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Freeletics: Ein Münchner Startup macht die Welt fitter

Das Fittech-Startup Freeletics ist eines der global am schnellsten wachsenden digitalen Fitnessunternehmen. Das 2013 gegründete Unternehmen kommt aus München – was nicht nur vielen der 39 Millionen Nutzer weltweit nicht bewusst ist, sondern auch in der Gründerszene lange nicht so richtig bekannt war.

Den Firmensitz der ursprünglichen UG meldeten die Gründer Andrej Matijczak, Mehmet Yilmaz und Joshua Cornelius damals in der Heßstraße 89 beim SCE in der Hochschule an. Knapp ein halbes Jahr später stieß Daniel Sobhani als CEO zum Team, nachdem er zuvor bei der Boston Consulting Group gearbeitet hatte. Daniel ist in München geboren und aufgewachsen, kannte die drei Gründer von der Universität – er hatte unter anderem in München und Sydney Business Administration, Mechanical Engineering, Finance und Technology Management studiert.

Weltweit Workouts

Mit AI-basiertem, hyper-personalisierten digitalen Fitness-Coaching hat Freeletics seit seiner Gründung die Fitnessbranche, die jahrelang von stationären Fitnessstudios und exklusiven Personal Trainern dominiert wurde, auf den Kopf gestellt. Per App vernetzen sich die NutzerInnen, um gemeinsam funktionelles Training sowie kurze, hochintensive-Workouts zu absolvieren und Kraft, Kondition und muskuläre Ausdauer aufzubauen. Ortsunabhängig, oftmals nur mit dem eigenen Körpergewicht. Das Münchner Startup hat dabei die Vision, Menschen weltweit dabei zu unterstützen, physisch wie auch mental ihr volles Potenzial zu entfalten und damit zur stärksten Version ihrer selbst zu werden.

Wie Freeletics vom Bootstrapping zu 45 Millionen Dollar Finanzierung kam

2014 war Freeletics noch ein kleines, junges Startup, das sich aber schon damals mit einem rasanten Wachstum auseinanderzusetzen hatte. 2015 zog das Jungunternehmen ums Eck der Hochschule München in eine alte Fabrikhalle in der Lothstraße. Hier arbeiten – und trainieren – die mittlerweile mehr als 150 Mitarbeiter aus knapp 40 Nationen weiterhin.

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Freeletics-CEO Daniel Sobhani © Freeletics

Daniel Sobhani trug maßgeblich dazu bei, das Team in kurzer Zeit zum internationalen Erfolg zu führen – und das als Unternehmen, das bootstrappte. Dann, im Sommer 2018, stiegen die drei Gründer aus. Kurz danach kam der bislang wichtigste Meilenstein der Unternehmensgeschichte: Eine 45 Millionen US-Dollar schwere Series-A-Finanzierung durch die amerikanischen Investoren Fitlab, Causeway Media Partners und Jazz Venture Partners. Was sich seitdem verändert hat? Wir waren neugierig und wollten mehr wissen. Daher haben Daniel Sobhani interviewt.

Ein Blick hinter die Kulissen: Interview mit Freeletics-CEO Daniel Sobhani

Munich Startup: Daniel, bis Mitte 2018 war Freeletics gebootstrapped. Als die drei Gründer Mitte 2018 ihre Anteile verkauft haben, bist Du Freeletics treu geblieben. Was hatte Dich zu dieser Entscheidung bewogen?

Daniel Sobhani: Die drei Gründer von Freeletics hatten sich ja bereits 2014 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Auch wenn ich mich natürlich bis zum Exit letztes Jahr immer noch stark mit den Gründern, die alle drei noch im Board saßen, abgestimmt habe, bin ich ja bereits seit 2014 als CEO im Einsatz. Das Unternehmen und unserer Vision liegt mir seit jeher persönlich sehr am Herzen.

Meiner Meinung nach hat Freeletics den bei weitem größten Teil seines Erfolgs und seiner Vision noch vor sich. Eigentlich hat sich operativ jetzt nicht viel geändert, außer dass ich mich seit 2018 mit unseren Investoren im Board abspreche. Das ist eine spannende Zeit, die nicht nur Freeletics als Unternehmen, sondern auch mich auf das nächste Level bringt. Wir haben mit Freeletics das ambitionierte Ziel Menschen dabei helfen zu wollen, “the greatest version of themselves” zu werden. Freeletics soll Menschen auf der ganzen Welt helfen – holistisch und langfristig. Dieses Ziel verfolge ich auch persönlich.

Daniel trainiert selbst auch über die App. © Freeletics

Munich Startup: Nach dem Exit der Gründer kam im Dezember 2018 noch eine 45 Millionen Dollar starke Series-A-Finanzierung hinzu. Wie fühlt sich das an, wenn nach so langer Zeit Bootstrapping eine große Finanzspritze kommt?

Daniel: Die Series-A-Finanzierung hat uns natürlich gut getan. Wir konnten uns gleich auf mehreren Ebenen breiter und besser aufstellen. Das zusätzliche Kapital erlaubt uns eine längerfristige Planung, noch mehr Expertise, Erfahrungen und Ressourcen sowie eine stetige Weiterentwicklung unserer AI-basierten Coaches. Es macht Spaß zu sehen wie sich das Team, unsere Produkte und unsere Vision immer weiter entwickelt und wir global wachsen und in immer mehr Ländern erfolgreich sind.

„Die Investoren geben nicht einfach Geld. Sie sind jetzt Teil des Unternehmens.“

Munich Startup: Hast Du einen guten Tipp für andere CEOs für die erste Phase nach Abschluss einer Finanzierung? Was gilt es hier zu beachten?

Daniel: Ich halte es für sehr wichtig, sich dem Board- und Investor-Management explizit anzunehmen. Dazu gehört genügend Zeit in den Aufbau persönlicher Beziehungen, die gemeinsame Ausrichtung der Unternehmung und Zukunftsvision zu investieren. Die Investoren geben nicht einfach Geld. Sie sind jetzt Teil des Unternehmens. Das zu erkennen und zu nutzen, kann extrem hilfreich sein. Außerdem ist es wichtig trotzdem überlegt mit dem Kapital umzugehen. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Munich Startup: Was ist gerade das herausforderndste Thema bei Freeletics?

Daniel: Unser großes Ziel ist es mit AI-gestützter digitalen Fitness Menschen zu helfen, den Markt zu revolutionieren und ein funktionierendes Produkt für den “Holistic Fitness Lifestyle” anzubieten. Das erfordert, dass wir uns weiterentwickeln, breitere Zielgruppen ansprechen und neue Trainingspläne für bestimmte User-Gruppen entwickeln.

Freeletics
„Es macht Spaß zu sehen wie sich das Team, unsere Produkte und unsere Vision immer weiter entwickelt“, meint Daniel

Munich Startup: Auf welche Bereiche fokussiert Ihr Euch bei der Unternehmensentwicklung aktuell?

Daniel: Für uns geht es in Zukunft ganz klar um das gerade genannte Schlagwort “Holistic Fitness Lifestyle”. Die Fitnessbranche hat sich in vergangenen Jahren oft darum gekümmert, wie man möglichst schnell möglichst viele Muskeln aufbaut oder sich den perfekten “Beach Body” erarbeitet. Solche Zielsetzung sind kurz gedacht und führen schnell zu Enttäuschungen.

Wir möchten einen langfristigen Wandel des Lifestyles unterstützen. Konstantes Training, gesunde Ernährung, Regeneration, Schlaf und Achtsamkeit — das alles hat für uns damit zu tun. Und diese Idee versuchen wir gerade in all unsere Unternehmensbereich zu implementieren und möglichst erfolgreich umzusetzen. Ein Beispiel ist die Integration von Running in unsere App. In der Vergangenheit hatten wir immer eine separate Freeletics Running App. Seit August 2019 ist diese nun in die Freeletics App integriert. Das in einer App kombiniert zu haben, macht unser Angebot noch variabler und integrativer. Und diese Strategie werden wir weiter vorantreiben.

Fokus auf globales Wachstum und einen ganzheitlichen Ansatz

Munich Startup: Hat sich der Spirit der Firma verändert, seitdem die Investoren dabei sind? Und wie habt Ihr das Unternehmen umorganisiert?

Daniel: Es hat sich operativ nur sehr wenig verändert. Seit 2014 leite ich das Unternehmen als CEO und stimme mich nun mit unseren Investoren im Board ab. Unsere Unternehmenswerte sind gleich geblieben und werden weiterhin intern stets klar kommuniziert – umso wichtiger, wenn man als Unternehmen und als Team sehr schnell wächst. Der Spirit des Teams, der schon immer sehr stark war, hat sich seit dem Investment auch nicht geändert. Allerdings konzentrieren wir uns natürlich momentan verstärkt auf das globale Wachstum. Gerade der US-Markt ist wichtig für uns. Zwar wachsen wir überall sehr stark, aber die USA ist trotz der Konkurrenz der Markt mit unserem stärksten Neukunden-Wachstum. Die Kontakte und Erfahrungen unserer US-amerikanischen Investoren helfen uns natürlich dabei.

Munich Startup: Wie seid Ihr international aufgestellt und wie sind Eure weiteren Pläne bei der Internationalisierung?

Daniel: Ich würde mal behaupten wir haben bei Freeletics eines der internationalsten Teams Münchens. Unsere rund 150 Mitarbeiter aus 37 Nationen sind zum größten Teil hier in unserem Headquarter vereint und versorgen uns mit Ideen und Inspiration aus ihren Ländern und Kulturen. Gerade im Marketing arbeiten wir sehr effektiv daran, diverse Kanäle einzusetzen, um verschiedene Menschen aus der ganzen Welt mit unterschiedlichem Content anzusprechen. Dabei fokussieren wir uns auf neue Märkte, in denen wir schnell wachsen, aber noch viel Potenzial haben, wie die USA und Asien.

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Wir haben bei Freeletics eines der internationalsten Teams Münchens“, sagt Daniel. Und eines der durchtrainiertesten Teams, vermuten wir. © Freeletics

Muss Deutschland aufpassen, nicht sein Innovations- und Wettbewerbspotential zu verspielen?

Munich Startup: Vom Internationalen zurück zum Lokalen: Was ist das Besondere an der Münchner Gründerszene für Dich ganz persönlich?

Daniel: Ich empfinde die Münchner Gründerszene als sehr fokussiert und effizient. Es gibt wenig Ablenkung und gleichzeitig ist der Austausch sehr gut. Generell würde ich sagen, die Münchner Gründerszene “is getting things done.”

Munich Startup: Und wie empfindest Du die Gründerstimmung in Deutschland?

Daniel: Ich empfinde die Stimmung als eher verhalten. Das “hippe” Image, das Gründen hat, spiegelt leider nicht die tatsächliche Lage mit zu wenig Kapital und Risikobereitschaft wider. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind in Deutschland immer noch weit weg von ideal. Das schreckt potenzielle Gründer und Investoren ab und behindert die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Dafür gibt es zwar gute Gründe, aber wir müssen darauf achten langfristig nicht unser Innovations- und Wettbewerbspotential zu verspielen.

Munich Startup: Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Daniel!

Helen Duran

Als Redakteurin ist die Wirtschaftsgeografin Helen Duran seit April 2015 für Euch in der hiesigen Gründerszene unterwegs. Sie ist neugierig auf Eure spannenden Startup-Geschichten!

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