Das Team des Digital Hub Mobility.
© Digital Hub Mobility

Digital Hub Mobility: Nachhaltige Mobilität für alle

Der Digital Hub Mobility will Mobilität neu und nachhaltig denken. Wie das genau aussieht und was aktuell im Hub passiert, erfahren wir im Interview.

Munich Startup: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat an mehreren Standorten in Deutschland Hubs eingerichtet, um die Zusammenarbeit verschiedener Akteure eines Ökosystems zu fördern. In München ist unter anderem der Digital Hub Mobility angesiedelt. Könnt Ihr uns erklären, welche Akteure in diesem Hub mit an Bord sind und welche konkreten Ziele mit diesem Zusammenschluss verfolgt werden?

Digital Hub Mobility: Unsere Vision ist es, nachhaltige Mobilität für alle in einer lebenswerten Stadt zu schaffen. Wir wissen, dass dies nur unter Einbezug aller relevanten Akteure im Mobilitätsbereich geschehen kann. Aus diesem Grund bauen wir seit 2017 ein offenes Mobilitätsökosystem auf. Dabei verfolgen wir den Ansatz, relevante Akteure über konkrete Projekte miteinander zu verknüpfen, um einen direkten Mehrwert entstehen zu lassen. Mittlerweile tummeln sich in unserem Ökosystem etablierte Unternehmen, Startups, Vertreter von Städten, kommunale Mobilitätsanbieter, Forschungseinrichtungen, Studenten/Absolventen, Investoren, Politik und weitere.

Rasante Entwicklung als Chance

Das Ökosystem verstehen wir als eine Antwort auf rasante Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung sowie im Mobilitätssektor generell. Diese brechen Branchengrenzen auf. Mit unserem ausgewogenen Ökosystem begreifen wir diesen Umstand jedoch als Chance. Es ist zunehmend mehr unser Ziel, bisher branchenfremde Unternehmen — beispielsweise Finanzunternehmen — in unser Ökosystem zu integrieren, damit wir die Zukunft der Mobilität ganzheitlich und gemeinsam gestalten können.

Munich Startup: Ein Hauptbestandteil des Digital Hub Mobility ist bisher die Digital Product School gewesen. Mittlerweile habt ihr ein weiteres Format namens “Citizen Mobility”. Was genau passiert bei beiden?

Digital Hub Mobility: Das ist richtig. Seit dem Frühjahr 2019 arbeiten wir innerhalb des Ökosystems auch über Citizen Mobility zusammen. Dabei eint beide Formate der Hub-Gedanke, also Mehrwerte gemeinsam zu erzielen sowie den Nutzer und Bürger in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu stellen.

Mit der Digital Product School (DPS) bieten wir Unternehmen und Städten die Möglichkeit, digitale Lösungen für Mobilitätsprobleme zu entwickeln. Die Projektteams arbeiten dabei methodisch wie moderne Tech-Startups und sind in ihrer Zusammensetzung vielfältig ausgeprägt: Ein Team besteht sowohl aus Mitarbeitern von verschiedenen Unternehmen sowie Absolventen und Freiberuflern aus der ganzen Welt. Neben der gewollten Vielfalt sind die Teams zudem zum gleichen Teil mit weiblichen und männlichen Teilnehmern besetzt. Die Teilnehmer sehen sich zu Beginn der dreimonatigen Vollzeitprojekte großen Herausforderungen gegenübergestellt. Allerdings werden die Teams von Experten begleitet, die mit ihrem Know-how rund um die Uhr unterstützen können.

Bisher kann die DPS auf bemerkenswerte Erfolge zurückblicken. Sowohl über Ausgründungen als Startup, als auch über Spin-offs aus Partnerunternehmen wurden Projekte nach Ende der dreimonatigen Projektzeit weitergeführt. Darüber hinaus wurden Lösungen in einzelnen Unternehmen zur Marktreife entwickelt oder auch in Kooperation weitergeführt.

Zu letzterem gehört beispielsweise das Kooperationsprojekt zwischen Nokia und der Freien und Hansestadt Hamburg. Gemeinsam entwickelten die Teilnehmer eine intelligente Lösung, die per Smart Device automatisch Baustellen detektieren kann. Ermittelte Informationen und Daten werden auf eine zentrale Datenplattform übertragen und allen Interessenten zugänglich gemacht. Davon profitieren nicht nur alle Beteiligten der Baustellenplanung, sondern zudem die Verkehrsplanung. Diese kann jederzeit dezentral auf die Daten zugreifen und den Verkehr entsprechend ausrichten. Derzeit versuchen beide Parteien die Lösung unter Realbedingungen zu testen und den dahinter liegenden Algorithmus weiterzuentwickeln.

Alle relevanten Köpfe eines Ökosystems zusammenbringen

Während die DPS die Ausbildung in agilem Arbeiten sowie eine digitale Lösung als Ziel hat, stellt Citizen Mobility den Gedanken des Co-Developments sowie die Umsetzung in Städten stärker in den Vordergrund. Für die Problemstellungen werden dabei alle relevanten Köpfe des Ökosystems eingebunden, damit ein konkretes Ergebnis erzielt werden kann. Zusätzlich wird das bereits oben skizzierte Ökosystem bei Citizen Mobility um die Komponente des Stadtbewohners erweitert. Er nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Unter Einbezug von Bürgern ist es möglich, die gesellschaftliche Akzeptanz von Lösungsansätzen zu analysieren. Je größer diese ist, desto höher ist die Chance, dass die Lösung nachhaltig umgesetzt werden kann.

Ein weiteres Ziel von Citizen Mobility ist es, eine fruchtvolle Verbindung zwischen allen Beteiligten herzustellen. Insbesondere für Startups ist es oft schwer, Ideen und Lösungen unkompliziert in der Stadt zu testen bzw. Kooperationspartner zu finden. Mit Citizen Mobility überbrücken wir diese Art von Schwierigkeiten. Eine Zusammenarbeit, die normalerweise nur durch lange interne Absprachen oder Prozesse möglich ist, wird mit Citizen Mobility realisierbar. In zweiwöchigen Sprints arbeiten alle Projektbeteiligten dezentral an Teilaufgaben. Zum Ende jedes Sprints stellen alle Teilnehmer bei uns vor Ort gegenseitig ihre Ergebnisse vor. Gleichzeitig findet die Planung des nächsten Sprints statt. Nach drei Monaten schließen die Citizen Mobility-Teams ihre Arbeit im Rahmen des Formats ab. Dies stellt jedoch nicht das Ende sondern den möglichen Aufsatzpunkt einer zukünftigen und vertieften Kooperation dar. In der dreimonatigen Laufzeit von Citizen Mobility konnten wir bereits die Weichen für Anschlussprojekte zwischen den beteiligten Startups und den Unternehmenspartnern stellen.

Munich Startup: Stichwort Startups: Warum sind Startups für die digitale Transformation so wichtig? Und worauf legt Ihr bei der Zusammenarbeit mit Startups den Fokus?

Digital Hub Mobility: Durch ihre Größe können sich Startups aktuellen Gegebenheiten besser anpassen und schnell auf Veränderungen in der Umwelt reagieren. Nicht nur aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das eine Bereicherung. Auch auf betriebswirtschaftlicher Ebene können etablierte Unternehmen von Startups profitieren und von ihnen lernen.

„Unterm Strich sehen wir Startups für die digitale Transformation als essenziell an“

Mit Citizen Mobility adressieren wir diese Überlegung. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten läuft über agile Arbeitsmethoden. Insbesondere etablierte Organisationsformen können so andere Arbeitsweisen erfahren während sie mit Startups zusammenarbeiten.

In der DPS, bei der alle Teilnehmer lernen, wie ein Tech-Startup zu arbeiten, spielt dieser Gedanke ebenfalls eine entscheidende Rolle. DPS-Teilnehmer, die normalerweise in einem Unternehmen arbeiten, können Gelerntes nach Beendigung des Programms in ihren Organisationen anwenden. Somit kann in Zeiten digitaler Transformation eine Innovationskultur in Unternehmen etabliert werden. Unterm Strich sehen wir Startups für die digitale Transformation als essenziell an.

Bei der Zusammenarbeit mit Startups legen wir auf verschiedene Aspekte wert. Dabei ist uns am wichtigsten, dass die Einstellung sowie die Motivation stimmen. Darüber hinaus sollte die Lösung des Startups zu der Problemstellung passen, die alle Beteiligten gemeinsam bearbeiten möchten. Zu guter Letzt freuen wir uns bei allen Beteiligten über Offenheit und eine gewisse Portion Humor.

Munich Startup: Könnt Ihr uns ein paar Startups nennen, mit denen Ihr derzeit projektbezogen zusammenarbeitet? Und auf wen gehen Startups zu, wenn sie mit Euch ins Gespräch kommen wollen?

Digital Hub Mobility: Bei Citizen Mobility arbeiten wir derzeit mit drei Startups zusammen: Moonride bietet eine Plattform an, über die man Mobility-Sharing-Angebote wie E-Kickscooter und Leihräder in 490 Städten finden und buchen kann. Teratrace ermöglicht öffentlichen Mobilitätsdienstleistern Fahrgastströme in Echtzeit zu messen und die Auslastung ihrer Netze vorherzusagen. Mit Upride arbeiten wir gemeinsam an der Erhebung und geschickten Verknüpfung von Radverkehrsdaten sowie an smarten Parkzonen. Interessierte Startups können jederzeit gerne mit Henning Richarz in Kontakt treten.

Munich Startup: Warum eignet sich München als Hub-Standort für den Bereich Mobilität besonders? Welche Unterstützung erfahrt Ihr vor Ort?

Digital Hub Mobility: In München hat sich über viele Jahre hinweg eine ausgeprägte Automotive-Industrie angesiedelt, die globale Strahlkraft hat. Die Bedeutsamkeit des Standorts hat in den letzten Jahren sogar chinesische Automobilfirmen angezogen, die ihre globalen Designzentren hier eröffnet haben. Die traditionell aus Fahrzeugherstellern, Zulieferern und Dienstleistern bestehende Automobilindustrie wird mittlerweile durch mehrere Mobilitätsunternehmen erweitert. Flixbus, Lilium sowie die Initiative TUM Hyperloop sind dabei wohl die prominentesten Beispiele.

Durch das ausgeprägte universitäre Umfeld können in München zudem die nötigen Fachkräfte für die Mobilitätsindustrie ausgebildet werden. Diese und weitere Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie München zum Standort für den deutschen “Digital Hub Mobility” ernannt hat. Unterstützung erfahren wir jedoch nicht nur auf Bundesebene. Das bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie unterstützt uns finanziell bei unserem Vorhaben, wofür wir sehr dankbar sind.

Munich Startup: Last but not least — Der Trend des Jahres im Bereich Mobilität ist…!

Digital Hub Mobility: In Zeiten der Digitalisierung werden Kooperationen immer wichtiger. Auch im Bereich Mobilität ist das festzustellen. Anfang des Jahres verkündete die MVG ihre Kooperation mit Trafi, um künftig viele Mobilitätsdienste aus einer App anbieten zu können. Wir glauben, dass wir Kooperationen dieser Art in Zukunft häufiger sehen werden.

Darüber hinaus wird der Einbezug von Kommunen und Bürgern zunehmend wichtiger, damit nachhaltigere Mobilitätslösungen geschaffen werden können. Genau bei diesen Entwicklungen versuchen wir, als Digital Hub Mobility, alle Akteure zu unterstützen.

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