Kennst Du die drei B’s im deutschen Startup-Alphabet?
© Andreas Heddergott - LH München

Kennst Du die drei B’s im deutschen Startup-Alphabet?

Wenn von der Deutschen Startup-Szene die Rede ist, denken viele — und dies auch zurecht — an die Metropole Berlin. Allerdings gibt es in Süddeutschland zwei einzigartige und stetig wachsende Startup-Kulturen, die von lokalen Industrieunternehmen mitfinanziert werden.

An einem Freitagnachmittag im September, kurz vor der deutschen Bundestagswahl, rief mich ein dänischer Journalist an. Er wollte einen Artikel über die Möglichkeiten für dänische Unternehmen in Süddeutschland schreiben.

Während unseres Gesprächs hat der Journalist mir eine Frage gestellt, die ich jetzt, nach drei Jahren als Innovationsattaché in Süddeutschland, ausführlich beantworten möchte: Warum ist unser dänisches Innovation Centre ausgerechnet in München platziert und nicht z.B. in Berlin?

Es besteht kein Zweifel, dass Berlin zu Europas größten und dynamischsten Startup-Szenen zählt. Aber genau deswegen würde ich sagen: Kennt man nur ein „B“ des deutschen Startup-Alphabets, dann hat man zwei Startup-Kulturen übersehen, die einzigartige Möglichkeiten und spannende Ökosysteme als Merkmale haben: Bayern und Baden-Württemberg.

Mit 40.000 neuen Gründungen im Jahr mag die Startup-Szene in Berlin größer als die in Süddeutschland sein, aber viel deutet darauf hin, dass Bayern und Baden-Württemberg für dänische und internationale Startups besonders spannende Regionen sind — nicht zuletzt, weil süddeutsche Startups oftmals eine lange Lebensdauer aufzeigen.

Enge Zusammenarbeit mit der Industrie

Ein entscheidendes Erfolgskriterium für süddeutsche Startups ist die Industrielandschaft in sowohl Bayern als auch in Baden-Württemberg, wo ein Drittel der Deutschen DAX-Unternehmen — hierunter Allianz, BMW, Daimler, SAP und Siemens — ihren Hauptsitz haben. Viele von diesen Industriegiganten investieren zielgerecht in junge Unternehmen, wodurch Startups in Süddeutschland in der Anfangsphase ein wichtiger Zugang zu Kapital gewährt wird.

Aber es geht um viel mehr als Kapital und Finanzierung. In Süddeutschland ziehen Startups und Forscher auch Nutzen davon, dass große Unternehmen gerne mit ihnen zusammenarbeiten wollen.

Auf dem Papier hören sich traditionsreiche Unternehmen in kreativen Startup-Ohren vielleicht eher ein bisschen altmodisch an, aber mit ihrem jährlichen Umsatz und vielen Zulieferern sind sie sehr attraktive Partner für junge Unternehmen — hierunter auch dänische — die auf dem deutschen Markt Fuß fassen möchten.

Neue ambitionsreiche Initiativen im Südwesten

Im südwestlichsten Teil Deutschlands war ich oft in Baden-Württemberg zu Besuch. Hier gibt es kein einziges Zentrum oder ein „Hotspot“ für Innovation, die Ideen sind hingegen in allen Ecken des Bundeslandes zu finden. Mit ungefähr 573.000 Selbständigen im ganzen Bundesland und auch mehreren DAX-Unternehmen habe ich in allen Gegenden Baden-Württembergs die Startup-Mentalität treffen können.

In Baden-Württemberg blüht das Startup-Ökosystem, weil auch hier die größten Unternehmen in den letzten Jahren eine Startup-Mentalität fördern. Zum Beispiel hat Daimler eine Innovationsplattform namens „Startup Autobahn“ mitgegründet, die den Austausch und die Realisierung von Ideen junger, globaler Tech-Unternehmen in Zusammenarbeit mit Daimlers Industriepartnern ermöglicht.

Startup Autobahn ist kein Einzelfall. Das Projekt kennzeichnet einen allgemeinen Wunsch bei süddeutschen Industriegiganten, die dazu bereit sind, ihre traditionellen Produktions- und Unternehmensmodelle umzudenken. Hier gehören Tradition und Innovation zusammen.

Und es lohnt sich: In der letzten Runde von Startup Autobahn nahmen 28 Startups teil, die insgesamt mehr als 50 gemeinsame Projekte mit kommerziellen Partnern realisierten.

München: „Shared Agenda“ für eine gemeinsame Zukunft

München kann viele wichtige Faktoren abhaken, die eine ideale Szene für Jungunternehmer ausmachen. Die Stadt ist von der EU-Kommission als „top ICT Hub Europas“ ausgezeichnet worden. Das  Bundesland Bayern will mehrere Milliarden Euro in die Digitalisierung investieren und insgesamt arbeiten 380.000 Menschen in dem ICT-Sektor in Bayern.

Gleichzeitig gehören die zwei Münchner Universitäten, Technische Universität München (TUM) und Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), zu den innovativsten Universitäten Deutschlands und Europas. Zu dieser exklusiven Gruppe gehört auch noch die Universität in Erlangen-Nürnberg, die eine Stunde mit dem Zug von München entfernt ist.

DAX-Unternehmen wie Allianz, BMW und Siemens unterstützen aktiv die lokalen Universitäten und fördern Innovation und die Gründungen neuer Startups. Diese Unterstützung großer Unternehmen hat dazu beigetragen, dass z.B. TUM als Top-Gründerhochschule Deutschlands gilt.

Zudem gibt es in Bayern die Social Entrepreneurship Akademie — Deutschlands größtes Universitätsnetzwerk für Sozialunternehmer. Es wurde 2010 als gemeinsames Projekt zwischen Münchens vier universitätsbasierten Unternehmenszentren gegründet und zeigt, dass auch Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle in der Startup-Kultur spielt.

Nach drei Jahren als Innovationsattaché habe ich außer den guten Zahlen und einem gesunden Wachstum in Süddeutschland, auch die besondere Zusammenarbeitskultur zwischen Politik, Unternehmen und Forschern in den beiden Bundesländern zur Kenntnis genommen.

Eine Ursache des süddeutschen Erfolges würde ich mit dem Begriff „Shared Agenda“ zusammenfassen. Auf allen Ebenen findet man hier eine gemeinsame Einstellung, dass ein gesundes Startup-Ökosystem dazu beiträgt, die Regionen innovativ zu machen und die großen Unternehmen für die Zukunft abzusichern.

Wenn über die Startup-Kultur in Deutschland geredet wird, sollte man sich also vor Augen halten, dass das Alphabet nicht nur ein B, sondern mindestens drei B’s beinhaltet.

Innovation Centre Denmark Munich ist auf Twitter @ICDK_MUC zu finden.


Zur Autorin:

 Emilie Normann, Innovationsattaché @ Innovation Centre Denmark Munich, ein Teil des dänischen Ministeriums für Bildung und Forschung und Außenministeriums. Emilie Normann hat sich in den letzten drei Jahren mit der Startup- und Forschungskultur in Deutschland beschäftigt. Eine Version dieser Kolumne wurde ursprünglich auf der dänischen Website MM Next veröffentlicht.

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