Die Edjufy-Gründer Laurenz Glück und Marcel Walberer (v.l.)
Foto: Edjufy

Edjufy: Dieses Startup digitalisiert die Schulen

Viele deutsche Schulen werden noch weitgehend analog verwaltet, Papier und Telefon sind die üblichen Kommunikationswege. Edjufy will mit einer modularen Plattform den Schulen ins digitale Zeitalter verhelfen. Wir haben mit den Gründern Laurenz Glück und Marcel Walberer gesprochen.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch bitte kurz vor!

Edjufy: Wir sind Marcel Walberer (26), Mitgründer und verantwortlich für Produktmanagement und Vertrieb, und Laurenz Glück (25), Mitgründer und verantwortlich für die Entwicklung der Edjufy-Plattform.

Marcel blickt inzwischen auf mehrere Jahre Erfahrung in der Einführung und Betreuung von komplexen Softwarelösungen mit den Schwerpunkten ERP-Schnittstellen, CRM-Systeme und Cloud-Architektur zurück. Als Technischer Projektleiter betreute er viele namhafte Kunden, koordinierte Entwicklerteams und erstellte technische Konzepte für die Erschließung komplexer Systeme. Seine Berufserfahrung reicht von der Agentur bis zum DAX-Konzern und daher ist er mit seiner Erfahrung und seiner Prozessdenke für das Produktmanagement und die Zusammenarbeit mit den Schulen verantwortlich.

Angefangen hat Laurenz als Softwareentwickler in einer Münchner Internetagentur. Hier konnte er schon früh die Verantwortung für die Umsetzung großer Softwareprojekte aus den verschiedensten Branchen übernehmen und viele Erfahrungen im Bereich der Softwareentwicklung sammeln. Mit seinem Wechsel in die Startup-Welt hat Laurenz bei einem Münchner Startup viele wertvolle Erfahrungen im Bereich der Entwicklung einer hochskalierbaren Online-Plattform gewinnen können. Mit vielen Jahren Erfahrung in der Softwareentwicklung ist Laurenz heute für die Entwicklung und Infrastruktur der Edjufy-Plattform verantwortlich.

Laurenz und Marcel kennen sich bereits seit der Schulzeit und haben 2013 eine kleine Agentur für Webdesign und Medientechnik als Nebentätigkeit gegründet. Im Rahmen eines Projekts für eine Schulwebsite entstand 2018/19 die Idee zur Entwicklung von Edjufy. Seit 2020 arbeiten Laurenz und Marcel in Vollzeit an der Weiterentwicklung der Edjufy-Plattform.

Edjufy: „Möchten unseren Schulen wieder mehr Zeit für das Wesentliche verschaffen, die Bildung unserer Kinder“

Munich Startup: Welches Problem löst Euer Startup?

Edjufy: Wir haben uns mit unserem Produkt Edjufy den Herausforderungen in Sachen digitale Unterstützung in Schulverwaltung und -kommunikation verpflichtet. Denn viele Schulen sind auch heute noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen. Elternbriefe werden noch händisch und in Papierform ausgeteilt, was den Lehrkräften wertvolle Unterrichtszeit raubt. Die Kinder werden noch telefonisch krankgemeldet und im Sekretariat werden abwesende und entschuldigte SchülerInnen noch manuell abgeglichen. Es werden Klassenbücher gesucht, Formulare ausgedruckt und Hängeregister für die immer gleichen und wiederkehrenden Aufgaben gepflegt.

Hier kommt Edjufy ins Spiel. Denn mit Edjufy geben wir unseren Schulen eine hochperformante und automatisch skalierende Online-Plattform an die Hand, die genau solche Aufgaben erfüllt. So bieten wir unseren Kunden eine Vielzahl an Modulen, die die verwaltungs- und kommunikationstechnischen Herausforderungen einer modernen Schule sicher digitalisieren und so die BenutzerInnen im Schulalltag aktiv unterstützen. Wir möchten mit Edjufy Kommunikationsgrenzen überwinden und unseren Schulen wieder mehr Zeit für das Wesentliche verschaffen, die Bildung unserer Kinder.

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„Prozesse digitalisieren, anstatt sie einfach nur vom Papier 1:1 in den Computer zu elektrifizieren“

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Edjufy: In der Tat gibt es für verschiedene Verwaltungsaufgaben in den Schulen vereinzelte Insellösungen. Wir bei Edjufy sehen unser Produkt aber als ganzheitliche Lösung, das mit seinem Umfang und seinem modernen technologischen Ansatz auf dem Markt einmalig ist.

Die Besonderheit an unserer Plattform ist neben den flexiblen Einsatzmöglichkeiten vor allem die Konnektivität zwischen den Modulen. So tauschen die Edjufy-Module Informationen untereinander aus, um hierdurch einen fortlaufenden Prozess und einen höchstmöglichen Mehrwert zu bieten.

Ebenfalls besonders ist die Herangehensweise in der Planung und Weiterentwicklung unseres Produkts. Um Edjufy so nah wie möglich an die verwaltungstechnischen Herausforderungen unserer Schulen zu konzipieren, setzen wir in der Entwicklung auf eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Lehrkräften, SekretärInnen, SchulleiterInnen und Eltern.

So schaffen wir es mit viel Know-how und viel Input von unseren Partnerschulen, die Prozesse zu digitalisieren und dabei zu vereinfachen, anstatt sie einfach nur vom Papier 1:1 in den Computer zu elektrifizieren.

Munich Startup: Was waren bisher Eure drei größten Herausforderungen?

Edjufy: Unser Produkt ist eine ganzheitliche Plattformlösung für Schulen und muss daher einfach und modular erweitert werden können. Daher stand die größte Herausforderung ganz am Anfang und weit vor dem ersten Modul. Eine solide Basis, die an allen Schulen anwendbar und gleichzeitig leicht erweiterbar ist.

Die zweite Herausforderung der wir uns ebenfalls sehr früh in der Konzeption gestellt haben, war die Performance und Verfügbarkeit der Anwendung. Uns war von Beginn an klar: Schulen, Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte erwarten zu jedem Zeitpunkt eine schnelle und gut funktionierende Anwendung. Nur mit großen Servern alleine ist so etwas nicht mehr zeitgemäß zu realisieren. Aus diesem Grund besteht die Edjufy-Systemlandschaft aus einzelnen, automatisch skalierenden Komponenten, mit denen wir eine unabhängige Parallelisierung verschiedener Services realisiert haben.

Somit sind wir in der Lage, komplett automatisch sowohl auf ein steigendendes Nutzeraufkommen als auch auf Lastspitzen z.B. zwischen 7:30 Uhr und 8:30 Uhr einzugehen. In solch einem Fall wird z.B. eine weitere Backend-Instanz zur Lastverteilung hoch- und nach ausklingen der Last automatisch wieder heruntergefahren. Mit Hilfe dieser Technologie gewährleisten wir unseren BenutzerInnen zu jedem Zeitpunkt eine hochperformante Anwendung und das bei niedrigsten Infrastrukturkosten und CO2-Emissionen.

Somit kommen wir auch schon zur letzten Herausforderung: Datenschutz und die Wahl des Rechenzentrums. Technisch als auch in Sachen Datenschutz haben wir von Edjufy an unseren Rechenzentrumsbetreiber höchste Ansprüche.

Einmal muss das Rechenzentrum über ein C5-Zertifikat vom BSI verfügen, um überhaupt im behördlichen Einsatz verwendet werden zu dürfen. Zudem muss der Anbieter modernste Technologien wie z.B. Managed Kubernetes unterstützen, CO2-neutral laufen und seit den letzten politischen Datenschutz-Entwicklungen wie „Schrems II“ und „CLOUD Act“ seinen Unternehmens-Hauptsitz in Deutschland haben. Die Liste an Anforderungen war im Detail noch viel länger und am Ende gab es nur noch zwei Anbieter, von denen T-Systems als deutsches Unternehmen dann das Rennen gemacht hat.

„Jede Schulbehörde und jeder Sachkostenträger in Deutschland wird uns kennen“

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Edjufy: Viele Schulen sehen trotz des Weckrufs „Corona-Pandemie“ immer noch nicht den Bedarf für digitale Unterstützung in ihren Verwaltungsprozessen. Unser Ziel fürs nächste Jahr ist daher, neben dem Erreichen von möglichst vielen digitalaffinen Schulen, auch die Schulen zu überzeugen, die der Digitalisierung noch kritisch gegenüberstehen. Und egal für welchen Anbieter und für welches System sich diese Schulen dann entscheiden, hier muss ein Umdenken stattfinden, welches wir in jedem Fall vorantreiben möchten.

Blickt man etwas weiter in die Zukunft kann man sagen, die Zeichen stehen ganz klar auf Wachstum. Wir möchten in den nächsten 5 Jahren in Deutschland auf jeden Fall mit zum Industriestandard für Schulsoftware gehören und bei jeder neu errichteten Schule mindestens im Auswahlprozess für die Grundausstattung gehören. Jede Schulbehörde und jeder Sachkostenträger in Deutschland wird uns kennen und unser System wird zu diesem Zeitpunkt auch in Schulen in anderen europäischen Ländern im Einsatz sein.

Munich Startup: Wie schätzt Ihr den Startup-Standort München ein?

Edjufy: Als geborene Münchner war die Wahl unseres Standorts in der Gründungsphase natürlich einfach. Jedoch spielt München für Startups eine entscheidende Rolle. Denn München zieht auf der einen Seite – gerade bei IT-Personal – die Menschen aus vielen verschiedenen Städten und Ländern wie ein Magnet an. Und auf der anderen Seite stehen die vielen Münchner Ausbildungsbetriebe und Hochschulen, die den lokalen Arbeitsmarkt mit vielen jungen Menschen mit den besten Grundvoraussetzungen versorgen.

Munich Startup: Schneller Exit oder langer Atem?

Edjufy: Das Zusammenspiel von unseren Kunden, unserem Produkt und unserer Branche ist vermutlich etwas besonders, wenn man es mit B2B-Startup-Lösungen vergleicht. Und nachdem uns persönlich wirklich viel an unserer Mission liegt, Schulen zu unterstützen, um mehr Zeit für die Bildung zu schaffen, würde ein schneller Exit diesem Grundgedanken eher widersprechen. Daher ganz klar: Langer Atem.