Die weiteren Auswirkungen von COVID-19 auf die Wirtschaft

Im Februar gingen Institute wie die KfW oder der IWF noch von einem leicht verminderten Wirtschaftswachstum durch COVID-19 aus. Grundlage dieser Prognosen war jedoch stets die Annahme, dass die Epidemie auf China beschränkt bleibt. Dies ist jedoch nicht eingetreten — nun schließen Autobauer ihre Werke, internationale Konzerne fordern Staatshilfe und erste Länder beantragen Nothilfe beim IWF. Was macht COVID-19 mit der globalen Wirtschaft?

Ende Februar rechnete die KfW für das gesamte Jahr 2020 mit einem Anstieg des BIP in Deutschland von nur noch 0,8 Prozent (Vorprognose: +0,9 Prozent), der IWF korrigierte das bis dato für 2020 erwartete globale Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent auf 3,2 Prozent nach unten. Beide Institute rechneten damit, dass COVID-19 schwerpunktmäßig auf China begrenzt bleibt und in einigen Wochen abflauen würde. Danach sollte sich die chinesische Wirtschaft relativ rasch wieder normalisieren.

Diese Hoffnung wurde jedoch nicht erfüllt und das Virus breitet sich seitdem weltweit aus: Die WHO spricht offiziell von einer Pandemie. Welche Auswirkungen dies auf die Wirtschaft haben wird ist nur schwer abzuschätzen, weswegen KfW, IWF und andere Institutionen sich mit neuen Prognosen zurückhalten. Bei der Unternehmensberatung McKinsey heißt es lediglich:

„Es dauert bis zum 4. Quartal, bis sich die europäische und die US-amerikanische Wirtschaft wirklich erholt haben. Das globale BIP im Jahr 2020 geht leicht zurück.“

Und auch die EZB hält sich bedeckt. Allerdings wurde aus EU-Diplomaten-Kreisen bekannt, dass EZB-Chefin Christine Lagarde mit einem drastischen Einbruch des Wirtschaftswachstums zwischen 2 und 10 Prozent rechnet.

Autobauer schließen Werke, Handel bangt um Arbeitsplätze

Die Auswirkungen von COVID-19 auf die Wirtschaft sind deutlich zu sehen: So haben nicht nur weltweit die globalen Aktien-Indizes massiv an Punkten verloren, auch erste Großkonzerne reagieren. Zahlreiche Autobauer wie der VW-Konzern, die französische PSA, Daimler und BMW haben angekündigt, ihre Werke in Europa vorübergehend zu schließen. Dabei geht es den Herstellern nicht nur darum, den Angestellten zu ermöglichen, zu Hause zu bleiben und so deren Ansteckungsrisiko zu minimieren. Auch wirtschaftlich stehen die Hersteller vor großen Problemen: So ist etwa der Automarkt in China beinahe völlig zusammengebrochen. Im Februar 2020 wurden dort 80 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als ein Jahr zuvor. Und in den 27 Ländern der EU sanken laut dem europäischen Branchenverband Acea im Februar die Neuzulassungen um 7,4 Prozent auf 957.052 Autos. In Deutschland gingen sie dabei mit 10,8 Prozent am stärksten zurück.

Auch die Einzelhändler in Deutschland stellen Forderungen: Mit Blick auf eine mögliche Pleitewelle und dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze richtete sich der Branchenverband HDE in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Darin fordert er schnelle und umfassende Hilfe für die zahlreichen Handelsunternehmen, deren Geschäfte zur Eindämmung des Coronavirus schließen müssen. HDE-Präsident Josef Sanktjohanser erklärt:

„Die Corona-Epidemie stellt unsere Branche vor sehr große Herausforderungen, wie es sie selbst während der Finanzkrise nicht gegeben hat. Durch massive Umsatzausfälle werden tausende selbstständige Unternehmen und Millionen von Arbeitsplätzen vernichtet. Betroffen sind viele kleine Textileinzelhändler, Schuh- und Sportgeschäfte, Parfümerien, der Möbeleinzelhandel und Elektronikgeschäfte sowie Kauf- und Warenhäuser. Aber auch viele Online-Handelsunternehmen leiden unter der durch Corona verursachten Konsumzurückhaltung mit einem Umsatzrückgang von 20 bis 30 Prozent.“

Staatliche Unterstützung für Unternehmen

Von staatlicher Seite wurden bereits zahlreiche Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft wegen COVID-19 zugesagt. So hat etwa das Bundesland Bayern einen Rettungsschirm für die von der Corona-Krise betroffene Wirtschaft beschlossen. Dazu gehören Soforthilfen von bis zu 30.000 Euro für Unternehmen. Zudem erhöhte die bayerische Staatsregierung den Bürgschaftsrahmen für die LfA Förderbank Bayern auf 500 Millionen Euro. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sagt:

„Mit diesem Gesamtpaket zeigen wir unsere Entschlossenheit, möglichst viele Unternehmen zu retten. Ziel ist es, die Liquidität der Firmen, die Kernsubstanz unserer Wirtschaft und so viele Arbeitsplätze wie möglich über die Krise zu retten.“

Auch die Bundesregierung hat mir ihrem Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen zahlreiche Maßnahmen angekündigt, von denen die ersten bereits umgesetzt sind. Dazu zählen etwa neue Regeln für die Vergabe von Krediten durch die KfW oder bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld. Zudem können Steuern oder Beiträge zur Sozialversicherung gestundet werden. Alle Maßnahmen und die wichtigsten Ansprechpartner für Unternehmen haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Die europäische Wirtschaft soll auch von der EU finanzielle Unterstützung erhalten. So sollen in diesem Jahr von den Mitgliedstaaten nicht in Anspruch genommene Mittel aus Vorfinanzierungen im Rahmen der europäischen Struktur- und Investitionsfonds nicht zurückgefordert werden. Stattdessen will die Kommission die Mitgliedstaaten verpflichten, diese Beträge dafür aufzuwenden, ihre Investitionen im Rahmen der Strukturfonds zu beschleunigen. Sie sollen diese Mittel für die nationale Kofinanzierung einsetzen, die sie normalerweise selbst hätten leisten müssen, um die nächsten Tranchen aus den Strukturfonds zu erhalten. Angesichts der durchschnittlichen Kofinanzierungssätze in den Mitgliedstaaten werden mithilfe dieser 7,5 Milliarden Euro rund 17,5 bis 18 Milliarden Euro an Strukturmitteln EU-weit freigesetzt.

COVID-19 und die internationale Wirtschaft

In den USA hat der angeschlagene US-Flugzeugbauer Boeing 60 Milliarden US-Dollar vom Staat gefordert, um die aktuelle Krise zu bewältigen. Tesla wiederum muss sein Werk in Kalifornien schließen. Um den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu begegnen, kündigte US-Präsident Trump an, Privatpersonen mit Geldzahlungen zu unterstützen. Dies soll den Konsum stärken und etwaige Lohnausfälle kompensieren. Zudem senkte die US-Notenbank ihren Leitzins auf 0,25 Prozent, ein historischer Tiefststand.

China hat erste Zahlen veröffentlicht, die zeigen, wie massiv der Schaden durch COVID-19 für die dortige Wirtschaft ist. Die Industrieproduktion im Januar und Februar sank im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Prozent. Auch der Umsatz im Einzelhandel gab mit einem Minus von 20,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich nach. Auch die Investitionen in Industrieanlagen brachen um 24,5 Prozent ein.

Um die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie auf einkommensschwache Länder und Schwellenländer abzufedern, stellt der IWF rund 50 Milliarden Dollar zur Verfügung. Davon stehen 10 Milliarden Dollar zinslos für die ärmsten Mitglieder zur Verfügung. Als erstes Land beantragte das wirtschaftlich schwer angeschlagene Venezuela 5 Milliarden Dollar aus dem Fonds. In dem südamerikanischen Land gibt es aktuell (Stand 18.3.) 33 offiziell bestätigte Fälle von COVID-19. Der IWF lehnte die Auszahlung der Hilfen jedoch ab. Aufgrund des anhaltenden Machtkampfes in Venezuela herrsche keine Klarheit unter den IWF-Mitgliedern, wer als rechtmäßige Staatsführung des Landes gelte.

Besonderes Augenmerk genießen auch die Volkswirtschaften in Italien, Spanien und Griechenland. Denn während die COVID-19-Situation in Griechenland noch unter Kontrolle scheint, haben Italien und Spanien bereits den nationalen Notstand ausgerufen — mit wahrscheinlich schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaftsleistung der Länder. Die TAZ warnt daher bereits vor der Rückkehr der überwunden geglaubten Eurokrise.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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