Industrie 4.0: Wie Münchner Startups die Industrie digitalisieren

Das Versprechen, uns dem Thema Industrie 4.0 zu widmen, lösen wir in der 16. Folge unseres Podcasts ein. Wir stellen sechs Startups vor, die sich auf verschiedene Arten der Digitalisierung der Industrie verschrieben haben. Und im zweiten Teil widmen wir uns dem Startup Egym, das kürzlich 28 Millionen Euro einsammeln konnte, und dem Lead-Investor dieser Series-E, Nokia Growth Partners.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

Inhalt laden

Ihr findet die Folge zu Industrie 4.0 und auch alle andere Episoden unseres Podcasts auf SpotifyiTunesDeezerGoogle PodcastsPocket CastsRadio PublicBreakerOvercastCastboxPodcast Addict und Anchor.

Im Eventteil der 16. Episode werfen wir einen Blick zurück auf den Plug & Play Munich Winter Summit. Dabei freuen wir uns auch, dass Plattformen für digitale Veranstaltungen von Mal zu Mal besser werden.

Warum ist Industrie 4.0 eigentlich so wichtig?

Nachdem wir ab Minute 4:08 für uns klären, was wir eigentlich unter Industrie 4.0 verstehen wollen – wir beschränken uns hier nicht nur auf Lösungen, die Fabriken digitalisieren, sondern beziehen auch solche ein, die Produktionsprozesse modernisieren oder neue Prozesse einführen – werfen wir einen Blick auf die deutsche Wirtschaft. Denn diese ist zu deutlich größeren Teilen von der industriellen Produktion abhängig als es in den meisten Industrienationen der Fall ist. Laut Zahlen der OECD hat die industrielle Produktion in der Bundesrepublik einen Anteil von 21,2 Prozent an der gesamten Wertschöpfung im Land. Leidglich Japan kommt mit 20,8 auf ein ähnliches Niveau, Südkorea liegt mit 27,7 Prozent sogar etwas darüber. Länder wie Frankreich (11 Prozent), Italien (16,6 Prozent) oder die USA (11,7 Prozent) sind hingegen deutlich weniger von der industriellen Produktion abhängig. In Großbritannien, dem Heimatland der Industrialisierung, gehen sogar nur noch 9,7 Prozent der Wertschöpfung auf die industrielle Produktion zurück.

Diese für die deutsche Wirtschaft so wichtige Produktion wird also digitalisiert. Eine Umfrage des Bitkom zeigt dabei auf, wie weit der Prozess ist: Fast 59 Prozent der Industrieunternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern nutzen bereits spezielle Anwendungen aus dem Bereich Industrie 4.0. Vor zwei Jahren waren es erst 49 Prozent. Zugleich hat sich der Anteil der Unternehmen, für die Industrie 4.0 gar kein Thema ist, seit 2018 von 9 Prozent auf 1 Prozent verringert.

Wie Münchner Startups an der Smart Factory arbeiten

Startups spielen bei diesem Prozess eine wichtige Rolle, da sie viele der eingesetzten Lösungen entwickeln. Eines davon ist Emocean, welches wir euch ab Minute 7:36 genauer vorstellen. Das Anfang 2020 gegründete Münchner Startup entwickelt eine Lösung für Maschinenkommunikation in Echtzeit. Mit ihr soll sich eine Fabrik komplett vernetzen lassen, was wohl auch der Anstoß für das chinesische Unternehmen Justech Precision Industry war, Anfang dieses Jahres eine 6-stellige Summe in Emocean zu investieren.

Das Startup Erium (ab Minute 10:38) hingegen konzentriert sich mit seiner Lösung auf die Prozessoptimierung in Fabriken. Dabei geht es unter anderem darum, die richtigen Parameter für Produktionsmaschinen zu wählen, Forecastingprognosen zu optimieren oder Wartungsverträge ordentlich auszuhandeln. Erium ermöglicht es dabei Prozessexperten, Ingenieuren und Produktionsleitern, die Machine-Learning-Modelle selbst zu erstellen.

Dass Industrie-4.0-Lösungen auch branchenspezifisch gut funktionieren zeigt das nächste Beispiel (ab Minute 12:38): Sewts arbeitet nämlich an einer KI- und Roboter-Software zur vollständig automatisierten Textilproduktion. Das Problem, das die Gründer mit ihrem Startup lösen möchten, ist, dass Industrieroboter nicht vorhersehen können, wie sich ein Textil während eines Prozesses verhält, also zum Beispiel ob es Falten wirft. Um das zu ändern, trainiert Sewts Robotern durch eine eigene künstliche Intelligenz ein menschenähnliches Verständnis für das Verhalten von Textilien an.

Neue und optimierte Prozesse

Im Bereich der optimierten und neuen Prozesse ist Nebumind unser erstes Beispiel (ab Minute 16:00). Das Startup entwickelt eine Software, die die Qualität von Bauteilen durch die gesamte Fertigung hindurch überwacht. Dazu sammelt die Software alle Produktionsdaten, die sie von Maschinen und Sensoren während der Fertigung eines Bauteils bekommen kann. Daraus macht sie „digitale Bauteilzwillinge“, die der Werker sich am Laptop anschauen kann. So können Produktionsfehler leichter zurückverfolgt und auch die Produktion einfacher optimiert werden.

Neue Wege geht auch das Startup Leon Nanodrugs, allerdings für die chemische Industrie. Mit seiner MicroJetReactor (MJR)-Plattformtechnologie ermöglicht es das Startup, Nanopartikel aus einer Vielzahl von Wirkstoffklassen herzustellen. Die durch den Prozess entstehenden winzigen Partikel besitzen ein vorteilhaftes Lösungsverhalten und beheben damit das Problem, dass sich viele Arzneimittel nur schlecht oder unvollständig in Wasser auflösen. Genaueres erklären wir ab Minute 19:10.

Neue Materialien in der Industrie 4.0

Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf das Thema „neue Werkstoffe“, denn auch diese werden des Öfteren in den Bereich Industrie 4.0 mit einbezogen, besonders dann, wenn digitale Technologien mit im Spiel sind. Unser Beispiel dafür ist Blackwave (ab Minute 21:38). Das Startup stellt Bauteile für den Fahrzeugbau und die Luft- und Raumfahrt aus Carbon her und nutzt hierfür ein aus den 1960ern bekanntes Verfahren, allerdings mit modernsten Materialien. Zudem gilt der Prozess als hochautomatisiert und kosteneffizient, denn er verursacht fast keine Produktionsabfälle.

Egym und Nokia Growth Partners

Ab Minute 24:15 geht es dann um das Fitness-Startup Egym, das sich in einer Series-E-Finanzierung 28 Millionen Euro frisches Kapital von seinen Bestandsinvestoren beschaffen konnte. Wir werfen einen Blick auf das Startup, das auch von der Corona-Krise gebeutelt wurde, und stellen Euch den Lead-Investor dieser Runde, Nokia Growth Partners, genauer vor. Der VC-Geber begleitet Startups bereits seit 2005 auf ihrem Weg.