Co-Founder und CEO von Flix, André Schwämmlein
Foto: Flix

André Schwämmlein von Flix: „Wir sind noch lange nicht fertig“

USA, Chile und bald auch Indien – wenn jemand weiß, wie Internationalisierung geht, dann ist das Flix. Mit Flix-Mitgründer André Schwämmlein sprechen wir im Interview darüber, wieviel Planung eine erfolgreiche internationale Expansion bedarf und welche konkreten Tipps er Startups mitgeben kann, die gerade ihren Marktstart im Ausland vorbereiten.

Munich Startup: Flix ist im Oktober in Chile gestartet, nächstes Jahr seid Ihr auch in Indien aktiv – die Weltkarte wird immer „Flix-grüner“. Seid Ihr drei Gründer vor über 10 Jahren mit dieser Vision gestartet?

André Schwämmlein, Gründer & CEO Flix: Das war natürlich die Vision, dass Flix global erfolgreich wird. Aber, dass es innerhalb so kurzer Zeit 42 Länder werden, haben wir damals allerdings noch nicht geahnt. Aber es zeigt: Menschen weltweit wollen nachhaltig und erschwinglich reisen und unser Geschäftsmodell verändert mit Technologie die globalen Busmärkte.

Munich Startup: Und wie ist Eure Vision bezüglich der Internationalisierung für die nächsten 10 Jahre?

André Schwämmlein: Wir wollen weiter profitabel und nachhaltig wachsen. Natürlich schauen wir uns auch neue Märkte an, prüfen die Machbarkeit. Für nächstes Jahr planen wir den Launch in Indien, das ist einer der größten Busmärkte der Welt. Zu weiteren Expansionsmöglichkeiten ist aktuell nichts spruchreif, aber wir sind sicher noch lange nicht fertig.

Wenig Zufall, viel Strategie und Geschäftsmodell

Munich Startup: Wie viel ist Deiner Meinung nach Zufall, und wie viel ist Planung bei einer erfolgreichen internationalen Expansion?

André Schwämmlein: Planung ist extrem wichtig, bei uns kümmert sich ein eigenes Team ganz dediziert um die Erschließung neuer Märkte und das gesamte Flix-Team hat wahnsinnig viel Erfahrung in Internationalisierung. Da wird alles genau analysiert und auch vor Ort im Detail überprüft. Durch unsere globale Technologieplattform können wir mittlerweile sehr effizient und erfolgreich in neue Länder expandieren. Daher ist ehrlicherweise wenig Zufall und ganz viel Strategie und Geschäftsmodell.

Munich Startup: Kommen wir vom Übergeordneten zum Konkreten: Was sind aktuell Eure Herausforderungen bei der Vorbereitung des Markstarts in Indien versus dem Marktstart in Chile?

André Schwämmlein: Es ist unglaublich wichtig neben den globalen Erfolgsfaktoren wie Geschäftsmodell und Technologie auch ganz konkret die Unterschiede eines neuen Marktes zu verstehen. Da geht es um Regulierung, Wettbewerber, Marketing und Vertrieb sowie die lokale Busindustrie.

Chile war ein sehr erfolgreicher Launch für uns, besser als fast alle Länderstarts zuvor. Wir sind zunächst mit ein paar wenigen Linien gestartet und werden die jetzt in den nächsten Wochen noch deutlich erweitern.

Indien birgt für Flix enormes Wachstumspotenzial: Der Fernbusmarkt ist größer als die Märkte in Nordamerika, Europa und der Türkei zusammen. Die Beliebtheit von Onlinebuchungen in Indien steigt aktuell rasant und genau dieses Potenzial wollen wir nutzen. Unser Anspruch ist aber auch hier Marktführer zu werden – wie in den anderen Flix-Märkten. Aber natürlich ist Indien ein sehr spezieller Markt für den wir uns sehr genau vorbereiten um dann auch erfolgreich zu starten.

Munich Startup: Und im Vergleich dazu: Was waren bei dem ersten außereuropäischen Land Eure größten Herausforderungen? Und wie habt Ihr Euch damals zu helfen gewusst?

André Schwämmlein: Unser erster außereuropäischer Markt war die USA. Gerade im Vergleich zu Deutschland waren Busse dort schon etabliert, hatten aber auch ein gewisses Image. Unser Ziel war daher vor allem, neue Fahrgäste für den Bus zu begeistern. Das hat auch gut funktioniert: In der Anfangszeit sind mehr als die Hälfte unserer Reisenden in den USA vorher noch nie Fernbus gefahren. Wir haben den Fernbusmarkt dort vergrößert und mit den Millennials eine komplett neue Zielgruppe angesprochen. Heute sind wir mit Flix und ja auch Greyhound das Rückgrat der Mobilität in Nordamerika.

Aus Daten lernen und das Risiko steuern

Munich Startup: Was sind Deine 5 hands-on Tipps für Startups, die gerade dabei sind, ihren Markstart im Ausland vorzubereiten?

  • Genau auswählen welche Märkte wirklich wichtig sind. Wir haben lange auf UK verzichtet und sind dafür nach USA gegangen. Nicht immer ist näher auch besser.
  • Sehr gut auf den Launch vorbereiten und verstehen, was man übertragen kann und was man wirklich anpassen muss.
  • Ein Team vor Ort, auch wenn es klein ist, hilft ungemein, um den Markt besser zu verstehen. Das muss aus meiner Sicht aber auch unternehmerisch für den Markt zumindest mitverantwortlich sein.
  • Die Standardisierung des Expansionsprozesses hat uns auch extrem geholfen.
  • Und wir testen dann Märkte eben doch in kleinem Stil und investieren erst dann massiv, wenn wir erste Ergebnisse sehen und aus unseren Daten lernen. So kann man das Risiko sehr gut steuern.

Munich Startup: Wie wichtig waren die Übernahmen von anderen Unternehmen für Eure Expansion? Was war das größte Learning in Bezug auf Übernahmen?

André Schwämmlein: Die Konsolidierung durch M&A ist neben dem organischen Wachstum ein wesentlicher Bestandteil unserer profitablen Wachstumsstrategie – und wir schauen uns kontinuierlich weitere Expansionsmöglichkeiten an. Von dem einen großen Learning zu sprechen, finde ich schwierig, aber was man schon sagen kann, ist, dass unsere Tech Expertise auch anderen Unternehmen enorm weiterhilft und wir viele Synergien nutzen können.

Munich Startup: Die Tech-Integration von Greyhound und Flix war sehr spannend, habt Ihr bei uns auf dem Festival erzählt. Ihr seid stolz darauf, dass nun beide Apps genutzt werden können. Wie hat die Zusammenarbeit mit einem solchen Traditionsunternehmen geklappt? Was lief gut, was war challenging?

André Schwämmlein: Wir konnten schon 18 Monate nach Übernahme von Greyhound deren Buchungsseiten komplett über die Flix-Technologie laufen lassen. Das zeigt, wie effizient und konstruktiv die Zusammenarbeit zwischen unseren Teams läuft und wie gut wir Synergien nutzen. Jetzt können Fahrgäste auf beiden Websites und in beiden Apps das riesige Greyhound- und Flix-Netz buchen und gleichzeitig auch die typischen Flix-Services nutzen. Das macht unser Angebot einfach nochmal attraktiver und stärkt unsere Marktführerschaft.

Mit dem Nachtbus von Rio nach Sao Paulo

Munich Startup: Wie wichtig ist es für Euch, auch Leute vor Ort im jeweiligen Land in Offices zu haben?

André Schwämmlein: Super wichtig. Wir haben weltweit über 20 Büros, damit wir wirklich sicherstellen, dass wir das Geschäft aus dem Markt heraus aufbauen können. Diese sind bei Flix auch unternehmerisch für den Markt verantwortlich. Sie setzen nicht die Strategie um, sondern definieren selbst wie ihr Weg zur Marktführerschaft aussehen soll.

Munich Startup: Was war persönlich Deine aufregendste Fahrt mit einem Flixbus im Ausland?

André Schwämmlein: Da gibt es wahnsinnig viele tolle Erlebnisse, ich war schon in vielen Ländern mit unseren Bussen unterwegs. Als ich aber im Nachtbus von Rio nach Sao Paulo gefahren bin ist mir schon nochmal bewusst geworden, was wir schon erreicht haben, aber auch wie viele tolle Möglichkeiten wir noch haben, global zu wachsen.

Helen Duran

Als Redakteurin ist die Wirtschaftsgeografin Helen Duran seit 2015 für Euch in der hiesigen Gründerszene unterwegs. Sie ist neugierig auf Eure spannenden Startup-Geschichten!

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