Contunity: Rapid Prototyping für digitale Steuergeräte

Das Münchner Startup Contunity ermöglicht mit einer Softwareplattform anderen Firmen Rapid Prototyping für Steuergeräteentwicklung, auch ohne tiefgreifende Elektronik-Kenntnisse. Gegründet von den Brüdern Alex und Tobias Pohl sowie André Alcalde ist das Startup seit kurzem beheimatet im Gründerzentrum Gate. Unsere Fragen beantwortet Tobias Pohl.

1. Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch bitte kurz vor!

Die Entwicklung eigener Elektronik ist sehr komplex, zeit- und kostenintensiv sowie fehleranfällig. Contunity ändert das! Unsere Softwareplattform erlaubt es jeder technisch versierten Person Elektronik zu entwickeln und das ohne spezifisches Know-how. Gleichzeitig können über unsere Plattform bereits entwickelte und zertifizierte Schaltungen wiederverwendet werden.

Nutzer beschreiben einfach ihre Anforderungen über eine graphische Benutzeroberfläche — vergleichbar mit einem graphischen Lastenheft — und unsere Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) generieren vollautomatisch alles, was man braucht. Damit kommt der Kunde innerhalb von wenigen Minuten von einem Konzept zu einem fertigen Schaltplan, Platinenlayout und Basissoftwarecode.

Die Gründer hinter Contunity sind mein Bruder Alex Pohl, André Alcalde und ich, Tobias. Mein Bruder und ich hatten die Idee vor ca. 4 Jahren, da wir kaum glauben konnten, wie komplex und repetitiv die Arbeit in der Entwicklung war. André wurde Mitte 2018 Teil des Teams und bringt langjährige Erfahrung aus der Elektronikindustrie mit. Mittlerweile steht ein internationales Team von 13 Leuten aus sechs Ländern hinter uns.

Contunity bringt Rapid Prototyping in eine neue Welt

2. Aber das gibt’s doch schon längst!

Nein, im Bereich der Board-Level-Elektronikentwicklung ist unser Ansatz grundlegend neu! Allerdings ist es richtig, dass unser Ansatz in anderen Entwicklungsbereichen teilweise seit Jahrzehnten Stand der Technik ist.

Das war auch sehr entscheidend für die Idee hinter Contunity. Ein Beispiel dafür ist der Bereich der Softwareentwicklung, mit dem unser gesamtes Team sehr verbunden ist. Softwareentwickler schreiben fast nicht mehr Zeile für Zeile in Maschinencode. Das ist in fast allen Anwendungen schlicht nicht sinnvoll und unvorstellbar zeitintensiv. In der Hardwareentwicklung ist es aber tatsächlich noch so. Widerstand für Widerstand, Kondensator für Kondensator und Leitung für Leitung müssen einzeln platziert und vernetzt werden. Wir bringen die gleichen Vorteile, die beispielsweise in der Softwareentwicklung seit Jahren üblich sind, in eine neue Welt.

Team, Technologie und Netzwerk

3. Was sind die drei Hauptzutaten für Euer Erfolgsrezept?

Die allerwichtigste Zutat für unseren Erfolg ist unser Team. Das kann man gar nicht genug betonen. Technologie kann nachgemacht werden, Software kann neu geschrieben werden, Kunden neu gewonnen und Geld neu verdient. Aber unser Team gibt es nur einmal und ist entscheidend dafür, wer wir sind.

Allerdings, wenn wir schon über Technologie und Software sprechen: Vor einigen Jahren haben Alex und ich mit einigen Leuten in der Industrie gesprochen und die meisten waren sich sehr einig: Unsere Idee ist nicht umsetzbar. Wir können jetzt zeigen, dass das falsch war. Es ist möglich und unsere Software zeigt das eindrucksvoll. Aus diesem Grund würde ich sagen, dass unsere Technologie definitiv die zweitwichtigste Zutat für unseren Erfolg ist.

Das Drittwichtigste ist unser Netzwerk. Wir sind in einem sehr konservativen B2B-Umfeld tätig. Dort macht es einen Riesenunterschied, ob wir uns mit Cold Calling (Anm. d. Red.: telefonische Kaltakquise von Kunden) zu dem richtigen Ansprechpartner hoch kämpfen oder ob wir einen direkten Kontaktpfad zum CTO haben. Dabei hilft uns unser bisheriger Investor und Organisationen wie die Wissensfabrik, das LMU EC oder die UnternehmerTUM enorm.

4. Butter bei die Fische: Wie läuft das Geschäft?

Unsere Software läuft, unser Team wächst rasant, die ersten Pilotprojekte laufen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass wir über die letzten Wochen gewaltig nach vorne gekommen sind. Die ersten Pilotprojekte zeigen gigantische Einsparungen in der Entwicklungszeit. So können wir in allen Anwendungen durch die Bank mehr als 90% Zeiteinsparung realisieren. In einem Fall konnten wir die Entwicklungszeit sogar von 160 Stunden auf unter drei Stunden reduzieren.

„Gigantische Einsparungen in der Entwicklungszeit“

5. Was bedeutet München für Euch?

München ist „the place to be” für Hightech-Startups. Insbesondere im Bereich komplexer, industrieller Anwendungen spielt hier die Musik. Gleichzeitig hat hier ein großer Teil unseres Teams studiert. Deshalb ist es kein Zufall, dass Contunity auch genau hier entstand. Von einer ersten Idee in Businessplan-Seminaren der UnternehmerTUM bis zu dem Punkt, wo wir heute stehen. All das ist in München passiert.

6. Wird Euer Startup zum nächsten Unicorn? Oder sehen wir uns bald auf der Epic Fail Night?

Ganz klar Unicorn! Die Elektronikindustrie ist gigantisch groß. Auch wenn dabei die meisten Leute an Smartphones und PCs denken, es gibt überall versteckte Elektroniksysteme. Jede Kaffeemaschine, jeder Getränkeautomat, ja sogar die meisten Lampen haben diese Systeme in sich.

Irgendjemand muss all diese Systeme entwickeln! Im Moment machen das ca. 2,7 Millionen Ingenieure weltweit. Trotz der großen Anzahl sind sie häufig überfordert und können nicht alles umsetzen. Gleichzeitig steigt der Bedarf massiv und es gibt einen enormen Fachkräftemangel. Contunity ist die Lösung für das Problem und das ergibt ein massives Potenzial.

7. Wandern oder Biergarten?

Wir legen sehr viel Wert auf Diversity! Deshalb wählen wir strategisch die richtigen Personen aus, um eine möglichst breite Interessensverteilung zu haben. Biergarten oder Wandern gehört da selbstverständlich dazu. Die Umfrage im Team ergab 50% für Biergarten, 50% für Wandern (und eine Enthaltung).

Spaß bei Seite: Das war purer Zufall.

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