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Venture Capital erlebte 2019 Rekordjahr in Deutschland

Im vergangenen Jahr konnten deutsche Startups 5,7 Milliarden US-Dollar an Venture Capital einsammeln, 49 Prozent mehr als 2018. Damit ist das Startup-Ökosystem in Deutschland deutlich besser finanziert als in den meisten anderen europäischen Ländern. Zudem hat sich die Zahl der deutschen Unicorns um vier auf neun erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des international agierenden Early Stage Venture Capital Fonds White Star Capital.

Unter den Ländern Europas wird einzig in Großbritannien mehr Venture Capital an Startups verteilt (11, 2 Milliarden Dollar), so die Studienautoren. Das Wachstum ist dort mit 38 Prozent jedoch deutlich geringer. Auf Platz drei folgt Frankreich mit 4,1 Milliarden Dollar, den vierten Rang belegt Schweden mit 1,5 Milliarden.

Zieht man zum Vergleich die USA und China hinzu, wird zudem deutlich, dass das Ökosystem in Deutschland zwar um vieles kleiner ist, jedoch eine große Dynamik aufweist. So waren in beiden Staaten die Investitionen deutlich höher — für die USA gibt die Studie deutlich über 100 Milliarden Dollar an, für China knapp 50 Milliarden Dollar — das Wachstum liegt in den Vereinigten Staaten jedoch nur bei 7 Prozent, während die Summe des investierten Venture Capital in China im Vergleich zum Vorjahr sogar um 55 Prozent abnahm.

Weniger Venture Capital Deals als 2018

Trotz der deutlichen Zunahme von Venture Capital hat die Gesamtzahl der Deals in Deutschland abgenommen. Wurden 2018 in Deutschland 862 Finanzierungen abgeschlossen, waren es 2019 nurmehr 785 (minus 9 Prozent). Damit folgt das hiesige Ökosystem einem europaweiten Trend, denn auch in anderen Ländern nahm die Zahl der Deals ab — sogar wesentlich stärker als in der Bundesrepublik: So sank die Zahl in Großbritannien um 16 Prozent auf 2.097, in Frankreich um 35 Prozent auf 739 und in Schweden um 18 Prozent auf 379. Dies bedeutet aber auch, dass die einzelnen Finanzierungen deutlich mehr Kapital an die Startups verteilten als in den Jahren zuvor.

Venture Capital besonders für Mobility- und B2B-Startups

Die größte Zahl an Investitionen verzeichnete in Deutschland laut der Studie der B2B-Software-Bereich: Mit insgesamt 148 Deals sammelten die Startups in dieser Branche rund eine Milliarde Dollar ein. Die größte Summe konnte aber der Mobility-Bereich verzeichnen: Hier verteilten sich 1,3 Milliarden Dollar auf 27 Deals. Auch die Fintech-Branche wurde mit 1,2 Milliarden Dollar in 48 Deals großzügig bedacht.

Die Investoren interessierten sich dabei besonders für spätere Finanzierungsrunden. So wurde mehr als ein Drittel (38 Prozent) des Finanzierungsvolumens in Series B-Finanzierungen investiert, was im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von 106 Prozent bedeutet. Series C-Runden machten mit einem Plus von 82 Prozent ein weiteres Fünftel (21 Prozent) der Investitionen aus.

Berlin an der Spitze, München auf Platz zwei

In Deutschland wurde sehr dezentral investiert: So wurden 34 Prozent des Venture Capitals an Berliner Startups investiert, Münchner (16 Prozent) und Hamburger (6 Prozent) Unternehmen folgen. Aufgrund der starken Fragmentierung entfällt mit 41 Prozent der Großteil auf die Kategorie „Andere“. Bei den Investitionen spielen zudem Corporate Venture Capitals (CVC) s eine wichtige Rolle: Sie machen 27 Prozent aller Deals und 58 Prozent der gesamten Investmentsumme aus.

Die Finanzierung mit dem europaweit größten Volumen war laut der Studie die Series F von Flixbus, die dem Unternehmen 564 Millionen Dollar frisches Kapital brachte. Mit Get Your Guide, N26, FCG und Celonis haben es weitere vier deutsche Startups in die Top Ten der größten Finanzierungen Europas geschafft.

Deutsche Einhörner

Auch im Bereich der Unicorns hat sich einiges in der Bundesrepublik getan: Im vergangenen Jahr haben vier neue Unternehmen (Flixbus, Wefox, N26 und Deposit Solutions) eine Bewertung von einer Milliarde Dollar oder mehr erreicht, so dass sich die Gesamtzahl der deutschen Unicorns auf 9 erhöht hat. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland auf Platz 2 hinter Großbritannien mit derzeit 17 Unicorns.

Mit Flixbus und Celonis haben zwei der deutschen Top-Startups ihren Sitz in München. Lilium, das eine Bewertung von 0,6 Milliarden Dollar erhält, gilt als potenzielles weiteres Münchner Einhorn.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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