Die Retorio-Gründer Christoph Hohenberger, Patrick Oehler und Abdurrahman Namli (v.l.)
Fotos: Retorio

Retorio: Recruiting mit künstlicher Intelligenz

Retorio analysiert Bewerbervideos und soll dabei helfen, unter allen Kandidaten den richtigen für eine offene Stelle zu finden. Das Startup kombiniert aktuelle Technologien und Erkenntnisse aus der Psychologie. Im Interview erklärt das Gründer-Trio sein Produkt.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch und Euer Produkt bitte kurz vor!

Retorio: Retorio ist ein Video-Recruiter, der Künstliche Intelligenz und Machine-Learning mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Psychologie und Organisationsforschung kombiniert. Schon aus kurzen Bewerbungsvideos erkennt Retorio zuverlässig das Kommunikationsverhalten und wichtige Persönlichkeitseigenschaften einer Person. Somit können Talente effektiver und zuverlässiger erkannt und mit verschiedenen Job-Profilen verglichen werden.

Wir sind ein Gründungsteam von drei Personen, davon zwei ehemalige Doktoranden der TU München, die im Bereich Psychologie und Management promoviert haben, sowie einem KI-Spezialisten, der Computer Science und Mathematik studiert hat. Kennengelernt haben wir uns während unserer gemeinsamen Zeit an der TU München, als wir zu den verschiedenen Themen geforscht haben.

„Die Leute sind bei großen Neuerungen erstmal skeptisch“

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Retorio: Es gibt Lösungen, die nur Video anbieten oder ein Produkt um die API von Drittanbietern herumbauen. Die wenigsten wissen, was sie eigentlich tun oder können ein wissenschaftlich abgesichertes Konzept vorlegen. Unsere Anwendung hilft, schnell und basierend auf Verhaltensdaten eine Einschätzung vorzulegen. Ganz ohne dass ein Mensch sich das Video notwendigerweise anschauen muss (aber immer noch kann).

Munich Startup: Was war Eure bisher größte Herausforderung?

Retorio: Wie in vielen Bereichen sind die Leute bei großen Neuerungen erstmal skeptisch, was auch gut ist. Man nehme die aktuelle Diskussion um autonomes Fahren. Hier wird viel diskutiert in Bezug auf KI. Das gleiche gilt auch für Anwendungen in anderen Bereichen — wie HR. Dabei sind beide Konzepte, die wir verwenden, schon seit Jahrzehnten bekannt. KI-seitig gibt es die statistischen Ansätze schon seit den 70er-Jahren (sogar schon davor). Psychologie-seitig gibt es das Konzept der Big5 (auch OCEAN genannt, es steht für Openness, Conscientiousness, Extraversion, Agreeableness, Neuroticism) ebenfalls schon seit über 40 Jahren. Neu ist die Kombination von beiden.

„München ist ein exzellenter Hub“

Munich Startup: Butter bei die Fische: Wie läuft das Geschäft?

Retorio: Wir haben aktuell eine gute Pipeline und namhafte Kunden aus dem DAX. Wir sind aber für jede Firmengröße erschwinglich. Gerade Startups oder mittelgroße Firmen können besonders profitieren.

Munich Startup: Was bedeutet München für Euch?

Retorio: München ist ein exzellenter Hub. Hier trifft man auf die am besten ausgebildeten Leute, ein stark unterstützendes Umfeld, Investoren und Austausch. Auch sind viele potentielle Kunden hier ansässig. Persönlich sind zwei der drei Gründer aus dem Umland und hier aufgewachsen. Da wir aus einem universitären Umfeld heraus gegründet haben, ist auch die Nähe zur Universität und der stetige Austausch über neue Forschung sehr relevant.

Munich Startup: Wie wird Euer Startup zum nächsten Unicorn? Oder sehen wir uns bald auf der Epic Fail Night?

Retorio: Wir haben noch viel vor und sehen viele Anwendungsgebiete. Am besten durch motivierte Mitarbeiter und zufriedene Kunden.

Munich Startup: Steckerlfisch oder Schweinshaxe?

Retorio: Wir sind interkulturell und vertreten viele Weltanschauungen. Aus Rücksicht auf die Tiere und Umwelt aktuell eher Paneer Masala.