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SXSW – Tag 3: Was man in VR nicht sehen möchte

VR und AR dominieren die SXSW-Ausstellermesse. Der Moderator eines FinTech-Panels muss einschreiten und mehr Feindseligkeit fordern. Außerdem stellen wir in unserem heutigen SXSW-Tagesbericht Kunstprojekte auf dem Techfestival vor.

Am dritten Tag der SXSW eröffnet endlich auch die große Messe im Zentrum des Convention Centers. Unternehmen, Länder und Organisationen präsentieren sich dort an Messeständen. Ein angenehmer Nebeneffekt: Die gefühlt endlosen Wege durch das Gebäude lassen sich jetzt mit Abkürzungen über die Messehalle deutlich verkürzen.

Omnipräsent sind auf der Trade Show wenig überraschend die Hype-Themen Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). Einen besonders bleibenden Eindruck hat bei uns die Präsentation der Tierschutzgruppe „Animal Equality“ hinterlassen: In der abgeschotteten Welt hinter der VR-Brille sehen wir das Leben eines Mastschweins aus dessen Perspektive — von der Geburt neben seiner Mutter in einem Edelstahlgehege bis zur Schlachtung. Auf die zweite Präsentation aus Sicht eines Huhns haben wir dankend verzichtet. Neben der lehrsamen Erfahrung haben wir auch eine neue Form der berüchtigten VR sickness mitgenommen.

Entspannend dagegen ist der Flug mit dem Schweizer Flugsimulator Birdly: Flügelschlagend gleitet der Nutzer durch die Straßenschluchten New Yorks. Auch die NASA setzt auf VR und ermöglicht es den Standbesuchern, einen Flug auf den Mars zu erleben.

Ganz real präsentieren sich dagegen die deutschen Teilnehmer unter dem Motto „wunderbar“ an einem Gemeinschaftsstand.

„Wir haben 100 Unternehmen gefragt“

Erstaunlich friedlich ging es bei einer FinTech-Variante des „Familien-Duells“ zu: Anders als aus dem Fernsehen bekannt, wurden hier nicht 100 Leute, sondern natürlich Unternehmen gefragt, was für sie die heißesten Themen in Bezug auf Finanzdienstleistungen sind. Die anwesenden Vertreter von Banken und FinTechs sollten sich dann, so zumindest das Konzept, gegenseitig die jeweiligen Schwächen vorhalten. Schließlich arbeiten alte und neue Finanzunternehmen zwar häufig zusammen, treten dabei aber auch in Konkurrenz zueinander — „Frenemies“ eben. George Kurtyka von der Großbank BBVA lobte die hohe Geschwindigkeit und Kundenorientierung von FinTech-Unternehmen und zeigte sich bescheiden:

„We are learning from that. We are trying to change.“

Der Moderator sah sich schließlich genötigt, einzuschreiten:

„Too friendly — we need hostility!“

"Frenemy Feud - Fintech vs the Banks", Foto: Munich Startup
„Frenemy Feud – Fintech vs the Banks“, Foto: Munich Startup

Unterdessen im German Haus

Unter der Federführung von Invest in Bavaria zog das German Haus indes hochkarätige Corporates an: Bei der „German Corporate Champions League“ hatten Startups die Gelegenheit, sich mit Vertretern deutscher Konzerne zu treffen und unbezahlbare Kontakte zu knüpfen. Außerdem pitchten diesmal Medien-Startups vor einer Jury um 10.000 Euro Medienbudget. Lina Timm vom Media Lab Bayern brachte internationale Digitaljournalisten zum Lunch im German Haus zusammen.

Techno-Kunst am Rande des Festivals

Ein spannender Teil der SXSW jenseits von Trade Show und German Haus entgeht dagegen wohl vielen Besuchern: Verteilt über mehrere Veranstaltungsorte stellen Künstler ihre Werke aus. Auch das Kunstprogramm bewegt sich thematisch im SXSW-Kosmos: So können die Besucher einer Licht-Installation über ein Tablet Leuchtfäden manipulieren. Der „Infinity-Room“ ist eine an Boden und Decke verspiegelte Black Box im Convention Center, in die unterschiedliche Formen projiziert werden. Die Skulptur „Triph“ reagiert auf die Anwesenheit von Besuchern mit pulsierenden Lichtern. Ein anderes Projekt zeigt technisch überzeugend die künstlerischen Anwendungsmöglichkeiten von Virtual Reality. Das passt alles hervorragend zur SXSW und wir würden dem Kunstprogramm deutlich mehr Präsenz auf dem Festival wünschen.

Im heutigen Video des Werk1 spricht Florian Bergmann mit Toposens:

https://www.facebook.com/werk1muenchen/videos/789634811183761/

 

Hier findet Ihr die bisherigen Artikel aus unserem SXSW-Tagebuch:

SXSW – Tag 1: Wie weird ist Austin?

SXSW – Tag 2: Digitization changes everything

Simon Tischer

Seit Dezember 2015 schreibt Simon Tischer für Munich Startup. Vorzugsweise berichtet er über Studien, Hintergründe und von Veranstaltungen. Er studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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