Unser Interviewpartner Dr. Jochen Hurlebaus, Projektinitiator der Startup Creasphere und Head of Digital Health Innovation bei Roche Diagnostics International.
© Startup Creashpere

Startup Creasphere: Partner auf Augenhöhe für Digital Health-Startups

Seit 2018 gibt es mit der Startup Creasphere einen Accelerator in München, der sich ganz auf das Thema Digital Health fokussiert. Gegründet wurde der Accelerator vom Pharmaunternehmen Roche gemeinsam mit dem Seed-Investor Plug and Play. Mittlerweile sind weitere Partner an Bord, unter anderem Sanofi Consumer Healthcare, Lonza und die Bill & Melinda Gates Foundation. Das Programm hat sich bewährt und läuft bereits im fünften Batch. Dr. Jochen Hurlebaus, Projektinitiator der Startup Creasphere und Head of Digital Health Innovation bei Roche Diagnostics International, über den Ansatz der Startup Creasphere, die Trends des Jahres und was das Münchner Ökosystem für den Bereich Digital Health so einmalig macht.

Munich Startup: Startup Creasphere — worum geht’s genau?

Jochen Hurlebaus: Die Digitalisierung hat einen der größten Umbrüche in der Geschichte der Gesundheitsindustrie mit sich gebracht — und ist zugleich eine riesige Chance für die Patientenversorgung von morgen. Damit wir diese Chance nutzen können, müssen aus unserer Sicht die verschiedenen Akteure wie Gesundheitsunternehmen, Startups, Gesundheitsanbieter und Politik mit ihren unterschiedlichen Stärken zusammenarbeiten.

Mit der Startup Creasphere haben wir deshalb im Februar 2018 den ersten auf Digital Health fokussierten Accelerator in München gestartet. Heute ist er einer der größten Innovations-Hubs für das Gesundheitswesen in Europa.

Wir veranstalten zwei Batches im Jahr und befinden uns aktuell im fünften Batch. Insgesamt haben wir auf diese Weise schon mit mehr als 30 Startups aus der ganzen Welt zusammengearbeitet. Unser Ziel: Mit der Startup Creasphere wollten wir neue Wege gehen und Innovationen, neues Denken und gegenseitiges Lernen von Startups und Industrie fördern.

Munich Startup: Wie genau arbeitet Roche in der Startup Creasphere mit den Startups zusammen? Worauf legt ihr bei der Zusammenarbeit den Fokus?

Jochen Hurlebaus: Eines unserer Hauptanliegen in den Batches ist es, dass jeder seine Stärken voll einbringen kann. Nur so lassen sich innerhalb eines Batch Cycles über ca. zwölf Wochen gemeinsam vielversprechende Ideen und Technologien (weiter-)entwickeln und validieren.

Partner auf Augenhöhe

Wir verstehen uns dabei als Partner auf Augenhöhe für die Startups. Dabei ist uns die „Co-Creation“ besonders wichtig. Jedes Startup arbeitet gemeinsam mit Experten aus den Geschäftsbereichen an einem konkreten Pilotprojekt. Gleichzeitig vermitteln Mentoren hilfreiche Markteinblicke und Know-how. Am Ende eines Pilotprojekts steht in der Regel der Proof of Concept.

Durch den offenen Austausch und den Perspektivenwechsel ergeben sich in der Zusammenarbeit für beide Seiten neue Impulse. Zu unseren strategischen Schwerpunkten zählen insbesondere neue Ansätze, die unsere Roche Kerngeschäftsbereiche sinnvoll ergänzen, zum Beispiel Big Data, digitale Biomarker, klinische Algorithmen oder Decision-Support.

Unser Ziel ist, damit sowohl die Forschung und Entwicklung zu beschleunigen als auch neue digitale Lösungen auf den Markt zu bringen, um eine verbesserte Versorgung von Patienten durch personalisierte Medizin zu ermöglichen.

Munich Startup: Welche Voraussetzungen sollte ein Startup für die erfolgreiche Teilnahme an der Startup Creasphere mitbringen?

Jochen Hurlebaus: Wir achten inhaltlich auf eine hohe thematische und strategische Überschneidung mit Roche, die für die Startups und Mentoren einen klaren Anknüpfungspunkt bietet.

Darüber hinaus setzen wir bei der Auswahl und Bewertung der Bewerbungen auf Kriterien wie USPs, technologische Aspekte, das Gründerteam und den Reifegrad der digitalen Anwendungen. Es sollte bereits ein MVP (Anm. d. Red.: Minimum Viable Product) existieren, um eine produktive Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Munich Startup: Was bringt Startups die Teilnahme an einem Accelerator wie der Startup Creasphere?

Jochen Hurlebaus: Gerade der stark regulierte Gesundheitsmarkt macht es Startups trotz vielversprechender Lösungen häufig sehr schwer, da ihnen sowohl die Erfahrung und Ressourcen zur Erfüllung der länderspezifischen regulatorischen Anforderungen als auch der Zugang zu globalen Vertriebskanälen fehlen. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen globalen Player aus der Gesundheitsbranche kann ihnen daher entscheidende Vorteile bringen.

Mentoren, Know-how & Netzwerk

In erster Linie können die Startups mit Hilfe von erfahrenen Mentoren ihre Projekte konkret weiterentwickeln und sich Business Know-how aneignen. Die Coaches unterstützen sie dabei in unterschiedlichen Aspekten rund um ihre Lösung und ihr Geschäftsmodell. Darüber hinaus können sie durch die Interaktion mit einem führenden Pharma- und Diagnostikunternehmen wertvolle Kontakte in der Branche knüpfen und erhalten Zugang zum globalen Roche-Netzwerk.

Munich Startup: Der Trend des Jahres sind…!

Jochen Hurlebaus: … aufgrund der aktuellen Ereignisse leider Lösungen rund um COVID-19. Über die Tests wollen wir bei Roche unseren Beitrag leisten, und erfreulicherweise haben auch einige der Startups wie Medicus, Infermedia oder CloudMedx aus früheren und dem aktuellen Batch sehr schnell reagiert und arbeiten an Lösungen.

Darüber hinaus steht in diesem Jahr Holistic Disease Management im Mittelpunkt. Neue digitale Lösungen werden es künftig mehr und mehr möglich machen, den gesamten Versorgungsprozess eines Patienten von der Prävention über die Früherkennung bis hin zur erfolgreichen Therapiesteuerung ganzheitlich zu begleiten.

Munich Startup: Welche Eigenschaften macht die Münchner Startup Szene so besonders?

Jochen Hurlebaus: Die Münchner Startup Szene ist seit einigen Jahren sehr aktiv, besonders im B2B-Bereich — auch wenn sie dadurch im Vergleich zu Berlin mit seinem Schwerpunkt auf E-Commerce und Retail in der Öffentlichkeit immer noch weniger wahrgenommen wird.

Einmaliges Ökosystem im Bereich Digital Health

Gerade im Bereich Digital Health bietet München ein einmaliges Ökosystem. Neben zwei international renommierten Universitäten, die Technische Universität München (TUM) und die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), die beide stark in Förderprogramme für Startups eingebunden sind, haben auch viele der großen Technologiekonzerne wie Google und Microsoft sowie zahlreiche Pharma- und Diagnostikunternehmen ihre Standorte in München.

Darüber hinaus ist die Startup Creasphere hier räumlich mit anderen Industrieprogrammen wie dem Insurtech Hub Munich angesiedelt, so dass Startups auch vom Austausch über Industriegrenzen hinweg profitieren.

Munich Startup: Last but not least: Wie können sich Startups für eine Zusammenarbeit mit Roche bewerben?

Jochen Hurlebaus: Über unsere Website unter www.startupcreasphere.com.

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