Stylight-CTO Dan Ackerson und Tech Evangelist Johann Romefort (v.l.), Foto: Munich Startup

daho.am 17: Deep-Tech und Startup-Fights im Backstage

Developer sind gefragte Angestellte — und Startups spannende Arbeitgeber. Die Konferenz daho.am versuchte gestern, Entwickler und Gründer zusammenzubringen.

Bei hochsommerlichem Kaiserwetter lud der daho.am-Veranstalter Stylight gestern ins Backstage — sonst eher als alternative Ausgehlocation bekannt. Mehrere hundert Soft- und Hardwareentwickler, Startups und Szene-Akteure folgten dem Ruf des Münchner Fashion-Startups.

In drei unterschiedlichen Tracks diskutierten Speaker Herausforderungen für Developer, Startup-Themen und berichteten von „Disruptionen“, sprich: Innovationen wie dem WARR Hyperloop. Der Prototyp war zusätzlich auf dem Gelände ausgestellt und konnte live bewundert werden. Im Grunde bediente die Konferenz zwei unterschiedliche Zielgruppen: Die Startup-Szene auf der einen und Developer auf der anderen Seite. Die daho.am löste damit bloß ein, was sie in ihrem Slogan versprach: „Bringing developers and startups together“.

Der chronische Entwicklermangel ist es, der viele Startup-Gründer ins Backstage trieb. Viele suchen gezielt nach Verstärkung auf der technischen Seite. So zum Beispiel Sven von Alemann, Co-Founder und CEO des LegalTech-Startups rfrnz:

„Ich suche hier Inspiration und Kontakt zu Developern, vielleicht sogar einen hands-on CTO, der Bock auf ein super innovatives LegalTech-Startup hat.“

Nach einem Zwischenfazit gefragt, gab sich von Alemann zufrieden:

„An der daho.am gefällt mir die familiäre Atmosphäre. Hier treffe ich mein Netzwerk und kann es erweitern.“

Unsichtbare Deep-Tech

Das Backstage kommt als Veranstaltungsort auch bei anderen Besuchern aus der Münchner Startup-Szene gut an. So  gefällt es Amadeo Gaigl, Co-Gründer  von Bohème, auf dem Gelände an der Friedenheimer Brücke:

„Das ist hier eine richtig coole Atmosphäre. Der Venue Place ist super.“

Einige Eindrücke von der daho.am 17:

Auch Bohème-Mitgründer Vincenzo Di Salvo war vor Ort. Personelle Unterstützung suchte das Startup indes nicht, sondern:

„Am wichtigsten sind uns interessante neue Kontakte.  Außerdem wollen wir Learnings aus der Tech-Szene mitnehmen.“

Tiefe technische Voraussetzungen mag man bei einem Startup, das redaktionelle Medien an bestimmten Orten zur Verfügung stellt, nicht sofort vermuten. Gaigl stellt deshalb klar:

„Was unsere Nutzer nicht direkt sehen: Unsere location-based Services sind Deep-Tech. Wir haben dafür komplexe Algorithmen entwickelt.“

Überhaupt vermitteln die unterschiedlichen Speaker dem technisch weniger versierten Startup-Publikum einen Eindruck, welche technischen Probleme und Herausforderungen im Hintergrund bestehen.  Sowohl dem Entrepreneur als auch dem End-User sind diese Probleme im Zweifelsfall nicht einmal bekannt. Ein solcher Fall: Marco Kaiser, CTO bei Zeit Online, berichtet, wie die für viele überraschende Wahl Donald Trumps am 8. November vergangenen Jahres in den Morgenstunden des 9. Novembers zu einem Zusammenbruch der Nachrichtenseite führte. Eine frustrierende Erfahrung: Die Redaktion hatte sich monatelang auf das Ereignis vorbereitet und arbeitete auf Hochtouren, die Leser warteten auf die journalistischen Inhalte — doch die Technik funktionierte nicht. Daraus lässt sich vielleicht lernen: Im besten Fall bleibt die Technik unsichtbar.

Gründer im Boxring

In einer großen Halle neben dem Backstage-Gelände brachten die Veranstalter die Startup-Area unter. Startups und Ökosystem-Player präsentierten sich an Ständen, auf einer eigene Bühne wurden Startup-Themen verhandelt und in der Mitte der Halle stand ein Boxring. In diesem lieferten sich Startups ein Pitch-Battle der etwas anderen Art im Founders Fight Club: Zwei Gründer pitchten im Ring gegeneinander, suchten die Schwachstellen des Gegners. Das Publikum bestimmte anschließend den Gewinner. Das schöne Format litt leider etwas unter der schlechten Akustik in der Halle.

Eindrücke aus der Startup-Area:

Nicht zuletzt durch den starken Tech-Fokus konnte sich die daho.am von den üblichen Netzwerkveranstaltungen deutlich absetzen: Nicht-Techies hörten von vielen Problemen sicherlich zum ersten Mal, Entwickler wurden an die Startup-Szene herangeführt. Ein schönes Angebot in der Nische — wir freuen uns auf die nächste daho.am.

Simon Tischer

Seit Dezember 2015 schreibt Simon Tischer für Munich Startup. Vorzugsweise berichtet er über Studien, Hintergründe und von Veranstaltungen. Er studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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