Startup-Finanzierung: Diese Fördermöglichkeiten gibt es

Mit unzähligen Finanzierungs- und Förderinstrumenten unterstützt die öffentliche Hand Startups. Welches Programm ist für welches Startup geeignet? Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengetragen.

Um bestehen zu können, müssen Startups etwas Neues bieten oder bestehendes deutlich verbessern, sprich: Sie müssen am Markt funktionieren. Um den ersehnten Proof-of-Concept erbringen zu können, braucht es zunächst einmal Kapital. Private Investoren scheuen jedoch häufig das Risiko, Geld auf ein nicht belegtes Geschäftsmodell zu setzen. Und auch, wenn das Unternehmen bereits erfolgreich läuft, tun sich manche Unternehmen schwer, dringend benötigtes Wachstumskapital zu akquirieren. Gerade in international umkämpften Geschäftsfeldern kann verspätetes Wachstum jedoch dazu führen, von der Konkurrenz abgehängt zu werden.

Hier kommt die öffentliche Hand ins Spiel: Der Bund, die Länder und Kommunen greifen Startups dort unter die Arme, wo eine Finanzierung durch den privaten VC-Markt nicht greift. Neben Wettbewerben, die Preisgelder und Prestige versprechen,  besteht die Unterstützung vor allem in Zuschüssen, Darlehen, Bürgschaften und Beteiligungen.

Vor der Unternehmensgründung

Die unterschiedlichen Förderprogramme richten sich jeweils an Unternehmen in verschiedenen Gründungsphasen. Zu Beginn des Gründungsprozesses ist eine finanzielle Förderung besonders wichtig — schließlich ist an Einkünfte aus dem operativen Geschäft noch lange nicht zu denken. Für Gründungen aus der Wissenschaft und (ehemalige) Hochschulabsolventen in der Gründungsvorbereitung (Pre-Seed-Phase) stellt EXIST Mittel bereit. Unter anderem profitierte das Münchner Startup FAZUA von der EXIST-Unterstützung. Mit-Gründer Marcus Schlüter sagte uns im Interview:

„Ohne das Stipendium von EXIST würde es uns heute nicht geben.“

Auch die Businessplan-Wettbewerbe von BayStartUP waren schon unzähligen Startups in der Pre-Seed-Phase eine große Hilfe: Die Teilnahme ist kostenlos, es winken individuelle Beratung bei der Businessplan-Erstellung und Geldpreise.

Seed- und Growth-Stadium: Große Auswahl an Finanzierungsmöglichkeiten

In der Seed-Phase muss ein Startup beweisen, dass die Welt auf sein Produkt gewartet hat. Für die Produktentwicklung, den Prototypenbau und den Unternehmensstart sind freilich flüssige Geldmittel notwendig. Um im Übergang von Pre-Seed- zur Seed-Phase nicht finanziell zu verhungern, sollte die Suche nach einer Anschluss-Finanzierung rechtzeitig beginnen — etwa sechs bis acht Monate im Voraus.

Kleinere stille Beteiligungen bis 50.000 Euro stellt der Mikromezzaninfonds Deutschland bereit. Der Vorteil: Die Gründer müssen bei einer Förderung keine Anteile abgeben — das Unternehmen bleibt in ihrer Hand.

Soll es eine Nummer größer sein, ist der High-Tech Gründerfonds (HTGF) eine gute Anlaufstelle. Seit 2005 haben 450 Unternehmen eine Finanzierung aus dem HTGF erhalten.

Das Programm INVEST bezuschusst Business Angels und andere private Investoren, wenn sie sich an Startups beteiligen. Die Jungunternehmen müssen sich zunächst die Förderfähigkeit bescheinigen lassen. Anschließend können sie sich in ein Verzeichnis des Business Angels Netzwerks Deutschlands eintragen lassen.

Für Startups, die schnell wachsen wollen und dabei den amerikanischen Markt im Visier haben, bietet der German Accelerator Starthilfe. In zwei getrennten Programmen bringt das Programm Life-Science-Startups nach Cambridge, Massachusetts, Heimat der Harvard University und des MIT, und Tech-Startups ins Silicon Valley, nach San Francisco und New York. Die Jungunternehmen werden vor Ort mit Mentoren, Investoren und Kunden vernetzt. Zur Zeit nimmt Icaros am German Accelerator im Silicon Valley teil.

Für die Finanzierung  innovativer Tech-Startups kann auch der Ko-Investmentfonds coparion interessant sein. Pro Unternehmen investiert der Fonds bis zu zehn Millionen Euro — vorausgesetzt, private Investoren beteiligen sich mindestens mit dem gleichen Volumen zu denselben Konditionen.

Eine interessante Option können auch Förderkredite darstellen. Vermittelt über die Hausbank bietet die KfW Unternehmen mit verbilligtem Zinssatz und weiteren günstigen Optionen. Auch die LfA Förderbank Bayern bietet Darlehen für die Gründungs- und Wachstumsfinanzierung.

Eine wichtige Anlaufstelle ist darüber hinaus der European Investment Fund. Dieser fördert ähnlich wie INVEST über den European Angels Fund (EAF) Investments durch Business Angels und bietet eine Reihe weiterer Finanzierungsinstrumente für Startups sowohl in der Seed- als auch in der Growth-Phase. Zu nennen sind etwa der ERP/EIF-Dachfonds, die ERP-VC-Fondsinvestments und die ERP/EIF-Wachstumsfazilität.

Weitere Informationen bietet eine Sonderausgabe der Zeitschrift Gründerzeiten und ein darin enthaltener Förderlotse. Einen guten Überblick über Fördermöglichkeiten bietet außerdem die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums.

Simon Tischer

Seit Dezember 2015 schreibt Simon Tischer für Munich Startup. Vorzugsweise berichtet er über Studien, Hintergründe und von Veranstaltungen. Er studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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