© Hauke Seyfarth Fotografie

„Unternehmerisch denken ist eine Lebenseinstellung“ — Ein Interview mit Günes Seyfarth

Günes Seyfarth ist eine echte Seriengründerin. Next Entrepreneurs, die Astronautin und Fruitiverse sind nur drei Beispiele für ihre aktuellen Geschäftsideen. Wir wollten wissen, wie sich die Münchnerin bei ihren vielen Projekten organisiert, was sie antreibt, wo sie sich inspirieren lässt und ob sie glaubt, es wäre gerade eine gute Zeit, um zu gründen. Günes Seyfarth erzählt offen, wieso ihr Vorurteile egal sind und was ihre Prioritäten sind. Ein Interview.

Günes, Du hast verschiedenste Unternehmen gegründet. Was motiviert Dich dabei?

Ich will Neues entdecken. Deswegen finde ich es spannend, wenn ich mich in etwas einarbeite, was ich noch nicht kenne und dann als Königsdisziplin erfolgreich gründe und festige, um für mich zu erfahren, ob ich es verstanden habe oder ob es noch was zum nacharbeiten gibt. Ich mag es, die Dinge einfach umzusetzen statt zu lange in der Theorie zu verharren. Denn erst in der Praxis merkt man, ob es funktioniert oder nicht.

Außerdem will ich als Vorbild zeigen, dass möglich ist, worüber andere noch diskutieren.

Jeden Tag eine unangenehme Aufgabe erledigen

Du führst parallel mehrere Unternehmen, und Du hast drei Kinder. Wie organisierst Du Dich?

Erstens hab ich Menschen um mich, die mich unterstützen. Mein Mann, der mir immer den Rücken frei hält und mein Netzwerk, das mir Antworten auf Fragen geben kann und Kontakte zu Menschen herstellen kann, die mir helfen, weiterzukommen.

Zweitens fokussiere ich mich darauf, was wirklich Sinn macht, um Ergebnisse zu erzielen. Das beinhaltet, jeden Tag eine Aufgabe zu erledigen, vor der es mich graust, zum Beispiel Finanzamt, unangenehme Gespräche, etc. So löse ich Blockaden und kann mich dann auf Aufgaben konzentrieren, die das Projekt voranbringen.

Hattest Du Vorbilder beim Gründen?

Absolut. Allen voran meine Mama, die mit 16 Jahren ohne deutsche Sprachkenntnisse, Ahnung vom Land und Geld nach Deutschland gekommen ist. Einfach nur mit der Vision, ein besseres Leben zu haben. Darüber hinaus lerne ich gerne von denen, die schon erfolgreich
umgesetzt haben, worin ich besser werden will.

Verwirklichen, was wichtig ist

Wann und wo bekommst Du die besten Ideen?

Beim Transfer. Ich beschäftige mich mit verschiedenen Themen: Bildung, Lebensmittelverschwendung, Ernährung, Klimaschutz, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Leadership, Berufsbilder, Zukunftsperspektiven für Leben und Job, Wirksamkeit, Tanz, Kindern, Epigenetik. Das Beobachten, Hinterfragen, offen sein schafft bei mir neue Impulse, die ich dann wiederum weiterdenke und schaue, wo es mich hinführt.

Dein größtes Talent?

Auf meine Intuition zu hören. Ich habe großes Urvertrauen und kann daher durch in mich Hineinhorchen schnelle Entscheidungen treffen, ob mir der Mensch oder das Thema taugen. Ob ich mich wohlfühle damit oder nicht. Das ist mein Gradmesser für meine Aktivitäten. Im Privaten wie im Business. Da mache ich keinen Unterschied. Ich muss nicht alles verstehen können, um es zu befolgen. Wenn mein Herz sagt, es fühlt sich nicht gut an, dann lasse ich die Finger davon.

Der größte Irrtum, dem Du je unterlegen bist?

Geld sei nicht wichtig. Es macht nicht glücklich. Doch es ermöglicht mir, zu verwirklichen, was mir wichtig ist.

„Unternehmerisch denken und handeln ist eine Lebenseinstellung“

Deine Geheimwaffe beim Networking?

Echtes Interesse am Gegenüber. Ich bin nicht der Freund von Smalltalk. Ich will erfahren, was mein Gegenüber ausmacht und will den Menschen als Ganzes erfassen. Denn es ist immer Lebenszeit, die wir hergeben. Diese will ich sinnvoll verbringen und das meinen Gegenüber auch ermöglichen.

Erscheint es Dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?

Gründen und unternehmerisch denken und handeln ist eine Lebenseinstellung. Die Zeit ist dann immer richtig, um zu gründen.
Doch gerade in Hinblick auf die zunehmende Dynamik und Geschwindigkeit der Veränderungen in unserer Gesellschaft ist Gründen ein Ausdruck dessen, dass man sensibel wahrnimmt, worauf es ankommt. Entweder, weil man nicht in der Komfortzone des Angestelltenverhältnisses versacken und das echte Leben spüren will oder weil man Lösungen sieht, die noch nicht umgesetzt sind.

Vorurteile interessieren Günes Seyfarth nicht

Die drei übelsten Vorurteile, die Dir im Gründeralltag begegnet sind?

Ehrlicherweise sind es eher eigene Barrieren als Vorurteile von außen. Es interessiert mich nicht, ob jemand findet, dass ich als Mama, Frau oder Mensch mit Migrationshintergrund nicht gründen kann.

Wichtig ist, dass ich:

  • Weiß, wohin ich will.
  • Weiß, was ich tue und mich mit meinen Zahlen und Möglichkeiten auseinandersetze.
  • Und es tue.

Was liegt auf Deinem Schreibtisch gerade ganz oben?

  1. Die Astronautin, um Vorbilder für Mädchen und Frauen zu schaffen, dass sie alles schaffen können. Dafür braucht es 50 Millionen. Daran arbeiten wir von ‚Die MacGyvers‚.
  2. Fruitiverse, um die Produktion unserer Fruchtgummis bei den Biofrüchten aufzubauen.
  3. Next Entrepreneurs, um den Kids von heute das Selbstvertrauen zu geben, dass sie eine neue Welt schaffen können, die eine friedliche und tolerante Gesellschaft ermöglicht.

Und viele andere Projekte wie Aufklären über Lebensmittelverschwendung, Schulentwicklung, und vieles mehr…

Was macht Dich glücklich?

Zu spüren, dass mich etwas inspiriert — allen voran meine Familie und Menschen, die oft nicht von sich glauben, dass das, was sie tun, eine Wirkung auf einen anderen Menschen hat.

Vielen Dank, Günes Seyfahrt, für Deine offenen Antworten.

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