution zu viel Spielraum bei der Vertragsgestaltung zu geben.“

Die Ausgangsposition, aus zwei bestehenden Unternehmen heraus zu gründen, ist an sich jedoch positiv:

„Natürlich ist die Arbeitsbelastung für uns schon sehr hoch. Allerdings ergeben sich auch oft Synergien, die wir nutzen können, sei es in der Entwicklung oder im Marketing.“

terraplasma medical GmbH Teamfoto
Das Terraplasma Medical Team.

Auch haben die Gründer durch ihre anderen beiden Firmen gelernt, was für eine nachhaltige und erfolgreiche Unternehmensentwicklung ausschlaggebend sein kann. Für Kirsch sind es folgende Punkte:

„Eine klare Strategie und die notwendige Flexibilität, um auf Probleme und Hindernisse schnell reagieren zu können.“

Und natürlich hilft es nichts, bei Problemen den Kopf in den Sand zu stecken — auch das haben die beiden Jungunternehmer gelernt. Daher lautet Jens Kirschs Rat an andere Gründer:

„Auch in sehr verfahren aussehenden Situationen nicht aufgeben, sondern eine Lösung suchen!“

Helen Duran

Als Redakteurin ist die Wirtschaftsgeografin Helen Duran seit April 2015 für Euch in der hiesigen Gründerszene unterwegs. Sie ist neugierig auf Eure spannenden Startup-Geschichten!

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