Leidenschaft für Baustellen, Bagger und Digitalisierung: Vemcon im Porträt
Gründer Jan Rotard (li.) und Julian Profanter (re.) © Vemcon GmbH

Leidenschaft für Baustellen, Bagger und Digitalisierung: Vemcon im Porträt

Das Münchner Startup Vemcon automatisiert Bagger und andere mobile Arbeitsmaschinen wie Grader oder Radlader. Auf dem Weg vom Joystick zur autonomen Arbeitsmaschine setzt das Unternehmen Wissen und Erfahrungen aus der Hydraulik und Robotik sowie künstliche Intelligenz ein. Wir haben mit den beiden Gründern, Jan Rotard und Julian Profanter, gesprochen.

Die Baubranche gehört zu den am wenigsten digitalisierten Branchen in Deutschland. Laut einer McKinsey-Studie hinkt die Branche mit 30 Prozent weniger Produktivität den anderen Branchen deutlich hinterher. Gleichzeitig droht sie am Fachkräftemangel zu ersticken. Bauunternehmer können selten die wachsende Zahl an Projekten termingerecht ausführen. Entsprechend eröffnet die Digitalisierung große Chancen. Vemcon hat es sich zum Ziel gesetzt, die Maschinenbedienung in der Baubranche durch die Verbindung von intuitiver Ergonomie und Fahrerassistenz zu vereinfachen. Dazu setzt das Startup selbstlernende Software und Cloud-Dienste ein.

Die Erfahrungen der beiden Gründer reichen weit in die Vergangenheit. So hat Gründer Jan Rotard schon als Kind Traktoren repariert. Und Julian Profanter hatte sich als Ingenieur in seiner Diplomarbeit ausführlich mit dem Thema Bedienkonzept und Joysticks auseinandergesetzt. Die Leidenschaft der beiden für Baustellen, Bagger und andere schwere Arbeitsmaschinen führte sie zusammen. Mit der Idee, mobile Arbeitsmaschinen besser bedienbar und produktiver zu machen, wurde Vemcon 2012 gegründet.

Der Vemcon CoPilot Planum wird beispielsweise im Straßenbau eingesetzt © Vemcon GmbH

„Wir hören zu und machen uns die Hände schmutzig“

Schnell zeigte sich, dass sich  weitere Produkte generieren lassen, die einen größeren Markt ausmachen. Die Gründer sagen von sich: „Wir sind mit dem Baggerfahrer per Du.“ Und das ist wichtig, um Bedürfnisse zu erkennen. Julian Profanter,  zuständig für Bedienkonzepte & Ergonomie, sagt:

„Wir hören zu, verstehen Mensch, Maschine und den Arbeitsprozess, packen an und machen uns dabei auch gerne mal die Hände schmutzig. Wir graben gemeinsam mit dem Fahrer Löcher oder planieren Flächen. Für letzteres muss der Maschinenbediener mit Hebeln und Pedalen bis zu vier, fünf oder gar sechs Funktionen gleichzeitig steuern. Dazu benötigt er ein hohes Maß an Feingefühl, Konzentration und Erfahrung. Der Output ist abhängig vom Können und der Tagesform des Fahrers.“

Entsprechend hat Vemcon eine Methodik für die Entwicklung intuitiver und ergonomischer Bedienkonzepte entwickelt. Der daraus entstandene Joystick führt Bewegungen zusammen und erleichtert die Bedienung. Denn für den Fahrer ist er das Arbeitsinstrument, mit dem er seine Maschine im Griff hat und das mit darüber entscheidet, ob er zu jeder Zeit des Tages präzise und schnell arbeitet. Für das Design eines Joysticks gewann die Firma sogar beim German Design Award in der Kategorie „Industry“.

„Der Design Award ist auch eine Anerkennung dafür, dass wir über Qualität und Technik hinausgehen, um Alleinstellungsmerkmale für unsere Kunden zu schaffen,“

meint Julian.

Neben dem Joystick erleichtert auch ein Fahrassistenzsystem das Arbeiten, und macht — um beim Beispiel des Planierens zu bleiben — das automatische Abziehen und die bisher manuell angesteuerten Bewegungen flüssiger. Damit ist eine Produktivitätssteigerung von bis zu 40 % möglich. Auch angenehm für den Baggerfahrer: Wiederkehrende Prozesse werden optimiert und automatisiert.

Julian erklärt:

„Der Fahrer wird mental und körperlich entlastet. Und unser Fahrerassistenzsystem unterstützt auch weniger erfahrene Bediener dabei, schneller und präziser zu arbeiten.“

Über Joystick und Fahrerassistenzsystem hinausgehend denkt Vemcon die Maschinensteuerung neu und bietet Lösungen, die zur Automatisierung mobiler Arbeitsmaschinen führen. Dazu wird Fahrerassistenz mit selbstlernender Software sowie Cloud-Diensten verbunden. Das Ergebnis sind intelligente, teilweise autonom arbeitende, miteinander kommunizierende Maschinen sowie eine Produktivitätssteigerung von bis zu 60%.

Bagger heben Löcher alleine aus, Walzen fahren ohne menschliche Hilfe dem Grader hinterher, landwirtschaftliche Maschinen pflügen den Acker, während der Landwirt anderen Aufgaben nachgeht. Zusätzlich beantworten Assistenzsystem und Tool-Tracker wichtige Fragen: Welches Werkzeug benötige ich für welchen Arbeitsschritt? Wo kriege ich das Werkzeug schnellstens her? In welchem Zustand befindet sich das Werkzeug?

Designstudie eines Joysticks © Vemcon GmbH

Millioneninvestment ebnet Vemcon den weiteren Weg

Finanziert hat sich das junge Technologieunternehmen zunächst über Bootstrapping und Stipendien. Mit Hilfe des ESA BIC Inkubators konnten sie  während des zweijährigen Programms  ihre Entwicklung vorantreiben: Die Skalierbarkeit wurde erhöht, Produktionskosten gesenkt, OEMs als Kunden gewonnen und ESA BIC stand u.a. bei der Weiterentwicklung der Basistechnologie — Algorithmen und Sensorik — zur Seite.

Von sich selbst sagen die Gründer, ein Teil des Erfolgs komme daher, dass sie eigenhändig ihre Produkte an den Markt gebracht haben. Und der andere Teil des Erfolgs? Der liegt in Folgendem begründet, so Jan Rotard, CEO von Vemcon:

„Wir verbinden die bodenständige Welt der Arbeitsmaschinen mit den Möglichkeiten der modernen Hydraulik, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Dazu packen wir gemeinsam mit dem Fahrer an, hören zu und entwickeln die passende Lösung.“

Im vergangenen Jahr, im Juli 2017, erhielt das Münchner Startup   eine Seed-Finanzierung von einem strategischen Investor. Mit dem Millioneninvestment bauten die Gründer in der Zwischenzeit ein tatkräftiges Kernteam auf. Mittlerweile hat die Firma über 20 Mitarbeiter. Allerdings will Vemcon weiter wachsen. Die aktuell herausfordernste Frage, so Jan:

„Wir sind immer auf der Suche nach Mitarbeitern, die unsere Leidenschaft für schwere Arbeitsmaschinen und unsere Vision für eine digitalisierte Baubranche teilen.“

Erfolgsfaktor: Die Vision für eine digitalisierte Baubranche teilen

Gleichzeitig ist das auch Jans ultimativer Tipp für andere Startups:

„Findet ein starkes Team, das mitdenkt und anpackt, um ein wichtiger Problemlöser für den Kunden zu werden und  das genügend Ausdauer mitbringt, um Herausforderungen zu meistern.“

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist für Vemcon ihr Beirat. Die drei Manager und Investoren im Beirat bringen insgesamt 150 Jahre Erfahrung und Marktexpertise mit — und sind für die Gründer täglich ansprechbar.

Die Gründer blicken optimistisch in die Zukunft. Jan sagt:

„In spätestens zehn Jahren sind wir etablierter Zulieferer für Bau-, Agrar-, Mining- und Kommunalmaschinen. […] Und in fünf Jahren sind wir auf dem Weg dahin schon weit vorangeschritten. Wir freuen uns über jeden Mitarbeiter, der uns auf diesem Weg begleitet.“

Ein Artikel von

Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München und die Region, das von der Landeshauptstadt München entwickelt wurde. Mitinitiatoren bzw. Kooperationspartner sind die UnternehmerTUM, das Entrepreneurship Center der LMU, das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) und die IHK für München und Oberbayern. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH).

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