Startups, die fliegen – Nachgefragt beim… AZO und ESA BIC Bavaria
Fotocredit: ESA/NASA

Startups, die fliegen – Nachgefragt beim… AZO und ESA BIC Bavaria

Die Anwendungszentrum Oberpfaffenhofen GmbH (AZO) hat zum Ziel, raumfahrtbezogene Innovationen zu finden und diese voranzutreiben. 2004 als Inkubator des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium ins Leben gerufen, unterstützt die Institution seitdem junge Unternehmen dabei, ihre Geschäftsideen im Markt zu etablieren.

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Stefanie Herrmann, CFO beim AZO

Wie das AZO Startups helfen kann, dazu haben wir mit Stefanie Herrmann, CFO beim AZO, gesprochen.

Was hat der Markt zu bieten?

Die erste Frage, die sich stellt: Gibt es denn viele Geschäftsideen mit Raumfahrtbezug? Viel mehr, als man denkt, meint Herrmann. Die Zielgruppe ist nicht so eng wie es scheint, die Branchen sind vielfältig.

„Das kann beispielweise ein Service sein, der die Nutzung von Satellitenbildern oder Signalen beinhaltet. Oder Materialien aus der Raumfahrt werden in ein Produkt intergiert. Wir sprechen über einen Robotikgreifarm oder eine Software, die ursprünglich in der Raumfahrt-Forschung entwickelt wurden und nun in der Automobilindustrie eingesetzt werden sollen“,

erklärt Herrmann weiter.

Ein wichtiger Baustein ist dabei das Technologie-Scouting, ein weiterer das europaweite Innovationsnetzwerk. Um herauszufinden, welche innovativen Ideen der Markt gerade zu bieten hat, koordiniert das AZO Innovationswettbewerbe wie die  European Satellite Navigation Competition (zur Satellitennavigation), die Copernicus Masters (zur Erdbeobachtung) oder die Service Robotic Masters. Hinzu kommen europaweite Hackathons wie die Space App Camps.

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Die Preisverleihung der European Satellite Navigation Competition (ESNC)

Zugang zur Industrie, Experten und Fördermitteln

In den vergangenen Jahren gab es in den Ideenwettbewerben über 10.000 Teilnehmer. Die besten Ideen evaluieren die Partner und Experten aus dem Netzwerk. Wer hier besteht, darf entweder in den ESA  BIC Inkubator oder, speziell zum Thema Erdbeobachtung, auch in den Copernicus Accelerator. Dadurch erhält das Startup neben Zugang zu Industriekunden auch Zugriff auf das europaweit größte Innovationsnetzwerk zu diesem Thema mit mehr als 25 Partnerregionen und über 200 Experten fürs Mentoring. Das AZO unterstützt außerdem bei der Fördermittelgewinnung wie Horizont 2020.

Was der ESA BIC Inkubator bietet

Im ESA Business Incubation Centre (BIC) Bavaria sind die Startups mindestens für ein Jahr, maximal zwei Jahre. Ziel ist es, das Unternehmen „market ready“ zu machen. Der Inkubator hilft dabei, die Technologie weiterzuentwickeln, Schutzrechte zu generieren oder den Prototypen zu bauen und schließlich das Produkt marktreif zu machen.

Dafür geben Freistaat und die Europäische Weltraumorganisation (ESA) einen Zuschuss von insgesamt 50.000 Euro ohne Anteile an der Firma zu nehmen. Auch können mit diesen finanziellen Mitteln allgemeine Themen wie die Webseitenerstellung, Marketingmaterialien. anzgegangen werden.

Auch unterstützt das AZO dabei, wenn außergewöhnliche Räumlichkeiten gesucht werden. Das Zentrum hat zwar selbst nur ganz normale Büroräume und keine Laborinfrastruktur, aber es ist für die Startups möglich, Testeinrichtungen beim DLR zu nutzen.

Lilium, das elektrische Flugzeug, hat sich hier unten ein Labor eingerichtet, eine Werkstatt und  mehrere 3D Drucker, um die Einzelteile zu erstellen. Und es gibt von Vectoflow hier ums Eck gleich einen Windkanal.“

nennt Herrmann einige Besonderheiten.

Die Schatzgräber des ESA BIC Bavaria

Die Startups aus dem ESA BIC Bavaria haben einen ganz unterschiedlichen Hintergrund: Die Gründer sind eine recht internationale Truppe, bewerben sich aus Spanien, England, Frankreich. Und die einen kommen „von außen“ über Wettbewerbe (die eigenen oder aber auch den Baystartup Businessplan Wettbewerb) oder über Empfehlungen, beispielsweise direkt von der Uni oder aus dem Berufsleben, die anderen kommen über Forschungszentren wie DLR oder Fraunhofer, die auch Partner des AZO sind. „Hier liegen Schätze, die müssen gehoben werden,“ meint Herrmann. Und das ESA BIC Bavaria hilft dabei, die Ideen für den Markt reif zu machen, so dass sie kommerziellen Ansprüchen standhalten.

Viermal im Jahr können sich Startups beim Inkubator bewerben. Herrmanns Tipp: Einfach auf das AZO direkt zugehen:

„Wir führen sehr gern Vorgespräche, denn die Bewerbung kommt einem Businessplan sehr nahe und erfordert einiges an  Einsatz, das soll ja Sinn machen. Je früher sich jemand mit uns austauscht, desto lieber ist es uns.“

Das ist wichtig, damit das Anwendungszentrum das Businessmodell versteht, der Raumfahrtbezug der Geschäftsidee klar wird und das AZO Team bei Bedarf beim Bewerbungsprozess unterstützen kann.

Der Türöffner für Startups

Und wenn das Startup den zweistufigen Bewerbungsprozess gemeistert hat und die Evaluatoren das Go gegeben hat, dann heißt es: Einziehen in den ESA BIC Bavaria Inkubator.

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Im ESA BIC Bavaria Inkubator in Oberpfaffenhofen werden die Teams ein bis zwei Jahre unterstützt.

Die Gründer bekommen neben dem bereits genannten Zuschuss von 50.000 Euro außerdem Unterstützung durch die Netzwerk-Partner bei der technischen Entwicklung des Produkts. Zusätzlich gibt es regelmäßige Jour Fixes, Hilfe bei Fragen der Finanzierung sowie bei der Erschließung von Markt und Kunden, inklusive 1 zu 1 Matchmaking-Gelegenheiten.

 

 

„Da hilft uns unser großes internationales Netzwerk. Wir haben in diesem Netzwerk diverse Industriepartner –  das kann beispielsweise eine DHL, Telekom oder SAP sein. Die Industrie ist mittlerweile deutlich offener gegenüber Startups als früher. Wir dienen hier als Türöffner.“

so Herrmann weiter. Neben Einzel-Mentoring durch Experten gibt es auch Coaching zu Themen wie Schutzrechte, Zertifizierung und Fremdkapitaleinwerbung oder Pitchingtrainings.

Hauptgründe für Erfolg und Scheitern

Stefanie Herrmann hat in ihrem Job schon viele Gründer und  Geschäftsideen gesehen. Dabei hat sie drei Erfolgsfaktoren ausgemacht:

  • Teamstruktur. Schließlich reicht es nicht, eine geniale Idee zu haben, wenn es niemanden gibt, der sie verkaufen kann.
  • Problem- und Kundenorientierung: Denn ich verkaufe nur, wenn ich einen Kunden habe, dessen Problem ich löse, und der bereit ist, dafür Geld auszugeben.
  • 90% reichen. Was nützt die tollste Technologie, die viel mehr kann, als gewünscht ist – und damit zu teuer ist.

Und der Hauptgrund fürs Scheitern? „Fehlender Fokus und gleichzeitig zu viel Perfektionismus,“ sagt Herrmann. Sie bezieht sich dabei auf Startups, die rausgehen und vom Kunden hören ‚Könntest du nicht noch diese Features entwickeln, so dass es für mich passt?‘. Hier ist die Aufgabe des AZO, die Startups wiedereinzufangen.

„Dann sagen wir den Gründern: Adaptionen muss der Kunde entweder zahlen oder er hat Pech gehabt,“

ergänzt Herrmann.

Kooperationen zwischen klein und groß

Auch nachdem die Startups den Inkubator verlassen haben, hält das AZO Kontakt. Viele bleiben in der Nähe und suchen sich in der Umgebung neue Büros. Warum? Auf der Suche nach Lösungen geht die Industrie oft auf das AZO zu – hier vermittelt das Anwendungszentrum dann an passende Startups.

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Das AZO Team hat 20 Mitarbeiter. Unter anderem organisiert das AZO die Preisverleihungen zu Wettbewerben wie ESNC – bei  Gelegenheiten wie diesen kann man das Team kennen lernen.

Über 115 Jungunternehmen nahmen im ESA BIC Bavaria Inkubator teil, im europäischen Netzwerk sind es mehr als 400. Die Überlebensrate von 89 % nach fünf Jahren zeigt, dass die Startups des Inkubators überwiegend erfolgreich sind. Mehr als 1.600 High-Tech Jobs wurden hier geschaffen und jährlich mehr als 140 Millionen Euro Umsatz in den Jungunternehmen erwirtschaftet.

Der Startup-Spirit überlebt den Exit

Das macht laut Herrmann auch ihre Arbeit so spannend:

„Wir haben viele Unternehmen, die einfach abgehoben haben. Die Startups fliegen! Einige Gründer haben ihr Unternehmen verkauft und sind nun nach dem Exit als Business Angels tätig. Daran sieht man auch: Wer einmal so einen Spirit hat, der verliert den nicht mehr.“

Gleichzeitig beschert das dem AZO unter anderem ein sehr starkes eigenes Business Angels Network neben den guten Kontakten zu anderen Finanzierungsnetzwerken wie BayStartUP, dem Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND), dem Eruopäischen Angel Netzwerk EBAN  und vielen mehr.

Das AZO und der ESA BIC Bavaria Inkubator bieten also viele gute Gründe, um zu prüfen, ob nicht auch im eigenen Startup ein bisschen Raumfahrtbezug steckt…

Fotocredits: AZO / ESA BIC Bavaria

Ein Artikel von

Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München und die Region, das von der Landeshauptstadt München entwickelt wurde. Mitinitiatoren bzw. Kooperationspartner sind die UnternehmerTUM, das Entrepreneurship Center der LMU, das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) und die IHK für München und Oberbayern. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH).

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