© Konstantin Kolosov/ Pixabay

Corona sorgte 2020 für Rekord-Investments in Biotech

Deutsche Biotechnologie-Unternehmen sind mit ihren Finanzierungen auf Rekordjagd: Insgesamt nahmen sie im vergangenen Jahr knapp 3,1 Milliarden Euro an frischem Kapital auf, so viel Geld wie noch nie.

Wie die Analyse „Biotech am Tipping Point“ der Wirtschaftsprüfer von EY ergab, haben deutsche Biotechs durch Eigenkapitalfinanzierungen in Form von Risikokapital, Börsengang und Folgefinanzierungen rund 2,56 Milliarden Euro aufnehmen können. Zudem kamen noch Kapitalaufnahmen in Form von Wandelanleihen in Höhe von über 482 Millionen Euro. Alles zusammen entspricht einem Plus von 146 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2018.

Diese Entwicklung wurde dabei besonders von Einzelereignissen beeinflusst, die wiederum stark von der Corona-Pandemie geprägt wurden. So machten allein Biontech und Curevac, die beide Impfstoffe gegen COVID-19 entwickelt haben, mit 1,55 Milliarden Euro mehr als die Hälfte der gesamten Kapitalaufnahme aus.

Das den Biotech-Startups anvertraute Risikokapital summierte sich 2020 auf insgesamt 882 Millionen Euro aus. Das entspricht einem Anstieg von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt hier im dritten Jahr in Folge der positive Trend im Gesamtzufluss von VC fort. Bereits von 2017 auf 2018 gab es mit 92 Prozent einen sehr starken Anstieg, von 2018 auf 2019 betrug er immerhin 24 Prozent.

Deutschland vor Frankreich und hinter Großbritannien

Im europäischen Vergleich konnte Deutschland im vergangenen Jahr Frankreich weit hinter sich gelassen. 2019 lagen beide Länder mit einem Risikokapital von je 479 Millionen Euro noch gleichauf, doch konnte die französische Biotech-Landschaft das deutsche Wachstum nicht nachahmen. Stattdessen sammelten die Startups jenseits des Rheins mit 386 Millionen Euro sogar weniger Geld ein als noch im Vorjahr. Dafür rückte die Schweiz hinter Deutschland an die dritte Position mit 402 Millionen Euro Venture Capital. Allerdings stagnierte der VC-Gesamtwert der Eidgenossen dabei auf dem Wert des Vorjahres. Europäischer Spitzenreiter bleibt das Vereinigte Königreich, wo sich das Volumen auf knapp 1,1 Milliarden Euro verdoppelt hat.

Bei dieser Betrachtung zeigt sich allerdings erneut die Auswirkung bestimmter Einzelereignisse. Denn ohne die Venture-Capital-Runden für Curevac wäre Deutschland Schlusslicht im Vergleich dieser vier Länder. Das Unternehmen konnte 2020 insgesamt 560 Millionen Euro Venture Capital einsammeln.

Insgesamt erreichte die Kapitalaufnahme europäischer Biotech-Unternehmen im vergangenen Jahr 16,2 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Wachstum von rund 25 Prozent. In den USA hingegen konnte die Biotech-Industrie 99,36 Milliarden US-Dollar einsammeln und die Kapitalaufnahme gegenüber dem Vorjahr so fast verdoppelt (+ 90 Prozent).

Weniger Gründungen, München bleibt Hochburg

Weniger positiv sieht es hingegen bei den Neugründungen aus. Wurden im Vorjahr noch 29 Biotech-Unternehmen in Deutschland neu gegründet, waren es 2020 nur noch 19. Als Gründe hierfür führt die Studie den Pandemie-Lockdown und die weggefallenen Präsenzveranstaltungen der Gründerszene an.

Regional betrachtet besteht bei den Neugründungen weiterhin ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Bayern (6 Startups, bzw. 32 Prozent) und Baden-Württemberg (4; 21 Prozent) stellen über die Hälfte der Neugründungen, mit geringem Abstand gefolgt von Nordrhein-Westfalen (3; 16 Prozent), Berlin und Niedersachsen (jeweils 2; 11 Prozent). In Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz gab es je eine Gründung. Bei den beiden Spitzenreitern bleiben die Gründungen weiterhin stark auf die etablierten Hochburgen München (4) inklusive deren Einzugsbereichen (Wolfratshausen und Polling) und Heidelberg (2, Heidelberg und Ketsch) wie auch auf Tübingen und Freiburg im Breisgau (Stegen) fokussiert.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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