Porträt Brabbler: Wie die GMX-Gründer einen neuen Messenger erschaffen

Porträt Brabbler: Wie die GMX-Gründer einen neuen Messenger erschaffen

Das Münchner Startup Brabbler entwickelt eine Kommunikationsplattform, die Privatsphäre für Privatpersonen und Vertraulichkeit für Unternehmen sicherstellen soll. Bereits 2015 riefen die ehemaligen GMX-Gründer das neue Unternehmen ins Leben. Mittlerweile beschäftigt die Firma mit Sitz in München-Neuaubing 71 Mitarbeiter aus 23 Nationen. Im Juli 2017 erhielt das Startup eine kräftige Finanzspritze — 15 Mio. Euro investierte die Familie Stiefel (Mitbegründer von Media Markt) in das Jungunternehmen. Wir haben mit Eric Dolatre, einem der Gründer, gesprochen.

Eric Dolatre, einer der GMX-Gründer und Gründer und CEO von Brabbler.

Was können wir uns unter Brabbler vorstellen – kurz dargestellt in drei Sätzen?

Brabbler wurde von uns, den GMX-Gründern Karsten Schramm, Peter Köhnkow und mir, Eric Dolatre, sowie dem Finanzexperten Jörg Sellmann, ins Leben gerufen, um Vertraulichkeit und Privatsphäre in der digitalen Kommunikationswelt herzustellen.

Für Unternehmen bieten wir mit ‚ginlo @work‚ effiziente Teamkommunikation mit voller Datensicherheit. Für Privatnutzer wird es eine App geben, die grenzenlose Kommunikation ermöglicht – als echte Alternative zu den kostenlosen und werbefinanzierten Kommunikationsdiensten, die sich immer wieder als wahre Datenkraken entpuppen.

Eine Alternative zu den Datenkraken

Was kann Brabbler besser als WhatsApp und Co.?

ginlo basiert, im Gegensatz zu kostenlosen Messaging-Diensten wie WhatsApp und Co., auf Vollverschlüsselung. Unser Service geht also weit über ‚Ende-zu-Ende-Verschlüsselung‘ hinaus – und ist nicht werbefinanziert. Unternehmen beziehungsweise Nutzer haben so die volle Hoheit über ihre Daten und können diese bestmöglich schützen. Als Dienst, der ‚made and hosted in Germany‘ ist, unterliegen wir außerdem den deutschen Datenschutzgesetzen und -regelungen, die zu den strengsten der Welt gehören.

Das ist ein wichtiger Punkt. Aber sichere Datenaustauschformen wie De-Mail haben sich bislang in Deutschland schwergetan. Wie schafft Ihr es, Euch am Markt durchzusetzen?

Die Menschen warten auf Alternativen. Als Facebook bekannt gab, Daten mit WhatsApp auszutauschen, gab es einen regelrechten Ansturm auf Dienste, die einen alternativen Ansatz bieten. Nicht zuletzt an der umfassenden Resonanz auf unsere kürzlich abgeschlossene Beta-Phase sieht man, dass der Bedarf für einen seriösen, unabhängigen Anbieter bei Privatnutzern größer denn je ist.

Der richtige Zeitpunkt für Brabbler

Darüber hinaus stehen wir kurz vor Inkrafttreten der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) und Unternehmen suchen nach Lösungen, mit denen sie rechtlich auf der sicheren Seite sein können, ohne auf die Vorzüge unmittelbarer digitaler Kommunikation verzichten zu müssen.

Es ist schlicht der richtige Zeitpunkt für das, was wir vorhaben. Zudem sind wir der Ansicht, dass frühere Projekte meist auch zu kompliziert für den Nutzer waren. Die einfache Bedienbarkeit für den Nutzer ohne technisches Know-how hat bei uns höchste Priorität.

Und natürlich hilft uns auch, dass wir es mit GMX schon einmal geschafft haben, einen Service hier in Deutschland zu etablieren – auch gegen große Platzhirsche aus Übersee.

Wie kam es denn dazu, dass Ihr als ehemalige GMX-Gründer erneut zur Gründung zusammengefunden habt?

Die Idee zu ‚ginlo‘ ist aus unseren eigenen Erfahrungen als User heraus entstanden. Die ganzen kostenlosen, meist US-amerikanischen Kommunikationsdienste sind ja nur vermeintlich kostenlos. In Wahrheit bezahlt man sie ziemlich teuer – nämlich mit dem Verlust seiner Privatsphäre, da sie umfassende Profil- und Nutzungsdaten erheben. Teilweise verzichtet man sogar auf die Urheberrechte an den Dateien, die man austauscht. Mit Privatsphäre hat das nichts mehr zu tun.

Gleichzeitig geben im geschäftlichen Umfeld Unternehmen bereitwillig ihre Geschäftsgeheimnisse an US-basierte Cloud-Services wie beispielsweise Sales Force ab. Wir sehen den Grund für diese Missstände im Mangel an Alternativen und haben uns deshalb erneut zusammengefunden und die Brabbler AG gegründet. Als Co-Gründer konnten wir den Finanzexperten Jörg Sellmann für die Idee begeistern.

Die Suche nach Investoren gestaltete sich einfacher

Welche Vorteile habt Ihr als ehemalige GMX-Gründer? Und: Gibt’s auch Nachteile, die aus einem so großen Erbe entstehen?

Als erprobte Gründer haben wir natürlich einige Erfahrungen aus GMX-Zeiten mitgebracht. Außerdem begleiten wir Entrepreneurs als Munich Angels seit vielen Jahren. So haben wir gelernt, wie wichtig es ist, einen Finanzprofi mit ins Gründerteam zu holen, den wir in Jörg Sellmann gefunden haben. Und die Suche nach Investoren war bei Brabbler ein gutes Stück einfacher als bei GMX.

Wenn man allerdings bereits einmal erfolgreich im Markt war, sind natürlich die Erwartungen, die an uns gestellt werden, sehr hoch. Somit ist der Druck ein gutes Stück höher als damals.

„Startup-Hype in München bleibt ungebrochen“

Wenn Sie die größte Herausforderung seit Unternehmensgründung beschreiben müssten, welche wäre das?

Eine der größten Herausforderungen ist die Akquise geeigneter Team-Mitglieder. Insbesondere aufgrund des zu knappen Wohnraums in München ist es oft schwierig, Mitarbeiter zu gewinnen. Aus diesem Grund haben wir bereits einen zweiten Standort in Dortmund eröffnet.

Der aktuelle Firmensitz von Brabbler in München-Neuaubing.

Und wie empfindet Ihr die Gründerstimmung in Deutschland bzw. in München?

Der Startup-Hype in München bleibt ungebrochen, ob Blockchain, Health-, Food- oder Cleantech. Täglich entstehen neue interessante Geschäftsideen. Es bieten sich viele Plattformen für Gründer in meiner Heimatstadt, um Kontakt zu potenziellen Investoren aufzunehmen. Beispielsweise treffe ich selbst einmal monatlich auf engagierte Gründer im Rahmen des Munich Angels Dinners.

Was ist Ihrer Meinung nach der ausschlaggebende Faktor für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung?

Eine Idee, die intrinsisch motiviert ist, ein engagiertes Team, das die Vision der Gründer mit Herzblut teilt, und natürlich der Bedarf im Markt, um das Produkt zu vertreiben.

„Mix aus erfahrenen Professionals und hungrigen Einsteigern“

Haben Sie einen Geheimtipp für andere Gründer?

Gründer sollten agile Prozesse aufsetzen und sie auch wirklich leben. Dazu gehört beispielsweise, sich jeden Tag einen kurzen Überblick über sämtliche Bereiche zu verschaffen. Wichtig ist außerdem der richtige Mix aus erfahrenen Professionals und hungrigen Einsteigern, die voneinander lernen und im Teamwork freundschaftlich zusammenarbeiten.

Bei Letzterem hilft sicher auch der obligatorische Kicker im Büro im Neuaubing und das spürbare Startup-Feeling in dem hübschen roten Backsteinhaus. Oder vielleicht auch das kuschelige Zusammenarbeiten in einem der Containerbüros vor der Haustür — da Brabbler so stark wächst, musste schnell Ausweichfläche her. Wir bedanken uns jedenfalls für die spannenden Einblicke und sind gespannt, was die Zukunft für das junge Unternehmen noch bereithält.

Ein Artikel von

Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München und die Region, das von der Landeshauptstadt München entwickelt wurde. Mitinitiatoren bzw. Kooperationspartner sind die UnternehmerTUM, das Entrepreneurship Center der LMU, das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) und die IHK für München und Oberbayern. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH).

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