Das Gründerteam von Holoride
Foto: Holoride

Holoride: Die Autofahrt als Virtual-Reality-Spiel

Mitfahrer in Autos langweilen sich oft. Holoride nutzt Echtzeit-Daten während der Fahrt, um daraus mittels künstlicher Intelligenz ein völlig neuartiges Unterhaltungsprogramm für Mitfahrer zu erschaffen. Das Extended-Reality-Erlebnis soll sogar Reiseübelkeit vermindern. Die Gründer verraten mehr über ihr XR-Bordunterhaltungsprogramm in unseren 7 Fragen.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch bitte kurz vor!

Holoride: Servus München! Wir, das sind Daniel Profendiner (38, CTO), Marcus Kühne (44, CXO) und Nils Wollny (38, CEO). Gemeinsam haben wir Holoride gegründet und wollen damit langweilige Reisezeit in eine spannende Erlebnisfahrt verwandeln.

Oft wird ja von Schicksal und Fügungen gesprochen, wenn Menschen zueinander finden. Ganz so dramatisch war es bei uns dann doch nicht. Aber man kann es durchaus als einen schönen Zufall beschreiben. Wir alle drei haben für den Konzern mit den vier Ringen im Logo gearbeitet, zum Teil auch in ganz unterschiedlichen Bereichen. Marcus und Daniel sind dann tatsächlich von der Patentabteilung der Audi AG vernetzt worden, weil beide unabhängig voneinander und zur gleichen Zeit das fast identische Patent angemeldet haben — so viel sei gesagt: es hatte was mit Holoride zu tun.

Partnerschaften mit Audi und Disney

Während Daniel zu der Zeit das Thema Einsatz von immersiven Technologien im Fahrzeug vor allem aus technisch-konzeptioneller Sicht betrachtet hat, beleuchteten Marcus als Strategie-Verantwortlicher für VR / AR und Nils als Head of Digital Business auch sehr ausführlich die ökonomische Seite und erkannten schnell, dass nur ein hersteller-unabhängiger Ansatz eine Chance auf Skalierung und kommerzielle Relevanz hat. Mit dieser Erkenntnis und begleitet von großer Begeisterung für die Technologie trieben die drei das Projekt in jeder freien Minute voran und konnten es schließlich erfolgreich dem Vorstand von Audi und des VW-Konzerns vorstellen.

Ende 2018 kam die Ausgründung, um eine hersteller-agnostische Lösung zu realisieren. Ganz offiziell haben wir der Welt Holoride dann gemeinsam mit den zwei Traumpartnern Audi und Disney auf der CES 2019 in Las Vegas vorgestellt und für Wirbel gesorgt.

Munich Startup: Welches Problem löst Euer Startup?

Holoride: Reisezeit ist oft verschwendete Zeit. Aus diesem Grund haben wir uns zum Ziel gesetzt, Autofahrten besonders für Mitfahrer spannender zu gestalten. Denn: Schätzungen gehen von über 1 Milliarde täglichen Fahrten weltweit in Privatfahrzeugen aus, bei denen neben dem Fahrer mindestens auch ein Passagier mit an Bord ist. Aufgrund mangelnder Beschäftigungsmöglichkeiten sind diese Fahrten für die meisten Passagiere ungenutzte Zeit und notwendiges Übel. Das Fahrerlebnis ist immer noch sehr auf den Fahrer ausgelegt und die heutigen Medienangebote eignen sich nur bedingt für die Nutzung im Auto, da deren Genuss stark eingeschränkt ist — z.B. durch kleine Screens oder Formate, die nicht optimal zur Reisezeit passen. Zudem leiden viele Menschen an Reiseübelkeit, weil beim Blick aufs Smartphone oder Tablet während der Fahrt die Sinneseindrücke durcheinanderkommen.

Wir lösen dieses Problem indem wir IoT, AI & XR zu einem neuen Erlebnisformat fusionieren. Klingt kompliziert? Ist es auch, um ehrlich zu sein. Abgeleitet von Algorithmen für autonomes Fahren verwendet die Holoride-Software Echtzeit-Daten, die Auskunft über Position, Navigationsroute, Geschwindigkeit, sowie das Lenk-, Brems- und Beschleunigungsverhalten eines Fahrzeugs geben (IoT). Diese Daten werden auf intelligente Weise (AI) mit hoch-immersiven Darstellungstechnologien wie Virtual-, Mixed- oder Augmented Reality — sogenannte „Extended Reality“ (XR) — verknüpft. Dank einer nahezu exakten Synchronisierung von Bild und Bewegung wird die Erlebnisqualität der konsumierten Inhalte massiv gesteigert, da die realen Fahrzeugbewegungen zum Teil des virtuellen Erlebnisses werden und sich die Länge des Inhalts an der voraussichtlichen Fahrzeit orientiert. Zudem verringern sich signifikant die Symptome von Reiseübelkeit, von der immerhin ca. 2/3 aller Passagiere betroffen sind.

Foto: Holoride

Die Holoride-Software ermöglicht das Angebot einer neuen Medienkategorie: „Elastic Content“. Ausgerichtet auf die Nutzung in Fahrzeugen, passen sich Inhalte auf Fahrzeit, Bewegung und Kontext des Fahrzeugs an — für ein hoch-immersives Erlebnis und deutlich geminderten Symptomen von Reiseübelkeit. Die Auswirkung der Kopplung nochmal einfach erklärt: Fährt das Auto nach links, bewegst Du Dich in der virtuellen Umgebung in die gleiche Richtung. Hältst Du vor einem Zebrastreifen, spaziert ein knallblaues Küken anstatt eines Passanten darüber. Und einsetzender Niederschlag könnte — vom Regensensor erkannt — als Meteoritenschauer auf Dein Raumschiff prasseln. Cool, oder? Finden wir nämlich auch! Das sind natürlich Überlegungen, die nicht unbedingt realisiert werden müssen, aber wer weiß?

Zum ersten Mal werden Fahrzeugdaten zum „Enabler“ für ein neues Unterhaltungsformat und die bisher ungenutzte Zeit der Passagiere kann für alle partizipierenden Partner monetarisiert werden. Holoride hat das Potenzial, Entertainment im Fahrzeug nachhaltig zu verändern. Wir schaffen eine globale Plattform für die Mobilitäts- und Unterhaltungsindustrie.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Holoride: Nein — wir sind die Ersten, die diese Technologie im Umfeld der motorisierten Fortbewegung, angefangen beim Auto, etablieren werden.

Holoride: Für uns ist München perfekt

Munich Startup: Gab es bereits einen Punkt, an dem Ihr beinahe gescheitert seid?

Holoride: Glücklicherweise nicht, aber natürlich gab es die ein oder andere schlaflose Nacht vor der Gründung. Der Start und die Ausgründung waren eine riesige Herausforderung, wir sind jedoch fest überzeugt von unserer Technologie und den daraus resultierenden Vorzügen.

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Holoride: Für 2021 ist die Serienintegration bei Fahrzeugherstellern geplant, location-based Experiences sind ein Thema und in 5 Jahren funktioniert Holoride in allen Transportmitteln.

Munich Startup: Wie schätzt Ihr den Startup-Standort München ein?

Holoride: Für uns ist München perfekt — wir waren ja alle drei vorher schon in der Nähe mit Ingolstadt bzw. bereits in München zu Hause und fühlen uns hier sehr wohl. Neben den großen internationalen Unternehmen, die in München ansässig sind, schätzen wir natürlich auch die Vielfalt und hohe Lebensqualität, den die bayerische Landeshauptstadt bietet. Das ist uns vor allem auch wichtig, um talentierte Leute nach München zu lotsen, wenn sie denn nicht schon hier leben.

Der internationale Flughafen ist für uns natürlich auch ein Pluspunkt und dass München als Standort an sich national wie international große Bedeutung hat, zeigt ja auch die Vergabe der IAA an München ab 2021.

Munich Startup: Skype oder persönlich?

Holoride: Kommt immer ganz drauf an. Persönlich ist immer toll, aber das klappt leider nicht immer, weil wir auch recht viel unterwegs sind durch eine Vielzahl an Projekten. Wir versuchen daher bei Calls immer mit Bild zu sprechen, das gibt dann unserer Meinung nach den Gesprächen ein wenig mehr persönlichen Touch.

Simon Tischer

Seit Dezember 2015 schreibt Simon Tischer für Munich Startup. Vorzugsweise berichtet er über Studien, Hintergründe und von Veranstaltungen. Er studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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