Stefan Hanns Engelhardt, Professor für Pharmakologie und Toxikologie an der TU München.
Foto: Andreas Heddergott /TUM

Covid-Medikament: Bund fördert Rnatics mit 7 Millionen Euro

Rnatics, ein Startup an der TU München, hat einen RNA-basierten Wirkstoff entwickelt, um entzündliche Lungenschäden zu verhindern. Diese treten besonders bei schweren Corona-Verläufen auf. Das Bundesforschungsministerium unterstützt die weitere Entwicklung des Medikaments mit rund 7 Millionen Euro.

Rnatics setzt für sein Covid-Medikament auf eine Substanz, die entzündungsfördernde MicroRNA blockiert. Der Ansatz ist unabhängig davon, welche Virusvariante die Schäden verursacht. Schwere Lungenentzündungen und Vernarbungen des Lungengewebes sind mögliche Folgen von Covid-19-Erkrankungen. Sie können die Lungenfunktion langfristig einschränken und sind eine der Ursachen für das Phänomen „Long Covid“.

Ein Team um Stefan Engelhardt, Professor für Pharmakologie und Toxikologie an der TUM, hat einen neuen RNA-Wirkstoff entwickelt, mit dem sich diese entzündlichen Lungenschäden verhindern lassen. Wenn er über die Atemwege verabreicht wird, bindet dieser Stoff schnell und gezielt an Immunzellen der Lungenbläschen und hemmt dort ein bestimmtes MicroRNA-Molekül. Zumindest bei Mäusen treten deutlich weniger Entzündung und Lungenschädigung auf, die Lungenfunktion verbesserte sich deutlich. Stefan Engelhardt ist zuversichtlich, dass auch bei Menschen, die den Wirkstoff über einen Inhalator einatmen, schwerwiegende Entzündungen und damit letztlich Lungenschäden bei Long Covid verhindert werden können.

Covid-Medikament soll auch bei zukünftigen Corona-Varianten wirken

Ausgehend vom Wirkstoff namens „RCS-21“ entwickeln Engelhardt und seine Partner jetzt ein Medikament für die Behandlung von Covid-19-Erkrankungen. Das RNA-Medikament wäre das erste seiner Wirkstoffklasse, das gezielt in fehlgeleiteten Immunzellen, sogenannten Makrophagen, aufgenommen wird.

„Dadurch, dass es nicht das Virus, sondern die Immunzellen beeinflusst, sollte RCS-21 auch bei Erkrankungen durch Omicron oder zukünftige, aggressivere Virusvarianten wirksam sein“,

sagt Deepak Ramanujam, Miterfinder und Gruppenleiter am Institut für Pharmakologie und Toxikologie. Ein weltweites Patentierungsverfahren läuft. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) wird die klinischen Tests für das Covid-Medikament als Teil der „Richtlinie zur Förderung von Forschung und Entwicklung dringend benötigter Therapeutika gegen SARS-CoV-2“ mit rund 7 Millionen Euro fördern. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat bereits eine positive Einschätzung für den Wirkstoff ausgesprochen.

„Wir gehen davon aus, dass wir die präklinische toxikologische Bewertung im dritten Quartal 2022 abschließen können. Gibt das BfArM die Genehmigung, können wir in etwa einem Jahr in Phase eins der klinischen Prüfung einsteigen“,

sagt Stefan Engelhardt. In dieser ersten von drei klinischen Phasen vor der Zulassung wird ein Medikament zunächst einem kleinen Kreis von Personen verabreicht.