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Target Partners: Ohne Team-Geist kein Investment

Target Partners: Ohne Team-Geist kein Investment

Helen Duran

Helen Duran

Als Redakteurin war Helen Duran bis 2026 in der Münchner Startup-Szene für Munich Startup unterwegs.

29. Dezember 2019

5 Min. Lesezeit

Der Münchner Investor Target Partners wird dieses Jahr 20. Höchste Zeit für Munich Startup, ein Interview mit dem Wagniskapitalgeber zu führen. Mit 300 Millionen Euro Fondsvolumen hat die Firma unter anderem in Münchner Startups wie IoT-Startup Tado, das Supraleiter-Unternehmen Theva oder die Indoor-Digitalisierer Navvis investiert. Der VC-Geber betrachtet sich als Partner auf Augenhöhe und hält nicht viel von kurzfristigen Spekulationen. Kurt Müller, einer der Partner, in unserem „Nachgefragt bei“-Interview.

Stellt Euch bitte kurz vor!

Target Partners ist ein auf Tech fokussierter Frühphasen-B2B-Investor aus München mit 300 Millionen Euro Kapital unter Management. Wir sind seit bald 20 Jahren als Team aktiv und selbst langjährig erfolgreiche Unternehmer, Technologen, Manager und Investoren aus Europa und den USA, die Unternehmen gegründet oder geführt, Technologieprodukte entwickelt oder verkauft haben.

Lieblingsbranchen: Software, Cloud, Optoelektronik und IoT

In was investiert Ihr bevorzugt?

Wir fokussieren uns auf Tech-Märkte, die bereit sind für Innovationen und radikale Veränderungen. Das sind üblicherweise Firmen in stark wachsenden Technologie-Sektoren wie Enterprise Software, Cloud-Infrastruktur-Technologien, Optoelektronik oder Internet of Things. Wir investieren vorwiegend in junge Technologieunternehmen aus dem deutschsprachigen Raum in der Frühphase und unterstützten die Gründer in den verschiedenen Phasen des Lebenszyklus.

Scoutet Ihr selbst nach vielversprechenden Firmen oder habt Ihr Berater dafür?

Target Partners Kurt Müller
Unser Interviewgeber Kurt Müller hat Target Partners 1999 mit gegründet.

Unser Dealflow hat eine passive und eine aktive Seite. Im Schnitt erhalten wir 120 Anfragen pro Monat — das ist der passive Teil. Die ergiebigste Quelle für neue Deals ist unser eigenes Netzwerk, das wir über Jahrzehnte hinweg gepflegt und aufgebaut haben. Es besteht aus persönlichen Kontakten zu erfolgreichen Unternehmern und CTOs, ebenso wie Business Angels, anderen VCs und Co-Investoren. Sie bringen oft die erfolgreichen Intros, denn sie wissen in der Regel, was zu uns passt.

Wir suchen aber auch aktiv nach neuen Deals. Dafür nutzen wir Outbound Marketing, oder gehen auf Entwickler-Konferenzen, Meetups und Workshops. Außerdem behalten wir immer die für uns interessanten Branchen im Blick.

Helfen Startups dabei, Fehler zu vermeiden

Müssen Startups bei Euch Angst haben, dass Ihr Euch zu stark einmischt?

Nein. Wir sehen uns als Partner und wollen Gründer bei der Entwicklung ihrer Firma unterstützen, etwa was die Strategie angeht, beim Fundraising oder bei der internationalen Expansion. Unsere Erfahrung kommt den Startups zu Gute, da wir ihnen helfen, Fehler zu vermeiden und ein großes Netzwerk mitbringen. Wir wissen aber auch, dass jeder Unternehmer seine eigenen Entscheidungen treffen und eigene Erfahrungen machen muss — deshalb sind wir nie operativ tätig.

In welcher Phase gehen Startups idealerweise auf Euch zu?

Target Partners investiert in der Frühphase, initial geben wir zwischen 0,5 bis 3 Millionen Euro. Normalerweise sind wir der erste institutionelle Investor und beraten die Gründer von Anfang an. In der Regel sind wir drei bis zehn Jahre an einem Unternehmen beteiligt. Von kurzfristigen Spekulationen oder Hektik in schwierigen Zeiten halten wir wenig. Wir wollen unsere Beteiligung erst dann verkaufen, wenn das Unternehmen ein großer Erfolg ist!

Target Partners als erster institutioneller Investor

Um erfolgreich zu sein, muss ein Startup…

… ein herausragendes Team haben. Wir investieren in Menschen. Je ausgereifter die Idee und umso konkreter das Produkt, desto besser. Aber im Frühstadium sind Geschäftsideen nur so gut wie die Mitglieder im Gründerteam, die sie umsetzen. Dabei ist immer gut, wenn die Mitglieder des Teams aus unterschiedlichen Bereichen kommen — sich ergänzende Interessen und Skill-Sets bringen einige Vorteile.

Nenne uns das K.o.-Kriterium beim Pitch!

Entscheidend ist für uns, dass alle Team-Mitglieder beim Pitch zu Wort kommen — 95 Prozent Gesprächsanteil des CEOs hören wir nicht gerne. Da wir in das Team investieren, wollen wir alle Gründer kennen lernen. Ohne Team-Geist kommt es selten zum Investment.

„Wir geben nicht so leicht auf“

Bei was habt Ihr Euch schon mal ordentlich verkalkuliert?

Target Partners Büro
Im Büro von Target Partners.

Oh ja, über die letzten 20 Jahren mussten wir oft der Realität ins Auge blicken. Es gibt Fälle, in denen der Markt sich nicht wie erwartet entwickelt oder der Wettbewerb stärker ist.

Doch wir geben nicht so leicht auf. Und viele Gründer merken selbst, wenn es nicht so läuft, wie geplant. Dann kommt ein Vorschlag zur Änderung des Geschäftsmodells auch meistens von ihnen. Solche „Pivots“ haben wir schon bei mehreren unserer Startups erfolgreich begleitet. Das passiert und ist nicht immer Grund zur Sorge.

Der Trend des Jahres ist…

… Deep Learning! Also das massiv parallelisierte Machine Learning, was zu dem aktuellen Boom von Künstlicher Intelligenz geführt hat.

Last but not least: Auf wen gehen Startups zu, wenn sie mit Euch ins Gespräch kommen wollen?

Auf uns direkt, im Bestfall sogar über eine Empfehlung aus unserem Netzwerk. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, sich näher kennen zu lernen.

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