Foto: Ampeers Energy

Ampeers Energy: „Der Energiemarkt arbeitet nicht besonders effizient“

Ampeers Energy bietet eine Lösung für dezentral erzeugte Energie. Das Fraunhofer-Spin-off will so dazu beitragen, die Energiewende erfolgreich voranzubringen. Wir haben den Gründern unsere 7 Fragen gestellt.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch bitte kurz vor!

Ampeers Energy: Hi, wir sind Karsten Schmidt, Gerrit Ellerwald und Tobias Müller von Ampeers Energy. Wir haben uns entschieden, Ampeers Energy zu gründen, weil wir gar nicht anders konnten. Auf dem Markt gab es unsere Idee von einer vollumfänglichen Softwarelösung, die dezentrale Geschäftsmodelle profitabel und einfach macht, nämlich noch nicht. Somit war das eine Chance, die wir ergreifen mussten.

Karsten und Gerrit kannten sich noch von ihrer gemeinsamen Zeit bei Eon, die damals von kurzer Dauer war, da Gerrit Eon bald verließ, um seine eigene Firma „Grünspar“ zu gründen. Als er dort seinen erfolgreichen Exit hatte und wieder verfügbar war, hat Karsten bei Fraunhofer bereits angefangen, das Thema einer Neugründung und der Ausgliederung von Fraunhofer zu identifizieren. Da man sich kannte und sehr gut verstand, war schnell klar, dass eine Zusammenarbeit hier funktioniert.

Im Zuge der Ausarbeitung der Neugründung, während der Marktanalyse und der Strukturierung des Themas, wurde dann Tobias mit an Bord geholt. Tobias brachte wertvolle Expertise aus dem Bereich Mieterstrom aus seiner Zeit bei Polarstern und zu dritt haben wir uns als Team extrem schnell, extrem gut verstanden. Menschlich waren wir auf einer Wellenlänge und stimmten auch inhaltlich mit unseren Ansichten auf die Herausforderungen und Möglichkeiten der Energiewende überein. So kam es, dass wir 2019 zu dritt Ampeers Energy gestartet haben.

Munich Startup: Welches Problem löst Euer Startup?

Ampeers Energy: Salopp gesagt wollen wir dezentrale Geschäftsmodelle einfach und profitabel machen und somit die Energiewende vorantreiben. Als Software-Startup bieten wir cloudbasierte Applikationen für das Management von Energie- und Datenflüssen im Quartier an. Das klingt zunächst kompliziert, ist es aber gar nicht. Im Gegenteil: Unsere drei Produkte sind so konzipiert, dass sie den komplexen Sachverhalt „Energiemanagement“ vereinfachen, Prozesse optimieren und automatisieren und dabei bares Geld sparen.

So gibt es neben dem AE District Manager, welcher eine vollumfängliche Lösung des cross-sektoralen Energiemanagements im Quartier darstellt, noch den AE Local Supplier. Diese vollautomatisierte und integrierte Mieterstromsoftware übernimmt die administrative Seite von Mieterstromprojekten. Darüber hinaus existiert der AE Fleet Optimizer. Durch die Zusammenführung aller relevanten Daten übernimmt die intelligente Software die Steuerung des Last- und Lademanagements von E-Fahrzeugflotten.

Grundlage dieser SaaS-Lösungen ist eine äußerst leistungsfähige Fraunhofer-Software, die durch den Einsatz von selbstlernenden Technologien in der Lage ist, alle dezentralen Prozesse rund um Erzeugung und Verbrauch miteinander zu verbinden, zu optimieren und zielgerichtet zu steuern.

„Fraunhofer-Spin-off zu sein, war sowohl Segen als auch Fluch“

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Ampeers Energy: Es stimmt, dass das Thema der Energiewende nicht neu ist. Aber viele dezentrale Energieerzeuger und technische Komponenten arbeiten bislang relativ wenig aufeinander abgestimmt. Die Folge ist, dass Energie weder optimal erzeugt, noch verbreitet, noch zum bestmöglichen Preis verkauft werden kann.

Aufgrund von Redundanzen, Blockaden und unnötiger Parallelprozesse arbeitet der Energiemarkt von heute nicht besonders effizient. Hier setzt unsere intelligente Cloud-Computing-Plattform an, denn wir liefern nicht nur Teillösungen, sondern betrachten dezentrale Geschäftsmodelle ganzheitlich: Wir vernetzen alle dezentralen Akteure und technischen Komponenten in einem einzigen System und ermöglichen so Erzeugern wie Verbrauchern eine möglichst perfekte Abstimmung aufeinander. Energieüberhänge werden reduziert, steigender Bedarf kann antizipiert und abgefedert werden und jede Komponente arbeitet optimal im Rahmen eines übergreifenden Gesamtsystems. Mit künstlicher Intelligenz und Datenanalyse können wir unseren Kunden auch genaue Prognosen über zukünftige Entwicklungen bereitstellen und ihnen so eine perfekte Aussteuerung ihres eigenen Geschäfts ermöglichen.

Bei uns bekommt man die komplette softwareseitige Unterstützung zur einstelligen Umsetzung eines gesamt dezentralen Geschäftsmodells. Und diese ist wiederum so benutzerfreundlich, dass wir uns dank dieser einfachen intuitiven Usability vom Wettbewerb klar differenzieren.

Munich Startup: Was waren bisher Eure drei größten Herausforderungen?

Ampeers Energy: Als größte Herausforderung könnte man die Ausgliederung von Fraunhofer bezeichnen. Die Tatsache, dass wir ein Fraunhofer-Spin-off sind, war zu Beginn sowohl Segen als auch Fluch. Wir betonen ganz klar „Segen“ an erster Stelle, denn natürlich ist Fraunhofer eine starke Marke und wir können auf ein technologisches Back-End zurückgreifen, das schon weit gereift ist. Das ist ein Vorteil, wie ihn neben uns wohl kaum ein anderes Startup am Markt besitzt.

Gleichzeitig ist Fraunhofer aber auch eine öffentliche Einrichtung und dementsprechend sind all die juristischen Belange, Aktivitäten und Formalitäten, die mit einem solchen Ausgliederungsprozess verbunden sind, langwierig und teilweise zäh. Dieser Ausgliederungsprozess von Fraunhofer, der absolut professionell und super verlief, ist trotzdem letzten Endes ein formaler Prozess, in welchem Kooperationsrahmen und Lizenzverträge rechtlich fixiert und beschlossen werden mussten. Doch heute profitieren wir langfristig von unserer Kooperation mit Fraunhofer und können so kontinuierlich weitere Innovationen direkt in unsere SaaS-Lösungen integrieren. Das ist ein gewichtiges Faustpfand für uns.

Auch die Gestaltung der Finanzierung kann man als herausfordernd bezeichnen. Wir waren von unserer Software überzeugt. Wir wussten aber gleichzeitig, dass wir zur Verfügungstellung unseres Systems ein verhältnismäßig großes Team von inzwischen schon 15 Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen benötigen würden. Die Herausforderung hierbei war, das dafür notwendige Kapital in sehr kurzer Zeit zu besorgen. Drei Monate nach Gründung haben wir in einer klassischen Seed-Finanzierung Investoren von unserer Vision und unserer Leistungsfähigkeit als Team überzeugt. Eigentlich undenkbar, da wir in einer so frühen Phase noch keinen Proof of Market vorweisen konnten, doch auch hier half die Tatsache, dass Fraunhofer hinter uns stand! Uns war klar, dass wir das Unternehmen nicht ein ¾ Jahr behutsam aufbauen können — mit diesem Setting und der Technologie konnten wir nur voll durchstarten.

Unsere dritte große Aufgabe war die Rekrutierung und der Aufbau unseres Teams. Wir mussten in relativ kurzer Zeit ein funktionierendes und für ein Startup verhältnismäßig großes Team aus Energiewirtschaftsexperten und Softwareentwicklern auf die Beine stellen. Um ambitionierte und kompetente MitarbeiterInnen für uns zu gewinnen, haben wir keine klassischen Stellenanzeigen geschaltet, sondern haben ausschließlich mit unseren bestehenden Netzwerken gearbeitet. Bei früheren Weggefährten und deren Kontakten konnten wir sicher sein, dass die Fähigkeiten und das Mindset zur Umsetzung der AE-Idee passen.

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Ampeers Energy: Unser kurzfristiges Ziel ist es, das Unternehmen vollumfänglich auf- und ausgebaut zu haben. Wo jetzt momentan noch eine „Hands-on-Mentalität“ herrscht, wollen wir die interne Zusammenarbeit, die Infrastruktur und die internen Abläufe professionalisieren. Da merkt man einfach, dass wir noch ein sehr junges Unternehmen sind. Doch wenn diese Prozesse abgeschlossen sind, können wir noch effizienter dem Kerngeschäft nachgehen.

Auf lange Sicht ist es unser Ziel, dass wir als erster Ansprechpartner und Innovationsführer, quasi als Synonym für das Möglichmachen dezentraler Energiekonzepte mit SaaS-Lösung gelten. Wir sind davon überzeugt, dass die dezentrale Energiewende durch die erfolgreiche Einbringung neuer Akteure und Mobilisierung bestehender Player umgesetzt wird. Wir wollen dabei einen substantiellen Beitrag leisten, indem wir dezentrale Geschäftsmodelle nicht nur nachhaltig, sondern auch einfach und profitabel machen. Somit eliminieren wir auch die letzten Gründe, die dagegensprechen.

Wenn wir in die Zukunft blicken, dann stellen wir uns vor, dass wir es vielen Unternehmen ermöglicht haben, eine Rolle in der Energiewende zu spielen, dass Wohnungsbauunternehmen ihre Dächer mit PV-Anlagen ausgestattet haben, Flotten auf Elektromobilität umgestellt haben und dass Energieversorger im dezentralen Energiegeschäft Fuß gefasst haben.

Ampeers Energy: „Fans des kalkulierten Risikos“

Munich Startup: Wie schätzt Ihr den Startup-Standort München ein?

Ampeers Energy: Grundsätzlich ist München ein super Standort, der in vielen Aspekten im gleichen Atemzug mit Städten wie Berlin und Hamburg genannt werden kann. Hier hat man eine gute Vernetzung, viele andere Startups aus der Branche, sodass viele am selben Thema arbeiten und es gemeinsam vorantreiben. Positiv ist auch die Unterstützung, die man von den verschiedensten Seiten bekommt. Aber es gibt auch einige Punkte, in denen sich München nicht ganz mit Standorten wie Berlin messen kann. Wir hatten Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Talenten und generell ist die gesamte Kostenstruktur in München eine andere Gewichtsklasse als beispielsweise in Berlin. Doch letztendlich fühlen wir uns sehr wohl im Standort München.

Munich Startup: Risiko oder Sicherheit?

Ampeers Energy: Unser erster Impuls heißt ganz klar: Risiko!

Ehrlicherweise muss aber auch gesagt sein, dass wir bei unserer Gründung ja nicht absolute Greenhorns waren, die einfach mal ein Unternehmen gründen wollten. Wir hatten einerseits die geballte fachliche Expertise und auch schon unternehmerische Erfahrung, da Gerrit ja schon erfolgreich gegründet hatte.

Insofern würden wir uns als Fans des kalkulierten Risikos bezeichnen. Wenn man weiß, was man tut und seine Hausaufgaben gemacht hat, dann kann man nur zum unternehmerischen Risiko raten.

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